Warum Landeschefin Lieberknecht und die CDU gen Osten pilgerten
Die Rückfahrt währte die ganze Nacht. Am heutigen frühen Morgen sollten die sieben Busse wieder in Thüringen eintrudeln, mit denen um die 250 Mitglieder der CDU nebst 100 Sympathisanten seit Freitagabend unterwegs waren.
Porträt
Erfurt. Die vierte, sogenannte Pilgerreise der Landespartei führte gen Osten, nach Kaliningrad und Gdansk, wobei man nur von Königsberg und Danzig sprach. Dort besichtige man die Stadtzentren, besuchte Gottesdienste und diskutierte ein wenig über Gott und Welt. "Denken und Glauben wie vernünftig ist Politik" hieß das Thema am Palmsonntagmorgen im Königsberger "Radisson". Die Parteivorsitzende und Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht
diskutierte mit Fraktionschef Mike Mohring
, dem Generalkonsul Aristide Fenster und Prof. Wladimir Gilmanow, der zu ein wenig mehr Geduld mit Russland aufrief. Gilmanow gilt als der örtlicher Oberkantianer, doch der Philosoph spielte sonst eher keine Rolle in dem Programm, dass sich jenseits der touristischen Pflichten vor allem auf Kirchen konzentrierte. Schließlich hatte Mohring die Pilgerreisen erfunden, als er noch CDU-Generalsekretär unter Dieter Althaus
war und das Christliche in der sonst doch recht säkularisierten Landespartei fördern wollte. Bisher besann sich die Partei schon in Rom, Paris und Krakau auf das C in ihrer Bezeichnung. Oder, wie Lieberknecht gestern unserer Zeitung mitteilte: "Es ist eben wichtig, sich hin und wieder der eigenen Grundkoordinaten zu versichern." In Russland geschah dies insbesondere mit Symbolik. Nach dem Podiumsgespräch wurden im nahen Gwardejskoje, das einst Mühlhausen hieß, zwei Apfelbäume gepflanzt. Der Bezug auf die jüngste Luthertochter, die in der örtlichen Kirche begraben liegt, war selbstverständlich gewollt.
"Echt gut" so lautet die ges-trige Bilanz von Mohring, der wie immer mit dem Bus seines Weimarer Landes mitgefahren war, derweil die Ministerpräsidentin hinterherflog. Auch diese gemeinsame Reise der beiden barg in Anbetracht ihres prekären Verhältnisses eine gewisse Pikanterie. Sie zeigte aber auch wieder, dass sie vorerst nicht ohne einander können. Und noch eine Konstante gab es. Die Fahrt fand zwar im Namen der CDU statt. Doch der jetzige Generalsekretär Mario Voigt
nahm genauso nicht daran teil wie die drei Reisen zuvor. Die Begründung diesmal: der Kommunalwahlkampf. Voigt sei dieser Tage in Bad Frankenhausen, Jena und anderswo unterwegs, sagte sein Sprecher. Die Verantwortung für die Pilgerreisen trage außerdem ja ausschließlich Mohring. Überhaupt hat ja der Generalsekretär seine eigene Veranstaltung begründet: Auch dieses Jahr soll es deshalb wieder eine CDU-Sommerwanderung geben. Christine Lieberknecht
, heißt es, habe schon zugesagt.
Warum Landeschefin Lieberknecht und die CDU gen Osten pilgerten
Kommentare
19.06.12 - 11:33
nauz1
Wenn Herr Müller das soooooo... genau weiß, dann kann doch der Thür. Rechnungshof mal einen Blick hinwerfen und das Ergebnis der Überprüfung zeitnah veröffentlichen? Das passiert nicht, denn es muss ja CDU-intern bleiben! Warum dann keine Pilger aus der SPD , auch bei den Linken gibt es Gläubige und Pilger-Interessierte? Aber da würde der Schwindel ja rauskommen und nicht unter der CDU-Decke gehalten werden können! Verlogen durch und durch........!!!
10.04.12 - 06:33
SOK
Die Lieberknecht soll sich lieber mal im Land Thüringen umschauen (besonders im Saale-Orla Kreis).Die wird aber gar nicht wissen wo das ist.Wir Lichtenbrunner haben Ostern gestreikt,da wir eine Ortsstrasse besitze,die man mit einem normalen Auto bald nicht mehr befahren kann.(siehe www.OTZ Bad Lobenstein)de.Für solchen SCHEIß ist Geld da und Deutschland schafft sich ab!!!!
05.04.12 - 09:01
Herbert Müller
Leute gibt es, die habe Vorstellungen... Bei so einer Pilgerreise ist nicht das geringst öffentliche Geld im Spiel. Es ist doch selbstverständlich, dass jeder Pilgerer seine Reisekosten selbst tragen muss.
04.04.12 - 16:03
Demokrat
Für so einen Sch... ist Geld da, genau so wie für den Besuch des Oberhirten. Wenn aber der ÖD mal eine angemessene Gehaltserhöhung erhalten soll, dann wird gejammert und vorgegaukelt, das dann für Kita`s kein Geld mehr da sein soll!! Was für ein besch... Spiel!!
03.04.12 - 22:22
anonymax
Werden hier etwa die üppigen Parteispenden verprasst oder wird gar ein Teil der Spesen aus irgendeinem EU- Fond bezahlt? Hauptsache das wir nicht bald, die weiteren Auswirkungen dieses Erfahrungsaustausches zu spüren bekommen :(
03.04.12 - 15:24
GottiSlow
Also manche haben ein Gesellschaftsverständnis bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Warum sollte es gut sein, wenn die die sich für die Gesellschaft engagieren sich zurückziehen? Wir brauchen genau das Gegenteil: Mehr Leute die sich engagieren. Übrigens in allen Parteien und politischen Richtungen. Wenn es dann noch öffters ein solcher Miteinander von Basis und Funktionsträgern gibt, wie auf der Pilgerreise wäre uns viel geholfen. Verzichten kann diese Gesellschaft gern auf Nörgler, die nicht bereit sind Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und ihren Teil beizutragen.
03.04.12 - 14:30
Das C in der Union
@GottiSlow: Schade nur, dass sie wieder zurückgekommen sind. Ansonsten volle Zustimmung: die sollten sich aus dem Tagesgeschäft herausnehmen,endgültig! Das täte uns allen gut!
03.04.12 - 13:04
GottiSlow
Wie sich zeigt ist allen Unkenrufen zum Trotz das C in der Union nach wie vor ein zentrales, verbindendes Element. Es ist schon ein deutliches Zeichen, wenn 350 Teilnehmer (das ist fast die Mitgliederstärke anderer Thüringer Parteien) sich auf den langen Weg nach Königsberg machen um über Grundsätze und Fundament von Politik zu reden. Es würde der Politik insgesamt guttun, sich ab und an aus dem Tagesgeschäft herauszunehmen und dem Grundsätzlichen zu widmen.
03.04.12 - 11:26
Stinkstiefel
Echt innovative Lösungsansätze für Thüringer Probleme. Die bekoomen immer noch zuviel Geld aus dem Solidarpakt. @Dagobert: Die sibirische Reiseidee hat in der Tat einen gewissen Charme.
03.04.12 - 07:01
dagobert
Offensichtlich nicht weit genug. Sibierien wäre doch gut und auch gut für das Land, wenn die ganze Truppe dort länger verweilen würde, länger, damit sich Thüringen vom CDU-Parteienfilz erholen kann.