Weiterhin Differenzen im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes
Porträt
Kurz vor den entscheidenden Verhandlungen im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes sind zu Wochenbeginn mehrere zehntausend Beschäftigte in drei Bundesländern in den Warnstreik getreten. Ver.di verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn für die zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen, mindestens aber einen Zuschlag von 200 Euro pro Monat. Archivfoto: Tim Jelonnek/dapd
In den zähen Verhandlungen über einen Tarifabschluss für Staatsbedienstete gehen die Arbeitgeber offenbar einen Schritt auf die Gewerkschaften zu.
Potsdam. Die Arbeitgeber könnten sich einen Abschluss von etwa 5,5 Prozent bei rund zwei Jahren Laufzeit vorstellen, hieß es am Freitagvormittag aus Verhandlungskreisen in Potsdam. Ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di wollte diese Zahl nicht bestätigen. Es gebe offiziell kein neues Angebot. Bislang hatten die Arbeitgeber 3,3 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit geboten. "Alle Versuche der Arbeitgeber, jetzt Nebelkerzen zu streuen, helfen den Verhandlungen nicht weiter", sagte der Gewerkschaftssprecher. Eine Zahl werde erst zum Schluss genannt. Die Gewerkschaften ver.di und dbb Tarifunion hatten 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert. Die Laufzeit ist bei einem Tarifabschluss ebenso wichtig wie die prozentuale Steigerung: 5,5 Prozent auf 24 Monate wären auf ein Jahr gerechnet immer noch weniger als drei Prozent. Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske hatte zum Auftakt der Verhandlungen gesagt, dass ihm auch 3,3 Prozent bei einem Jahr Laufzeit zu wenig seien.
"Hopp oder topp"
Die Verhandlungen für die rund zwei Millionen Beschäftigten des Bundes und der Kommunen waren am Morgen entgegen der ursprünglichen Planung fortgeführt worden. "Wir führen weiter kontroverse Diskussionen", sagte Bsirske kurz vor Beginn der Gespräche. "Am Freitag wird sich klären, ob hopp oder topp." Eigentlich waren die Verhandlungen nur bis Donnerstag angesetzt gewesen, doch trotz des erklärten Einigungswillens sprachen beide Seiten von tiefen Differenzen. Beobachter gingen davon aus, dass die Gespräche mindestens bis Mittag dauern werden. Am Vorabend hatten die Tarifpartner nach Angaben aus Verhandlungskreisen noch nicht über prozentuale Gehaltserhöhungen gesprochen. Größter Knackpunkt seien einheitliche Steigerungen der Monatsgehälter um einen Sockelbetrag gewesen, hieß es. Dies würde dazu führen, dass die Einkommen in den unteren Gehaltsgruppen besonders stark steigen und sich einander angleichen.