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Hier ist Natur pur zu schmecken

Goethe live erleben durfte die Deutsche Weinkönigin Katja Schweder.







Die amtierende Deutsche Weinkönigin Katja Schweder aus dem südpfälzischen Hochstadt war Gast zum TLZ-Weinfest-Auftakt. Dabei hat sie sich spontan in die Kulturstadt verliebt - und eine Wiederkehr versprochen.
 
Frau Schweder, wohin geht in Sachen Weingenuss in Deutschland der Trend?

Die Genießer wollen spritzige, wirklich filigrane Weißweine, aber auch harmonische Rotweine. Der Winzer passt sich natürlich der Nachfrage an und versucht auch in diese Richtung zu agieren. Die Hauptsorte, die angepflanzt wird, ist klassisch der Riesling und in Westdeutschland rangiert an zweiter Stelle bereits der Sauvignon Blanc. Man merkt, dass eine internationale Welle auch ein Stück Deutschland erreicht.
 
Heißt das, dass es bei der Struktur der Rebsorten in deutschen Anbaugebieten Veränderungen geben wird?

Das kann es durchaus, aber trotzdem sind wir uns unserer Wurzeln bewusst, und wir werden weiterhin an unsere Traditionen anknüpfen und sagen: Das, was hier schon seit vielen, vielen Jahren steht, wächst, blüht und gedeiht, gilt es weiterhin zu unterstützen.
 
Viele Verbraucher machen ihre Erfahrungen in Sachen Weingenuss im Urlaub. Sie verbinden dann sehr stark die ausländischen Weine mit dem Weingenießen. Wie schaffen es dann die Winzer hierzulande, dass sie diese Weinfreunde gerade für deutsche Weine gewinnen?

Katja Schweder - die deutsche Weinkönigin 2006/2007.

Ich rede nicht von ausländischen Weinen, sondern nur von internationalen Rebsorten. Riesling wächst genauso auch in Australien oder Kalifornien. Aber es ist natürlich eine ganz andere Art, die sich da in den Weinen erschließt. Mir geht es vor allem darum, dass man hierzulande die Menschen für den Wein gewinnt. Wir haben zum Beispiel die Welle mit den Rotweinen. Dass der Dornfelder so im Trend liegt und an Ansehen gewonnen hat, lag daran, dass viele Leute in Spanien oder in Italien tolle fruchtige Rotweine probiert hatten und dann sagten: So etwas möchte ich auch daheim haben. Und diese Rebsorte Dornfelder ist eine Neuzüchtung. Sie hat sich hier sehr gut durchgesetzt und sie verkörpert etwas von dem, was wir mit Urlaub verbinden. Und deshalb brauchen wir nicht auf ausländische Rotweine zurückgreifen. Wir haben das hier im eigenen Land und wir können damit die Leute wie im Urlaub begeistern  und zwar mit deutschen Weinen.
 
Gibt es Trends, die aus dem Rahmen der vergangenen Jahre herausfallen? Gibt es neue Richtungen?

Aber ja! Die Leute bevorzugen vor allem trockene Weine beziehungsweise harmonisch trockene Weine. Die gehen so bei 10 Gramm Restzucker in die Optimalität über. Man möchte es nicht richtig knallhart trocken, der Genießer bevorzugt Harmonie. Früher  also in den siebziger und auch noch in den achtziger Jahren  waren ja mehr die lieblichen Weine im Trend. Aber dieser Anteil geht auf jeden Fall zurück.
 
Nicht nur in den Fachgeschäften sondern auch in vielen großen Verbrauchermärkten wird das Weinangebot immer größer und vielfältiger. Der Verbraucher steht dann oft wie ratlos da, er findet immer häufiger Rebsorten oder Bezeichnungen, die er überhaupt nicht kennt. Gibt es denn wirklich neue Rebsorten, die vielleicht schon bald in Deutschland ganz typisch sein werden?

Ich kann mir gut vorstellen, was im Verbraucher vorgeht, wenn er im Supermarkt eine Auswahl von hunderten Weinen und Rebsorten findet. Man kauft ein Stück weit natürlich die Verpackung mit und man weiß oft nicht genau, was sich dahinter verbirgt. Also mein Tipp lautet: Wenn Sie gerne Wein trinken, dann schauen Sie einfach danach, dass Sie einen Wein mit deutschem Herkunftszeichen finden. Wir regen uns immer furchtbar auf über unsere Bürokratie und über die Behörden, die uns mit Gesetzen an die Hand nehmen. Aber sehen wir das doch mal positiv: Bei den deutschen Weinen weiß ich, dass ich ein Produkt zu kaufe, in das keine Aromen künstlich zugeschüttet werden, wo keine weiteren Inhaltsstoffe hineinkommen, sondern wo der Winzer strikt die Richtlinien zu befolgen hat. Wenn Sie einen Riesling haben  ob nun aus dem Rheingau oder aus Rheinhessen, aus der Pfalz, von Saale-Unstrut oder Sachsen oder woher auch immer , dann haben Sie die Garantie, dass das Produkt im Glase ein Naturprodukt verkörpert. Und genauso haben die Verbraucher die Sicherheit, wenn sie die Winzer vor Ort besuchen, nicht einfach in den Supermarkt gehen, sondern vor Ort schauen, was passiert eigentlich in unseren Weinanbaugebieten. Einfach mal einen Urlaub oder einen Ausflug direkt zu den Reben machen  das ist noch ein Tipp von mir!

