Horsmarer Geschwister Julian und Alina Ebert haben sich dem Klavier verschrieben
Porträt
Alina und Julian Ebert bereiten sich jetzt auf ihren großen Auftritt beim Treffen der besten deutschen Nachwuchsmusiker vor. Geübt wird dafür täglich zum Teil mehrere Stunden. Foto: Daniel Volkmann
Für zwei Wochen legen sie ihr Wettbewerbs-Programm beiseite. Wie ein Leistungssportler so braucht auch ein Wettbewerbs-Pianist Abwechslung, um beim nächsten Vergleich die Bestleistung abzurufen. Julian (16) und Alina Ebert (13) aus Horsmar sicherten sich beim Landesfinale im Wettbewerb Jugend musiziert in Weimar den ersten Preis und bekamen von der Jury das Ticket zum Bundesfinale Pfingsten in Stuttgart.
Horsmar. Vierhändig haben die beiden Tilesiusgymnasiasten von der Kreismusikschule Johann Sebastian Bach gespielt, wurden mit 23 von 25 maximal möglichen Punkten belohnt. "Optimal war das aber noch nicht", meint der Zehntklässler. "In den Wochen davor, beim Üben, hats besser geklappt; wir haben uns unsicher gefühlt, ängstlich", erinnert er sich. Obs daran gelegen hat, dass sich das Geschwisterpaar vor dem Auftritt gestritten hat? Ihr Klavierlehrer Marcos Kopf geht den beiden in den letzten Minuten, bevor sie ans Instrument müssen, aus dem Weg. "Würde ich all das mitmachen, was sich zwischen ihnen in dieser Zeit abspielt, würde ich nur nervös. So weiß ich: Sie gehen raus und machen ihr Ding." Dass beide Julian und Alina Geschwister sind, sei nicht immer einfach. "Sie sagen sich zwar offener als einem Fremden die Meinung, kritisieren, aber das führt dann auch zu Spannungen", weiß Marcos Kopf zu berichten. Und so gestehen dann auch seine beiden Meisterschüler: Lieber spielen wir allein als vierhändig. Dass beide täglich üben, samstags und sonntags gar zweimal zwei Stunden, steht außer Frage. Klaviermusik ist im Hause Ebert in Horsmar eigentlich immer zu hören, wenn die Kinder daheim sind.
Dabei hat Julian mit dem Keyboard begonnen, bis ihn seinerzeit, vor sechseinhalb Jahren, Heinz Sawade drängte, auch das Klavierspielen zu lernen. Seinen ersten Wettbewerb, damals in Bad Sulza, den hat er auf dem E-Piano vorbereitet. Inzwischen aber sitzt er kaum noch daran. Seiner Schwester muss Julians Üben gut gefallen haben, seit dreieinhalb Jahren sitzt auch sie, die mit dem Flötespiel begann, regelmäßig vor dem Klavier. "Beide haben eine außergewöhnliche Begabung, sind willensstark. Alina spielt heute schon Stücke, an die trauen sich nur sehr gute Schüler nach fünf, sechs Jahren dran. Aber beide gehen völlig verschieden an das Erarbeiten eines neuen Werks, erzählt der Musikpädagoge. Während Alina alles erst einmal hinterfragt, erklärt haben mächte, will Julian sofort losspielen", erklärt Marcos Kopf, der es etwas kritisch sieht, dass die Siebentklässlerin inzwischen bei Wolfgang Faber auch zur Geige greift. Sogar als Geigenbauerin hat sie sich probiert, ließ aus Pappe und Stricken einst das Instrument entstehen. Für den großen Auftritt in Stuttgart wird das Programm ergänzt um die "Jamacian Rumba" von Arthur Benjamin. "Die zu spielen und auch sie zu hören, macht wirklich Spaß. Und allzu schwer ist sie auch nicht; man braucht nur den Rhythmus zu können und ein paar Noten", redet Julian das Große klein. Für anderes neben dem Klavierspielen und der Arbeit für die Schule bleibt keine Zeit, das Training im Schwimmverein in Mühlhausen ist aufgegeben. Zu aufwändig. Die Entscheidung für die Musik ist gefallen. Für Julian über das Hobby hinaus. "Ich kann mir gut vor allem, einmal musikpädagoge zu werden."