Nicole Then über das älteste Kulturgetränk der Menschheit |
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Die Deutsche Weinkönigin Nicole Then mit dem TLZ-Maskottchen Kauz Kuno.
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Die deutschen Winzer haben keine Angst vor der europäischen Konkurrenz. Die herausragende Qualität heimischer Weine müsste in anderen EU-Ländern erst einmal erreicht werden. Die Erweiterung der Europäischen Union biete den deutschen Erzeugern zudem neue Absatzmärkte, betont die deutsche Weinkönigin Nicole Then im TLZ-Interview. Mit ihr sprach beim TLZ-Weinfest "Auf einen Schoppen bei Goethe" Dieter Lücke.
Herzlich willkommen beim Goethe-Weinfest in Weimar! Angesichts der Medaillen-Zitterpartien der deutschen Sportler bei den Olympischen Spielen wollen wir jetzt keine Tränen vergießen, kein Wasser in den Wein schütten. Wir wünschen uns angesichts des ja doch sehr wechselhaften Sommers von Ihnen zunächst einmal eine kleine Prognose: Wie wird der diesjährige Wein in Deutschland? Gibt es schon Einschätzungen hinsichtlich Menge und vor allem hinsichtlich der Qualität?
Die Aussichten auf einen sehr guten Jahrgang 2004 sind vielversprechend, denn die Reben entwickeln sich derzeit in allen deutschen Anbaugebieten prächtig und die Winzer freuen sich auf gute Qualitäten in ausreichender Menge.
Die Weinlese der frühreifen Sorten wird je nach Wetterentwicklung erst in der zweiten Septemberhälfte beginnen. Deutschlands meist angebaute Rebsorte Riesling reift oftmals sogar über den ganzen Oktober bis in den November hinein.
Durch die ausgeglichenen Wetterbedingungen in diesem Jahr ist der Entwicklungszustand und Traubenbehang der Reben in allen 13 Weinanbaugebieten sehr zufriedenstellend. Die Reben im Weinberg haben sich bisher noch über jeden Regen gefreut, denn die Böden waren nach dem heißen und trockenen Supersommer 2003 sowie einem regenarmen Winter und Frühjahr mehr als durstig. Dank der Hitzewelle Ende Juli und Anfang August entspricht der Entwicklungsstand der Trauben in den meisten Anbaugebieten dem langjährigen Mittel und ist ihm stellenweise sogar ein wenig voraus. Zum Vergleich: In dem Ausnahmejahrgang 2003 wurde am 15. August in der Pfalz bereits mit der Lese begonnen!
Und was müssen wir uns in den Weinanbaugebieten für die nächsten Wochen wünschen, damit es in Sachen Ertrag und Qualität vielleicht noch besser wird?
Die Qualität eines Weines hängt neben den klimatischen und lagenspezifischen Gegebenheiten auch sehr stark von dem Engagement des Winzers im Weinberg ab. Ertragsreduzierendes Ausdünnen und überschüssiges Laub entfernen gehören zu den wesentlichen Arbeiten im August, denn "Qualität wächst im Weinberg".
In dieser Hinsicht sind die Winzer in diesem Jahr besonders gefordert konsequent diese qualitätsfördernden Maßnahmen vorzunehmen.
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Die charmante Deutsche Weinkönigin vorm Weimarer Goethehaus. Des Dicherfürsten Geburtstag jährt sich gerade zum 255. Male.
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Damit möglichst viel der kostbaren August- und Septembersonne zu den Trauben durchdringen kann, die jetzt schon in vielen Regionen 90 Prozent ihrer Größe erreicht haben, entfernen die Winzer einen Teil des Laubes. (Überlange Triebe werden oben gekappt und Triebe ohne Trauben, die so genannten Geiztriebe, werden zur besseren Durchlüftung der Traubenzone entfernt).
Ziel der Laubarbeiten ist es, eine möglichst große, gut belichtete und lockere Blattmasse zu erhalten, die für die optimale Zuckerproduktion der Reben nötig ist.
