Venus-Transit: Sternwarte des Schillergymnasiums geöffnet

  • Die Sternwarte des Schillergymnasiums bietet perfekte Beobachtungsmöglichkeiten, die regelmäßig vom Verein Sterngucker und der AG Astronomie genutzt werden. Zur Beobachtung des Venus-Transfer ist sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Foto: Maik Schuck Die Sternwarte des Schillergymnasiums bietet perfekte Beobachtungsmöglichkeiten, die regelmäßig vom Verein Sterngucker und der AG Astronomie genutzt werden. Zur Beobachtung des Venus-Transfer ist sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Foto: Maik Schuck
Gewöhnlich sind Astronomen Nachtschwärmer. Wer am Mittwoch, 6. Juni, jedoch den Venus-Transit beobachten will, muss in Weimar in aller Herrgottsfrühe aus den Federn. Das spektakuläre Naturschauspiel, bei dem die Venus als winziger Fleck die Sonnenscheibe gleichsam entlangwandert, elektrisiert auch die AG Astronomie des Schillergymnasiums und den Verein Sterngucker.
Weimar. Diese öffnen die Sternwarte auf dem Dach ihrer Schule zur öffentlichen Beobachtung, teilte Uwe Schröter, Leiter der AG, mit. Interessierte treffen sich bereits um 4.45 Uhr vor dem Gymnasium.

Die Mitglieder der AG aber müssen noch zeitiger aufstehen: Sie kommen bereits um 4 Uhr in der Sternwarte zusammen, um die Technik auf den Venustransit vor der Sonne vorzubereiten. "Gegen 5 Uhr wird die Sonne aufgehen, die Venus befindet sich zu dieser Zeit als kleines rundes Fleckchen vor der Sonnenscheibe", informierte Schröter weiter. In Deutschland ist im Gegensatz zum Venus-Transit 2004 nur die Endphase des Durchgangs zu beobachten - von Sonnenaufgang gegen 5 Uhr nicht einmal zwei Stunden lang. Um 6.50 Uhr ist das Ereignis in Weimar bereits vorüber. Die maximale Dauer des Transits in Deutschland (zwei Stunden, 25 Minuten) ist nur im Nord-Osten zu sehen, zum Beispiel in Stralsund und in Berlin. Zu beobachten ist ein Naturphänomen, das erst in 115 (!) Jahren wieder auftritt.

Wer also verschläft, hat keine zweite Chance, dieses Schauspiel zu erleben: Der nächste Venustransit findet am 10. Dezember 2117 statt. Nicht nur Uwe Schröter fürchtet, an jenem fernen Tage die Treppe auf das Dach des Schiller-Gymnasiums allein nicht mehr bewältigen zu können... Was ihn am Venus-Transit fasziniert, ist zum einen das Beobachtungsphänomen, zum anderen die Geschichte, denn historisch hatte die präzise Vermessung dieser seltenen Durchgänge große Bedeutung für die Bestimmung der Entfernung der Erde zur Sonne.

Wie Schröter weiter erläutert, sagte erstmals Johannes Kepler 1631 einen Venus-Transit voraus. Der blieb damals unbeobachtet, weil er vor Sonnenaufgang stattfand. Erstmalig beobachtet werden konnte ein Venustransit anno 1639 durch Jeremiah Horrok. Edmond Halley rief 1716 dazu auf, den Venusdurchgang von 1761 zwecks Bestimmung der "Astronomischen Einheit" (Entfernung Erde-Sonne) von verschiedenen Punkten der Erde aus zu beobachten. Das allerdings konnte erst 1769 erfolgen: 80 Expeditionen nahmen weite und beschwerliche Reisen auf sich, darunter auch James Cook, der dafür bis nach Tahiti gesegelt war. Einige Forscher aber bezahlten ihren Mut mit dem Leben.

Gefahr für Leib und Leben droht heute keinem, der das Naturschauspiel beobachten möchte. Doch der Sterngucker sollte etwas beherzigen: "Auf keinen Fall mit bloßem Auge" sollte man versuchen, dieses bedeutende astronomische Ereignis zu beobachten, warnt Uwe Schröter. Dazu seien Schutzbrillen notwendig. In der Sternwarte des Gymnasiums steht auch ein spezielles Sonnenteleskop zur Verfügung. Nun hoffen die Weimarer Sterngucker vor allem auf eines: auf bestes Beobachtungswetter.

Treffpunkt: 6. Juni, 4.45 Uhr, vor dem Haupteingang zum Schiller-Gymnasium, Thomas-Mann-Straße.


Christiane Weber / 31.05.12 / TLZ
Z81C5UK570120
Canonical URL
Kommentare
 
zum Thema
weitere Meldungen
aktuelle Videos
Fotoserien aus Thüringen
Linktipps