Die amtierende Weinkönigin Katja Schweder auf dem 18. TLZ-Weinfest. Fotos: TLZ/Damm

Nun gab es gerade in jüngster Zeit in den deutschen Anbaugebieten ja einige Aufregung wegen der europäischen Entwicklung, wo beabsichtigt ist, bestimmte Dinge zu verändern. Was steht uns da ins Haus  und wovor fürchten sich die deutschen Winzer?

Die endgültige Entscheidung ist ja noch nicht getroffen  aber Saccharose soll verboten werden, man möchte auf RTK (Rektifizierte Traubenmostkonzentrate) zurückgreifen.
(Mehr dazu unter > WOXX)

Man kann sich das so vorstellen: Wenn eine Hausfrau einen Kuchen nicht mehr mit Zucker backen darf, sondern nur noch mit Honig, dann wird das Veränderungen geben  auch geschmacklich. RTK ist im Grunde genommen nur konzentrierter Traubenmost aus Süditalien, der für viel Geld hier gekauft werden muss, denn unsere Trauben reifen in der Regel nicht so weit heran, dass die Oechslegrade dafür ausreichen, einen gewissen Alkoholextrakt zu erreichen. Den Zucker, den wir in den Wein beigeben, der ist nur dazu da, dass die Vergärung erreicht wird. Es ist nicht so, dass wir Zucker hinzumischen, um süßen Wein zu haben. Eine gewisse Natürlichkeit, ein gewisser Traubenfruchtzucker ist ja auch schon vorher da. Wir brauchen aber weiterhin die Saccharose dazu, um wirklich harmonische, vollmundige Weine zu erzeugen. Und RTK ist  so denke ich  ein sehr kritischer Weg der EU-Politik zu Lasten der nördlichen Anbaugebiete.
 
Steckt dahinter auch der Gedanke des Mengenproblems in Europa, dass man vielleicht zu viel Wein europaweit hat und hier versucht, die deutschen Winzer etwas zurück zu drängen?

Es ist teilweise sehr schade, was momentan passiert. Denn wenn man die EU sieht, weiß man, es gab diesen Butterberg und es gab die Tomaten, die vernichtet wurden. Und mit dem Wein war es ähnlich. Man hatte einen gewissen Weinüberschuss: deshalb machte man eine Destillation der Weine zu Industriealkohol. Aber Deutschland hat das nicht betroffen, ganz im Gegenteil. Bei vielen Winzern langt der Wein hierzulande überhaupt nicht. Das Problem betrifft eher die südlichen Regionen in Europa. Ich meine, dass die EU hier auf einem für uns sehr negativen Weg ist, denn Deutschland ist endlich wieder im Aufschwung und deutscher Wein ist dabei auch sehr gefragt. Wir haben tolle Weine, und wir haben ein strenges Gesetz. Jetzt die Saccharose zu verbieten, ist der falsche Weg.

TLZ-Chef vom Dienst Dieter Lücke stellte im Beisein von Weinmajestäten die Sieger des Weinfest-Weines vor - Michel Vogel (3.v.r.) wurde für den besten Rotwein, Werner Dettweiler (3.v.l.) für den besten Weißwein geehrt. Foto: tlz/Thiele

Wir möchten von Ihnen wissen, wohin die Reise mit deutschen Weinen gehen soll ...

Als Deutsche Weinkönigin habe ich in diesem Jahr 800 Terminanfragen. Ich denke, daran kann man schon erkennen, dass der deutsche Wein sehr im Trend liegt. Ich war in 15 verschiedenen Ländern außerhalb Deutschlands. Ich habe die halbe Welt umreist und dort immer wieder die Botschaft gehört: Wir möchten deutsche Weine im Sortiment haben. Viele Gastronomen und Importeure international wollen den deutschen Wein. Ich denke, wir haben da eine wunderbare Zukunft vor uns. Und deshalb liebe Verbraucher und Weingenießer hier in Deutschland: Seien sie froh über jeden deutschen Tropfen guten Weins, den sie hier noch ergattern können ...

25.08.2007  Das Gespräch führte Dieter Lücke

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