Saftgrüne Reben hängen schwer voller Trauben. Doch in vielen Weinbergen hängt des Guten zu viel. Viele Winzer greifen deshalb in diesen Tagen zur Rebschere. Grüne Lese heißt diese Maßnahme, die Teil der immer ehrgeizigeren Qualitätsbestrebungen der deutschen Winzer ist. Kurz bevor die Trauben ihren Reifeprozess abgeschlossen haben und Zucker und Aromen in den Beeren einlagern, wird je nach Behang der Reben ein nicht unbeträchtlicher Teil der zu erwartenden Ernte abgeschnitten.
Eine ganz neue Maßnahme zur Erzeugung von Premiumqualitäten ist das Teilen der Trauben. Hier wird zunächst auf zwei Trauben je Trieb ausgedünnt und die verbleibenden Trauben werden nochmals in der Mitte durchgeschnitten. Aufwändige Handarbeit, die aber letztlich durch beste Ergebnisse beim Lesegut belohnt wird.
Zu wünschen bleibt dann nur noch ein sonniger Herbst!
Mit dem Wein und dem Weingeschmack ist es zwar nicht wie in der Mode, dass man ständig was Neues entwickeln muss. Aber: Gibt es denn wirklichen Neuheiten auf der deutschen "Wein-Bühne" oder gar bei den Rebsorten?
Die deutsche Rebsortenvielfalt reicht von A wie Albalonga bis Z wie Zweigeltrebe. Nahezu 100 Sorten werden angepflanzt, große Marktbedeutung besitzen etwa zwei Dutzend, allen voran der Riesling und der Müller-Thurgau. Auf diese entfallen etwa 38 Prozent der rund 100 000 Hektar Rebfläche. Bei den Rotweinsorten hat der Spätburgunderanbau die größte Bedeutung.
Mit feinfruchtigen, harmonisch trockenen und leicht verständlichen Rebsortenweinen können momentan sowohl im Inland als auch im Export neue Märkte erschlossen und eine Imageverbesserung für deutschen Wein erreicht werden.
Sie haben ständig mit Weinproduzenten und den Konsumenten auch international zu tun. Wohin geht der Trend beim Weingenuss in Deutschland und international?
Die Weinfreunde haben in den ersten 6 Monaten dieses Jahres ihre Weine preisgünstiger eingekauft als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Der Durchschnittspreis für eine gekaufte 0,75-Literflasche Wein lag in Deutschland bei 2,09 Euro und damit drei Cent unter dem Wert von 2003. Die Ausgaben der Deutschen Verbraucher für Wein insgesamt beliefen sich im ersten Halbjahr auf etwa 1,5 Milliarden Euro.
Erfreulicherweise ist die Wertschätzung für Deutsche Weine beim Verbraucher weiterhin hoch. Mit 2,33 Euro je 0,75-Literflasche haben die Weinfreunde 24 Cent mehr als im Gesamtdurchschnitt und sogar 43 Cent mehr als für die ausländischen Wettbewerbsprodukte ausgegeben. Mit einem Anteil von 49 Prozent der Umsätze, die in Deutschland mit Wein gemacht wurden, dominieren die deutschen Erzeuger den heimischen Markt.
Welche Rolle spielt dabei der Deutsche Wein mit seiner großen Vielfalt an Rebsorten und Qualitäten?
Weine aus Deutschland haben in den letzten Jahren einen enormen Qualitätsschub erfahren. Dafür sorgen nicht zuletzt neue Impulse aus der Weinwirtschaft und eine innovative Winzergeneration die sich gegenseitig zu neuen Spitzenleistungen anspornt. Ich freue mich, dass es immer mehr Erzeuger schaffen, sich mit hochwertigen und modernen Produkten an die Spitze nationaler und internationaler Weinwettbewerbe zu stellen.
Auch das Ansehen Deutscher Weine hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert. Während vor zehn Jahren insgesamt noch ein sehr traditionell geprägtes, "verstaubtes" Bild vom Deutschen Wein vorherrschte, gelten deutsche Weine heute als modern und zeitgemäß.
Man hat ein bisschen das Gefühl, das viele Verbraucher in Deutschland am Weinregal in den Märkten sich bevorzugt auf einen Wein einer zuvor besuchten Urlaubsregion stürzen, also meist einen ausländischen Wein, und beim deutschen dann mitunter zaghaft sind? Muss man hier Marketingstrategien verändern? Oder muss man einfach mehr Infos verbrauchergerecht unter die Leute bringen, wie jetzt beim 15. Weimarer Goethe-Weinfest?
