Zentralklinik Bad Berka bei chronischen Schmerzen gefragt
Porträt
Zur stationären Schmerztherapie gehört an der Zentralklinik Bad Berka auch Physiotherapie mit aktivierenden und stabilisierenden Programmen. Patientin Christine Tenzer aus Weimar folgt den Anweisungen von Physiotherapeutin Bastienne Oehme. Foto: Peter Michaelis
Was die Zahl seiner Patienten anbelangt, rangiert es bundesweit bereits auf Platz 5, und seit Chefarzt Johannes Lutz zweimal in der MDR-Sendung "Hauptsache gesund" Auskunft gab, kann es sich ohnehin vor Anfragen kaum retten. Die Zentralklinik Bad Berka gilt mit ihrer interdiziplinären Schmerztherapie als gefragte Adresse.
Bad Berka. Das Zentrum für interdisziplinäre Schmerztherapie an der Zentralklinik Bad Berka hat obwohl erst vor sechs Jahren gegründet sozusagen voll eingeschlagen. Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet klopfen bei Johannes Lutz und seinem Team an, Patienten, die zum Teil seit Jahren unter chronischen Schmerzen leiden und nicht selten eine Odyssee durch Praxen und Kliniken hinter sich haben.
Zentrum oft "die letzte Rettung"
"Sie sind meine letzte Rettung." Chefarzt Lutz hört diesen Satz sehr oft und eigentlich gar nicht so gern. "Denn die Bürde ist im Grunde nicht zu schultern." Dass der Satz dennoch immer wieder ausgesprochen wird, ist natürlich dem exzellenten Ruf geschuldet, der dem Zentrum vorauseilt: Vielen Patienten, die schmerzbedingt nur noch mit hohen Medikamentendosen leben konnten und sich stark beeinträchtigt fühlten, verlassen die Bad Berkaer Klinik nach der stationären Therapie, wie sie es sich nie hätten vorstellen können: Sie fühlen sich besser, kommen im günstigsten Fall ohne Arzneien und Spritzen aus und vertrauen wieder den eigenen Kräften. Und die, für die ein stationärer Aufenthalt nicht in Frage kommt, erhalten endlich eine speziell auf sie zugeschnittene Therapieempfehlung.
Johannes Lutz ist Chefarzt des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie. Foto: Peter Mechaelis
Als Johannes Lutz vor sechs Jahren vom Schmerzzentrum in Mainz nach Bad Berka kam, spielte es in der Zentralklinik eine eher untergeordnete Rolle, dass viele Patienten bereits bei der Einweisung in die Klinik unter chronischen Schmerzen litten. Lutz entschied sich deshalb zum Einstand für eine kleine Studie: Er ließ alle 467 Patienten, die binnen zwei Wochen in die Klinik aufgenommen wurden, im Wesentlichen zwei Fragen beantworten: Leiden Sie bereits an chronischen Schmerzen? Und wie stark beeinträchtigen diese Ihren Alltag, die Arbeit, die Freizeit? Ergebnis: Schon die Hälfte der Befragten befand sich quer durch alle in der Klinik vertretenen Fachdisziplinen im Stadium der Schmerzchronifizierung, drei Viertel fühlten sich erheblich beeinträchtigt. Johannes Lutz: "Dazu kommt, dass etwa 50 Prozent der Schmerzpatienten unter psychischen Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen leiden." Das Team des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, neben postoperativen Schmerzen auch chronische Schmerzerkrankungen zu behandeln. Zum einen natürlich, um den Patienten zu helfen und ihrem Martyrium ein Ende zu bereiten, zum anderen aber auch, um durch effektive Therapie letztlich Kosten zu sparen und zu erreichen, dass mehr potenziell arbeitsfähige Patienten wieder einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können.
Die Bettenzahl stetig aufgestockt
Begonnen hat das Team 2006 mit vier Betten, 2008 verdoppelte sich diese Zahl, 2009 wurde das Zentrum schließlich eine eigenständige organisatorische Einheit mit zehn Betten. Doch auch das sollte nicht reichen: Als sich im November 2011 abzeichnete, dass Patienten inzwischen monatelang auf die in der Bad Berkaer Klinik angebotene stationäre Diagnostik warten müssen, stockte die Klinikleitung noch einmal auf: Seit Mitte März gibt es insgesamt 20 Betten, von denen 16 für Patienten zur Verfügung stehen, die jeweils in Gruppen von acht Patienten an einer dreiwöchigen stationären Schmerztherapie teilnehmen. Vier Betten werden für die Patienten vorgehalten, die sich der dreitägigen stationären Diagnostik, auch Schmerz-Assessment genannt, unterziehen. Das Kern-Team des Zentrums Schmerztherapeuten, Schmerzschwestern, Psychologen und Physiotherapeuten befragt und untersucht die Patienten dabei ausgiebig, bei Bedarf können zudem unkompliziert alle im Haus vertretenen Fachrichtungen zu Rate gezogen und mit diesen Experten Therapieempfehlungen erarbeitet werden. Chefarzt Lutz kann die interdisziplinäre Zusammenarbeit nur in den höchsten Tönen loben: "Das ist ein Grund dafür, dass die Arbeit hier so viel Spaß macht und ich nie wieder weg möchte", sagt er. Freude bereiten indes auch die sichtbaren Erfolge, die bei den Patienten erzielt werden, bei denen eine stationäre Schmerztherapie als beste Weiterbehandlung angesehen wurde vorausgesetzt, die Patienten ziehen mit. Denn das ist das A und O der Behandlung. Pro Jahr durchlaufen etwa 500 Patienten das Assessment und die stationäre Dreiwochen-Therapie.Das Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie wird sich auch am bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz am 5. Juni beteiligen.