Zerfall des tonalen Systems: Doppel-Premiere in Eisenach
Porträt
"Viereckige Musik": Ensembletänzerin Margie Coenen-Oosten in einer Szene aus Strawinskys "Sacre". Foto: Carola Hölting
Mit "Le Sacre du Printemps" und "Verklärte Nacht" feiert das wirtschaftlich angeschlagene Landestheater Eisenach am Samstag doppelte Premiere.
Eisenach. 24 Musiker hat die Landeskapelle Eisenach, viermal so viele Instrumentalisten sind ursprünglich für "Le Sacre du Printemps" vorgesehen. Und wohl erst recht diese Diskrepanz hat in Eisenachs GMD Carlos Domínguez-Nieto den Ehrgeiz geweckt, Strawinskys bahnbrechende Ballettmusik von 1913 mit kleinem Klangkörper einzustudieren. Von Ballettchef Andris Plucis choreographiert, feiern "Sacre" - der Todestanz eines jungen Mädchens, das nach einem heidnischen Frühlingsritus geopfert werden soll - und Arnold Schönbergs 1899 komponiertes Streichersextett "Verklärte Nacht" am Samstag in Eisenach doppelte Premiere.Krankheitsbedingt wird Domínguez-Nieto diese Aufführung allerdings nicht selbst dirigieren können. Für ihn übernimmt Oleg Ptashnikov, der seit der Spielzeit 2001/02 am Staatstheater am Gärtnerplatz München tätig ist. Vor zwei Wochen erhielt er die Anfrage aus Eisenach, zwei zusätzliche Orchesterproben wurden daraufhin angesetzt, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Angepasst an die Größe der Landeskapelle, wurden von beiden Musiken Fassungen mit reduzierter Besetzung ausgewählt. So werden in "Verklärte Nacht" deutlich weniger Streicher eingesetzt und in "Sacre" die Partien zum Teil neu auf die Instrumentengruppen verteilt, erklärt Ptashnikov.
Aus seiner Sicht verbindet die stilistisch einander entgegengesetzten Musiken ein ähnlicher Zeitgeist: Der Zerfall des tonalen Systems, das Aufbrechen der spätromantischen Harmonien in Schönbergs Komposition spiegele sich im Aufspalten und Zerlegen von Rhythmik und Tonalität bei Strawinsky. Und doch klinge "Verklärte Nacht" für sie romantisch weich, sagt Ensembletänzerin Margie Coenen-Oosten. "Sacre" hingegen sei knallhart, brutal und viereckig, sagt sie. "Schöne aggressive Musik."Premiere: Samstag, 19.30 Uhr, Landestheater Eisenach