Ausgewählte Marginalien zur Zeitgeschichte von Detlef Jena sind bereits zwischen zwei Buchdeckeln erschienen.
In seiner aktuellen Marginalie zur Geschichte widmet sich Professor Detlef Jena dem mannigfaltigen Gedenken an den Preußenkönig Friedrich II. anlässlich dessen 300. Geburtstag.
Richard von Weizsäcker, der Alt-Bundespräsident, hat seinen präsidialen Reden einen späten Gedanken für die Geschichtsbücher hinzugefügt. Dem "TV-Talk-Drachen" Anne Will hat er zornig ins Gesicht gesagt: Die deutsche Demokratie benötigt keine preußischen Tugenden nach Art Friedrichs II.! Mit einem Satz wie tönendes Erz hat Weizsäcker das Jubiläum um den Preußenkönig mit der Endlosschleife längst erzählter Geschichtchen und Anekdoten um den Alleskönner in Sanssouci politisch konterkariert. Wie oft ist wohl in diesem Frühjahr der Friedrich-Freund Hans Hermann von Katte vor den Augen des Kronprinzen hingerichtet worden? Durch wie viel bunte Blätter hat Friedrich mit Voltaire parliert? Wie oft ist er mit Adolf von Menzels Bildern unter dem Arm in die Schlacht gezogen, verwegen nach Ruhm suchend? Oder wie viel Kartoffeln hat der aufgeklärte Monarch in den prächtigen Parks und Schlössern von Potsdam und Berlin an die treuen kleinen Hunde verfüttert? Friedrich gerät zum wohlfeilen Event für die Spaßgesellschaft, käuflich in allen Variationen und moralisch versiegelt mit dem erhobenen Zeigefinger: Er hat die Folter verboten und religiöse Toleranz geübt! Als ob die Abschaffung der Folter ein lohnendes Ziel für die kämpferische Demokratie in Deutschland ist! Hat nicht ein später Nachfolger Friedrichs im Schloss Bellevue alle toleranten Schleusen mit dem Satz geöffnet: Der Islam gehört zu Deutschland? Aber kaum ein Wort des bürgerlichen Realismus darüber, welche Position dem großen Friedrich dort gebührt, wo den Deutschen der nationale Schuh besonders drückt: Friedrich der Große und das Heilige Römische Reich deutscher Nation! Die einzige Kontinuität der deutschen Geschichte, der ewige Kampf zwischen föderalen und zentralen Kräften, wäre einer Betrachtung wert. Weil Friedrich selbst den Schlüssel zur Lösung des Problems lieferte, indem er seinen Tischfreund Voltaire das aussprechen ließ, was er selbst dachte: Dieses Reich war weder heilig, noch römisch, es war ein Anachronismus, den man zerstören musste, um die eigene Macht zu vergrößern. Das ging besonders gut, wenn man sich der Aufklärung bediente.
Der Westfälische Frieden von 1648 hatte dem Alten Reich eine rechtspolitische Ordnung gegeben, die das Verhältnis zwischen den Reichsständen und gegenüber der Zentralgewalt in Wien regelte. Diese fragile Ordnung hielt für etwa ein Jahrhundert, bis Friedrich II. von Preußen und das Haus Habsburg um 1740 - u. a. mit dem ersten Schlesischen Krieg - begannen, dieses Reich durch Hausmachtegoismen zu zerstören. Nur die eigene Macht zählte noch, weder Rang, noch Titel oder das edle Geblüt! Die Folgen für die kleinen Reichsstände, etwa die der thüringischen Ernestiner, waren verheerend. Ohnmächtig waren sie der militärischen Willkür Österreichs, Preußens, aber auch der in den preußisch-österreichischen Konflikt involvierten Großmächte Frankreich, England, Schweden oder Russland ausgesetzt. Die Folge: Sie suchten ihrerseits Schutz in einer weiteren Lockerung der Reichsordnung. Schritt für Schritt zerfiel das Alte Reich, ausgelöst durch die ruhmreichen, aufgeklärten Monarchen Preußens und Österreichs. Friedrich eröffnete einen Teufelskreis und verfing sich selbst darin. Die eroberten Territorien und das aggressive Heer waren nur durch aufgeklärte Reformen im Innern Preußens effizient zu verwalten und zu stärken. Bereits dadurch wurde die das Reich tragende Ständeordnung entscheidend gestört. Zusätzlich erfolgte die Zerstörung des einheitlichen deutschen Reichs durch die Kriege. Preußen schwang sich in den beiden Schlesischen und im Siebenjährigen Krieg bis 1763 zur europäischen Großmacht auf. Der 1740-1748 geführte Österreichische Erbfolgekrieg ging für Habsburg siegreich aus. Beide zusammen mündeten in den ersten Weltkrieg der menschlichen Geschichte. Sowohl Friedrich II. als auch Maria Theresia trachteten nur noch danach, das Reich und dessen Institutionen für eigene machtpolitische Ziele zu missbrauchen. Der Kaisertitel, einstmals stolzer Ausdruck realer Macht, verkam im preußischen Präsentiermarsch zur diplomatischen Fassade gegenüber den anderen Monarchien in Europa. Die Reichsverfassung von 1648 verwandelte sich unter Friedrichs Reformen und Kriegen in ein wertloses Stück Papier. Für die französischen Armeen und Napoleon war es leicht, diesem Alten Reich den Todesstoß zu versetzen. Die preußischen Minierer im Innern hatten unter Friedrichs Führung gut vorgesorgt und bekamen 1806 bei Jena und Auerstedt die Rechnung präsentiert. Doch Friedrichs Traum, das ganze Reich von Preußen aus zu beherrschen, war damit noch lange nicht erloschen. Der Boulevard hat es heuer bestätigt.
Angeblich soll Dorothee Elisabeth Tretschlaff das letzte Todesopfer der Hexenverfolgung in Brandenburg gewesen sein. 1701 wurde sie durch Enthaupten hingerichtet - drei Wochen nach der Königskrönung Friedrichs I. Professor Detlef Jena beschreibt in seinen Marginalien zur Geschichte, wie zweifelhaft der Fall der erst 15-Jährigen erscheint.
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In seiner heutigen Marginalie zur Geschichte beschäftigt sich TLZ-Kolumnist Detlef Jena mit einem französischen Grafen, der in Weimar glückliche Tage verlebte.
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In seiner jüngsten Marginalie beschäftigt sich TLZ-Kolumnist Prof. Detlef Jena mit dem Leben und Streiten des wohl einflussreichsten europäischen Aufklärungsautoren.
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In seiner jüngsten Marginalie zur Geschichte beschreibt TLZ-Kolumnist Prof. Dr. Detlef Jena das ambivalente Verhältnis, das die absolutistisch herrschende russische Zarin Katharina II. zur Aufklärung hatte.
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