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Beantwortet sachkundig alle Fragen vom Weinbau: Nicole Then, Deutsche Weinkönigin.
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Die Stärken der deutschen Weine liegen eindeutig in seiner verlässlichen Qualität. Den heimischen Weinerzeugern wird von allen Konsumenten ein professionelles Know-How attestiert. Doch die hervorragenden Qualitäten der heimischen Produkte sind noch zu wenig bekannt, wird von vielen Befragten reklamiert.
Darüber hinaus fehlt speziell der größten Zielgruppe, dem modernen Mainstream, oftmals die Orientierung in der deutschen Weinvielfalt. Hier bieten die relativ neuen Classic- und Selectionsweine mit Ihrem definierten Geschmacksprofil eine wertvolle Hilfestellung.
Die von Ihnen dargestellte Situation ist aber auch ein eindeutiges Signal an die Weinwirtschaft, bestehende Defizite insbesondere in den Bereichen Emotionalität, Sinnlichkeit und Lifestyle abzubauen. Erforderlich ist eine gekonnte Verbindung von Tradition und Moderne, bei gleichzeitiger Weltoffenheit, die beispielsweise durch die neue Winzergeneration kommuniziert werden kann.
Hinzu kommen muss in jedem Fall der emotionale Faktor: Lebensfreude, Genuss und Sinnlichkeit und natürlich die Verbraucherinformation, wie zum Beispiel beim Goethe-Weinfest in Weimar.
Seit vielen Jahren machen wir die Besucher aus Nah und Fern beim Goethe-Weinfest neugierig auf konkrete Rebsorten, informieren darüber. Verändert sich hier der Verbrauchergeschmack? Gibt es Trends bei den Rebsorten, vielleicht sogar Modeweine?
Der Anteil an eingekauften Weißweinen ist seit langer Zeit stetigen Rückgangs in diesem Jahr erstmals wieder leicht um 1 Prozent angestiegen. Er hatte im vergangenen Jahr einen Tiefpunkt und nur 39,7 Prozent erreicht, nachdem er beispielsweise 1998 noch bei 49 Prozent lag. Doch es ist noch zu früh, aus diesen Zahlen bereits ein Ende des Rotweinbooms in Deutschland vorherzusagen. Doch es ist nicht auszuschließen, dass sich der international zu beobachtende Trend zum frischen-fruchtigen Weißwein nun auch auf dem deutschen Markt widerspiegelt.
Deutschlands meinst angebaute Rebsorte Riesling entspricht diesem Weintyp in besonderem Maße. Und noch weitere Signale sind auszumachen: die Hinwendung zu den Burgundersorten und die Renaissance der klassischen Rebsorten.
Vielleicht möchten ja noch viel mehr Konsumenten - also Weinschmecker - genießende Weinkenner werden. Ohne sich dabei gleich einen großen Vorrat anlegen zu müssen. Was muss ein neugieriger Konsument tun, ohne dafür groß in Weinreisen oder teure Fachseminare investieren zu müssen?
Ganz nach dem Motto "Probieren geht über Studieren" sollte man sich einfach auf eine Entdeckungsreise durch die Welt der Deutschen Weine begeben. Dabei kann man ganz unkompliziert seinen eigenen Geschmack kennen lernen und seine Favoriten unter den Deutschen Weinen finden.
Kundig machen kann man sich auf der Homepage des Deutschen Weininstitutes www.deutscheweine.de!
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Nicole Then und weitere Majestäten begrüßen die Gäste des 15. TLZ-Weinfestes in Weimar.
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Übrigens: Deutsche Weinverbraucher haben sich in den letzten Jahren verändert. Zwischen 1992 und 2002 hat sich die Gruppe der traditionell orientierten Verbraucher auf nunmehr 20 Prozent halbiert. Mit einem Anteil von 40 Prozent zählt mittlerweile der "moderne Mainstream" zur bedeutendsten Bevölkerungsschicht. Im Bezug auf den deutschen Wein zeichnet sich diese Gruppe durch eine prinzipielle Offenheit aber faktische Zurückhaltung aus. Wie eine aktuelle Studie belegt, geht der "neue Weinkonsument" heute sehr viel unbefangener an das Produkt Wein heran als früher. Die Weinkennerschaft steht nicht mehr im Vordergrund, sie steht gleichberechtigt neben dem Wunsch neue Genüsse zu entdecken. Neugier und Offenheit ohne professionellen Anspruch; Leidenschaft, ohne sich zu verlieren, Gelassenheit und Anti-Perfektion, dies sind die Werte in der neuen deutschen Weingenusswelt. Der "homo ludens" befasst sich nicht verbissen, sondern entspannt-spielerisch mit dem Thema Wein!
