Barock-Oper Sardanapalus hat zum Ekhof-Festival Premiere
Porträt
Als zweite Oper des diesjährigen Ekhof-Festivals wurde jetzt "Sardanapalus" von Christian Ludwig Boxberg (1670-1729) in Szene gesetzt. Die Titelpartie sang der bekannte Oratoriensänger Jan Kobow (Tenor). Foto: Stiftung Schloss Friedenstein/Lutz Ebhardt
Glanz und Gloria des Ekhof-Festivals 2012: Die Barock-Oper Sardanapalus von Christian Ludwig Boxberg (1670-1729) erlebt im Gothaer Ekhof-Theater fröhliche Auferstehung.
Die Inszenierung von "Sardanapalus" orientiert sich an der Aufführungspraxis im Barock. Foto: Foto: Stiftung Schloss Friedenstein/Lutz Ebhardt
Gotha. Zwar werden auf der Bühne Schwerter gezückt und Herzen beben, doch der absolutistische und lange siegreiche Herrscher Sardanapalus (Jan Kobow) wird vorm großen Finale gestürzt. Die Sieger lassen - schon fast aufgeklärt und weise - Milde walten, die Liebenden finden zueinander. Die Compangie Opéra Baroque unter Leitung von Bernhard Epstein, Regisseur Milo Pablo Momm und Besucher durften sich über eine gelungene Premiere im Ekhof-Theater freuen. Auf der Suche nach neuen, wenig aufgeführten Werken haben die Festival-Macher der Stiftung Schloss Friedenstein mit der Boxberg-Barockoper ein glückliches Händchen bewiesen. Sie "gruben" die älteste erhaltene deutschsprachige Oper Mitteldeutschlands aus und rückten sie wieder in den Fokus. Bei der Premiere am Freitagabend handelte es sich um die szenische Erstaufführung in neuerer Zeit. Die Partitur hat der in Sondershausen geborene Boxberg 1698 als Leipziger Operist für eine Aufführung in Ansbach geschrieben. Sie blieb in der Ansbacher Bibliothek erhalten. Der Stoff geht auf die Geschichte vom letzten assyrischen Königs Sardanapel zurück, der in Erwartung seiner Feinde sich und seine Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ. Boxberg setzte an den Anfang einen Prolog mit römischen Göttern, die ihren Blick auf das lasterhafte Treiben des Sardanapalus richten. Der verworrene Handlungsstrang zwischen streitenden Königen und verirrten Liebenden erschließt sich heutigen Opernbesuchern aus dem Bühnengeschehen nicht zur Gänze, auch wenn die Sänger deutlich deklamieren. Handlungssprünge von Götterwelt zum Hofstaat lassen sich nicht leicht entschlüsseln.
Dafür verzaubert das barocke Verwirrspiel musikalisch und mit seiner Inszenierung auf der historischen Bühne. Regisseur Milo Pablo Momm spart nicht an Stoff, Staffage und Maske. Für die bewegliche Bühnenmaschinerie wurden neue Kulissen entworfen und ein Wolkenhimmel gemalt. Selbst Bühnendonner und Windmaschine kommen zum Einsatz. Den legen auch Sänger und Orchester der Compagnie Opéra Baroque an den Tag. Dem Ensemble gehören Instrumentalisten der Leipziger Szene für alte Musik an, auch Studierende der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Leiter Bernhard Epstein setzt auf eine schwungvolle Interpretation. Das Gesangsensemble agiert auf hohem Niveau - das fast durchgängig. Selbst ein bekannter Tenor wie Jan Kobow in der Titelrolle ragt stimmlich nicht heraus, von der Ver- und Bekleidung her schon. Bemerkenswert Countertenor Franz Vitzthum in der Rolle des Belocus; von Sardanapalus gefangen, von Frauen verehrt. Vitzthun lässt mit stilsicherem Gesang manche Zuhörer zweifeln, ob es sich bei dem Sänger der Altus-Partien um einen Mann oder eine Frau handelt. Die Inszenierung bietet mit farbigen Kostümen und Maskerade auch was fürs Auge. Lediglich das Zwei-Frauen-Ballett mutet bei instrumentalen Zwischenspielen etwas spärlich an. Dafür verbreitet ein wedelnder Mohr Exotik. Das dürfte im Sinne historischer Aufführungspraxis sein, die die Compagnie insgesamt stilgerecht umsetzt - auch mit Pauken und Trompeten. Glanz und Gloria eben. Weitere Aufführungen: Freitag, 3. August; Samstag, 4.; Freitag, 17.; Samstag, 18. August - immer 19 Uhr; Sonntag, 19. August, 15 Uhr.