Es wird kein Film, alles bleibt Theater

  • Na, ganz so schlimm wird es wohl nicht kommen, dass man mit Brechstange und Bohrer ran muss: Hauptsache, dass Schauspieler und Statisten die Kameras nicht umrennen, so hoffen Peer Engelbracht (l.) und Stephan Komitsch.  Foto: Michael Groß Na, ganz so schlimm wird es wohl nicht kommen, dass man mit Brechstange und Bohrer ran muss: Hauptsache, dass Schauspieler und Statisten die Kameras nicht umrennen, so hoffen Peer Engelbracht (l.) und Stephan Komitsch. Foto: Michael Groß
Kein Jenaer Sommerspektakel ohne Video. Auch dieses Mal gehören die Leinwände zum Bühnenbild, die größte mit etwa acht mal sechs Metern hängt vorm Eisernen Vorhang des Bühnenhauses.
Jena. Was darauf zu sehen sein wird? Fast alles Live-Szenen, versichern Stephan Komitsch und Peer Engelbracht. Sie sind die beiden Filmer des Spektakels und gehören zur Künstlergruppe "Impulskontrolle".

"Wir arbeiteten schon bei der Diplomarbeit von Moritz Schönecker Stadt der Blinden in München zusammen und haben uns gut verstanden. So kamen wir gern auch nach Jena", berichtet Peer Engelbracht. Und Stephan Komitsch ergänzt: "Hier wissen wir auch, dass es um ein künstlerisch anspruchsvolles Projekt geht." Man arbeite mit Moritz Schönecker und seinem Team gleichberechtigt und gewissermaßen "auf Augenhöhe" zusammen. Es sei wie das gegenseitige Zuwerfen der Bälle, um das Gesamtanliegen des Regisseurs umzusetzen und das von Szene zu Szene, von Bild zu Bild, so dass eine zusammenhängende, sich befruchtende und collagenartige Kette entstehe. Die Videos sollen sich nicht verselbstständigen, alles soll Theater bleiben und nicht Film werden. So verstehen die beiden Videokünstler ihre Arbeit bei "Frankenstein" auch nicht als Abfilmen von Szenen, die dann einfach nur vergrößert auf Leinwand geworfen werden. Vielmehr soll eine weitere Ebene eingeführt werden. Das heißt, die während der Aufführung eingeblendeten Szenen sind direkt aufgenommene Bilder, die möglicherweise nicht gerade unmittelbar im Fokus des Publikums stehen, aber durch die Kameras herausgeholt und in eine besondere Dimension gesetzt werden, die für die Aussage-Absicht der Regie wichtig ist. Ein Beispiel: Zwei Handlungsträger, die auf der Bühne an unterschiedlichen Orten agieren, werden per Video auf der Leinwand zusammengeführt.

Drei Kameras sollen bei "Frankenstein" zum Einsatz kommen. Alles wird sofort live geschnitten. Das Ganze muss natürlich auch gut vorbereitet sein, betonen die beiden, die übrigens auch schon in den Theaterhaus-Produktionen "Faust", "Eigentlich läuft alles ganz prima" und "Weiße Nächte" mitgewirkt hatten und deutschlandweit auf Kooperationen mit Regisseuren wie Harry Kupfer, Stefan Pucher und Matthias Hartmann verweisen können.

Dieses Mal nun mischen sie sich als Kameraleute in das Statisten-Volk des bunten Jahrmarkts, der sich bei "Frankenstein" über die Open-Air-Bühne ausbreiten wird. So kann man einen der Filmer sogar im Kakerlakenkostüm sehen.

Eine wichtige Rolle spielen bei den Videos auch die abendliche Stimmung, das Licht und die Beleuchtung. Darauf können sich die Künstler aber erst nächste Woche einstellen, wenn abends geprobt wird.


Michael Groß / 05.07.12 / OTZ
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