Es gibt ausgezeichnete Fachgeschäfte mit tollen Weinangeboten. Aber das Angebot in den Super- und Billigmärkten ist auch riesig und vielfältig. Hand aufs Herz: wie steht es da mit der Qualität. Gibt es ein Preisniveau, wo man sagen muss, dass Zweifel an der objektiven Qualität angebracht sein dürfen? Oder kann man unter Billigangeboten echte Schnäppchen machen?
Ab 3,50 Euro aufwärts ist die Gefahr, daneben zu liegen, eher gering!
Man sagt ja, dass es in unseren Breiten in den nächsten Jahren im Durchschnitt noch wärmer werden soll. Dann könnten in Deutschland doch vielleicht noch mehr Regionen zu neuen Weinanbaugebieten werden oder bestehende sich vergrößern, etwa hier an Saale-Unstrut. Gibt es dafür eine Chance, was spricht dagegen?
Fakt ist: es dürfen zur Zeit in der gesamten EU keine neuen Rebflächen ausgewiesen werden. Damit zum Beispiel das Landweingebiet Stargarder Land ausgewiesen werden konnte, hat Rheinhessen Rebland in der gleichen Fläche aufgegeben!
Die Europäische Union wächst ja noch gewaltig, neue Weinanbaugebiete kommen deshalb hinzu. Hat es der Deutsche Wein bei dieser Entwicklung immer schwerer oder ist das eine Herausforderung, auch eine Chance?
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Die Deutsche Weinkönigin Nicole Then zusammen mit der Thüringer Weinprinzessin Isabell Stowasser (l).
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Die herausragende Qualität der Deutschen Weine muss von der eventuellen Konkurrenz zunächst einmal erreicht werden.
Außerdem kommen auch Länder dazu, die keinen Wein anbauen. Darin sehe ich eine Chance für die deutschen Erzeuger. In Polen beispielsweise haben deutsche Winzer bereits ordentlich Zuwächse zu verzeichnen.
Muss es aber nicht bald wenigstens innerhalb der EU einen Standard für eine einheitliche Klassifizierung und Kennzeichnung der Weine geben, damit der Verbraucher sich zurechtfindet?
Es gibt bereits ein Bezeichnungsrecht. Es kommt eben nur darauf an, wie man schließlich damit umgeht. Die einen neigen dazu mehr Information auf das Etikett zu schreiben, andere wiederum weniger. Das Etikett sollte dabei nicht aber nicht zum Silbenrätsel werden, deshalb gehen die Bestrebungen wie beispielsweise mit Classic dahin, dies auch in Deutschland zu vereinfachen.
Unser Weimarer Weinfest ist ja traditionell das Goethe-Weinfest. Und der Dichterfürst war bekanntlich ein Feinschmecker. Er mochte besonders die Frankenweine, also Weine aus der Region, woher Sie kommen. Welche Rolle spielt der Dichterfürst für den Deutschen Wein? Und welche die Kultur?
Der Weinkenner Goethe schätzte den Rebensaft ja als Kulturgetränk, göttlicher Funke, Tröster und Elixier. Er schätzte einen guten Tropfen wegen seiner Eigenschaft, die Kreativität zu beflügeln und hat deshalb seine Inspiration seit jeher im Wein gesucht.
Sowohl Goethes Begeisterung für Deutschen Wein als auch unsere Weinkultur haben auch heute noch eine große Bedeutung.
Der Wein ist das älteste Kulturgetränk der Menschheit. Es ist daher sehr wichtig Tradition und Kultur nicht zu vergessen, sondern mit der Moderne zu verbinden.
Außerdem wusste auch Goethe schon: "Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken!"
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Einen Tropfen in Ehren... |
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Welchen Wein bevorzugen Sie?
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