Film aktuell: "Russendisko"

  • Matthias Schweighöfer als Wladimir (hinten) in der Komödie Russendisko  Foto: Paramount Pictures/Stephan Rabold/dapd Matthias Schweighöfer als Wladimir (hinten) in der Komödie Russendisko Foto: Paramount Pictures/Stephan Rabold/dapd
Russendisko vermisst den hintersinnigen Witz von Wladimir Kaminers Bestseller-Episoden, erzählt aber launig von einem unzertrennlichen Trio infernal.
"Alles ist möglich", denken sich die drei Russen Andrej (Christian Friedel), Wladimir (Matthias Schweighöfer) und Mischa (Friedrich Mücke) in Deutschland. Dort sind kurz nach der Wende doch sowieso alle gut drauf. Also rein in den Zug von Moskau nach Berlin und willkommen im Ausländerwohnheim Marzahn.

Wladimir Kaminers "Russendisko" ist ein Stück jüngerer Literaturgeschichte. Autobiographische Episoden, in denen der gebürtige Moskauer die Nachwendezeit in der deutschen Hauptstadt erlebt. Jede Geschichte vier, fünf Seiten lang und eigentlich unverfilmbar. Regisseur Oliver Ziegenbalgs Filmographie ist noch übersichtlich. Vielleicht steckte daher so etwas wie jugendlicher Leichtsinn hinter der Idee, Kaminers Werk doch auf die große Leinwand zu bringen. Mit Abstrichen. Was im Buch unsortiert passiert, wird im Film in eine Chronologie gepresst.

Wladi und seine Kumpels starten mit dem Verkauf von Dosenbier ihre Unternehmer-Karriere. Die D-Mark rollt, bis die korrekt arbeitenden deutschen Beamten Mischa mit dem Ablauf seines Visums konfrontieren und der mit Flucht reagiert. Fortan teilen sich die Freunde ein Auto zum Schlafen und zumindest bei Andrej stellt sich langsam Ernüchterung ein.

Wladimir Kaminer lernt seine Frau Olga im richtigen Leben erst Mitte der 90er Jahre in Berlin kennen. Im Film verdreht sie ihm schon früher die Augen. Mit dieser dazu erfundenen Liebesgeschichte tut sich die Komödie allerdings keinen Gefallen. Sehen, Verlieben, Streiten und Versöhnen tausendmal gesehen, origineller als hier. Vernichtend fällt die Kritik zum Film aber trotzdem nicht aus. Das liegt natürlich an den Anekdoten und Absurditäten, die der Leser von Kaminer kennt und auch im Film entdeckt. Die Albaner lernen Italienisch in der Volkshochschule und backen Pizza, die Vietnamesen verbuddeln ihre Schmuggelware und der Russen-Doktor hält Sprechstunde am Telefon: "Erkältet? Wodka mit Honig und Pfeffer! Pickel? Hilft Zinksalbe. Benzin oder Diesel tut es aber auch! Liebeskummer? Trinkst Du doppelt Wodka mit Honig und Pfeffer!"

Mit Mücke und Schweighöfer baut Oliver Ziegenbalg auf das Duo aus seinem Vorgänger "Friendship". Die tiefe Freundschaft nimmt man den drei Chaoten auch ab. Wobei Wladimir mit seinem ungebremsten Optimismus und Feuereifer für alles und jeden so ein bisschen wie der Duracell-Hase auf Speed wirkt.

Im Nebenzimmer einer Kneipe wird schließlich die glorreiche Idee zur ersten "Russendisko" geboren, die Kaminer zum Kult erhoben hat. Die treibenden Rhythmen bleiben länger im Ohr, als der Film im Gedächtnis.

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Zu sehen: Jena (Cinestar), Gera, Rudolstadt, Greiz, Zeulenroda

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Susann Grunert / 29.03.12 / OTZ
Z81C3SH240441
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