Thüringen braucht dich: Kampagne für neue Azubis bis 35 Jahren
Porträt
Der Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) kündigte am Montag an, die Kampagne "Thüringen braucht dich" im Frühjahr zu starten. Archiv-Foto: Marco Kneise
"Thüringen braucht dich" - so wird es ab dem Frühjahr auf Plakatwänden, im Kino, im Radio, im Internet und aus der Zeitung heißen. Im Mai soll es losgehen, kündigte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) am Montag zusammen mit Vertretern von Wirtschaft, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit an.
Erfurt. Es könne nicht angehen, da waren sich alle Seiten einig, dass einerseits zahlreiche Firmen über Fachkräftemangel klagten, der Freistaat aber andererseits noch immer 100.000 Arbeitslose zu beklagen habe. Allein im gewerblich technischen Bereich, dem Bereich der Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHK), hätten nur 7000 von 8000 Lehrstellen besetzt werden können, beklagte Erfurts IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Weil nun aber in den wirtschaftlich schwächeren Zeiten vor allem in den 1990er Jahren viele Menschen keine Ausbildung bekommen hätten, die nun aber fehlten, soll dieser Fehler - wenigstens in Thüringen - korrigiert werden. "Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland nicht", sagte Machnig.Der Verband der Wirtschaft Thüringens VWT und die Kammern haben dabei in erster Linie die Besetzung aktuell freier Stellen im Blick - die Agentur für Arbeit und der DGB vor allem die Herauslösung von gut 9000 Arbeitslosen ohne Berufsabschluss unter 35 Jahren im Land sowie die Weiterqualifikation von mehr als 10.000 Menschen ohne Berufsabschluss zwischen 25 und 25 Jahren, die sich in Beschäftigung befinden.In der Vergangenheit, so beklagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) in Erfurt, habe der Fokus bei Bildung häufig auf Akademikern gelegen. Dabei sei doch die duale Ausbildung das Rückgrat der Wirtschaft im Lande. Deshalb sei er froh, dass die Initiative explizit auf die duale Ausbildung hinarbeite.Der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, geht davon aus, dass in diesem Jahr einige hundert junge Erwachsene für eine Ausbildung, Qualifizierung oder Weiterbildung zu gewinnen seien, die vor einiger Zeit noch verschmäht worden wären. Die Agentur werde vor allem auf die in Frage kommenden Arbeitslosen zugehen - die seien der Agentur ja bekannt. Zusammen mit speziell geschulten Beratern soll erkundet werden, auf welchem Feld sich eine Aus- oder Weiterbildung für sie anbietet.
Bewerben sollen die Kampagne übrigens prominente und weniger prominente Köpfe aus der Thüringer Wirtschaft - darunter sind der Präsident der IHK Erfurt, Dieter Bauhaus, Analytik-Jena-Chef Klaus Berka und der Chef des Autozulieferers Mitec, Michael Militzer.Der Wirtschaftsminister zeigte sich zufrieden, dass in der Ausbildungsfrage die Interessen der Beteiligten so deckungsgleich seien. Verlaufe die Kampagne erfolgreich, könne sie 2013 weitergehen. Gefördert wird die Kampagne des Ministeriums aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF. Nicht verkneifen konnte sich Stephan Fauth, Geschäftsführer des VWT, eine Kritik an den Tarifforderungen der IG Metall: "Wenn die Forderung bestehen bleibt, dass alle Auszubildenden garantiert übernommen werden müssen, dann schadet das sicher dieser Initiative", sagte er.