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Thüringens Brauereien profitieren vom schönen Wetter

  • Der Sommer schreit danach, sich draußen mit einem kühlen Blonden zu erfrischen. Foto: Sascha Margon
Fußball-WM und Super-Sommer lassen die Herzen der Brauer höherschlagen. Nach dem Knick im verregneten Frühling setzt sich der positive Trend der ersten drei Monate fort. In Thüringen wächst der Bier-Absatz besonders stark.
Erfurt. Im ersten Quartal dieses Jahres haben die 41 Thüringer Brauereien zusammen 814.000 Hektoliter Bier verkauft. Wie das Statistische Landesamt mitteilte, sind das 52.000 Hektoliter oder 6,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Hektoliter entspricht 100 Litern des Gerstensaftes. Bundesweit ist der Absatz von Januar bis März nur um 1,1 Prozent gestiegen.

Für die hiesige Bierwirtschaft erfreulich entwickelt sich das Inlands- wie das Auslandsgeschäft. Während die Kunden im Inland 2,4 Prozent mehr Flaschen und Fässer mit dem kühlen Blonden kauften, verdoppelte sich das Exportgeschäft nahezu. Die Brauereien hoffen nun weiter auf heiße Tage. "Nach dem enttäuschenden Frühjahr brummt bei den Betrieben jetzt der Laden", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Brauerbundes, Peter Hahn. Der Juni sei ein sensationeller Monat gewesen. Die große Hitze führt dazu, dass Biermischgetränke wie Radler doppelt so häufig verkauft werden.

Die größte Brauerei Thüringens steht in Gotha und gehört zur Oettinger Gruppe. Dort wird die Hälfte des hiesigen Bieres gebraut.

Fußball-WM und schönes Wetter

Ball und Bier gehören zusammen - auch zwischen Nordhausen und Sonneberg.

Gerade die letzten Tage haben gezeigt, wie zügig das Kühle Blonde aus den Fässern zischt. Bierbaronen stehen jetzt Euro-Zeichen in den Augen.

"Die WM bringt einen Absatzschub", sagt Achim Dick, Betriebsleiter der Oettinger-Brauerei in Gotha. Sie ist eine von vier der gesamten Gruppe. Eine genaue Wachstumszahl könne er aber nicht sagen.

Der Vertriebschef von Oettinger, Jörg Dierig, möchte sich auch nicht hinreißen lassen. Am Ende, orakelt Dierig, könnten es in der gesamten Bierwirtschaft im Juni fünf bis zehn Prozent mehr sein. Mit 1,9 Mio. Hektolitern produziert das Unternehmen die Hälfte des in Thüringen hergestellten Bieres.

Bei den deutschlandweit am meisten getrunkenen Marken liegt Oettinger mittlerweile auf Platz 1. Tendenz steigend. "Wir wollen wachsen und in Gotha noch einen großen Sudkessel bauen", berichtet Achim Dick. Das Planungsverfahren laufe.

Das Geschäft der Apoldaer Vereinsbrauerei spielt sich in einer anderen Größenordnung ab. Geschäftsführer Detlef Projahn verkauft 120.000 Hektoliter pro Jahr. Die WM sorgt auch bei ihm für guten Umsatz. Mit zwei Dritteln steht Pils beim "Apoldaer" immer noch klar an erster Stelle. Thüringenweit sieht es ähnlich aus.

Das Örtchen Singen bei Arnstadt hat sich seit Jahrzehnten zu einem Pilger-Ort für Biergenießer entwickelt. Die Brauerei Schmidt zählt mit einem Jahresausstoß von gerade einmal 600 Hektolitern zu den kleinsten Betrieben. "Aber es läuft sehr gut", sagt Elke Obstfelder. Das "Singer Bier" in der Bügelflasche jedenfalls hat bei vielen Genießern fast schon Kultstatus, da es mit alter aber gut funktionierender Technik wie vor Jahrhunderten entsteht. Abgefüllt und verkauft wird es im kleinen Örtchen selbst. Vom 20. bis zum 22. August steht ein Höhepunkt ins Haus: das 125-jährige Jubiläum.


Christian Grimm und Dietmar Grosser / 09.07.10 / TA
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