Marc Penchenat trug in Noten gefasste Gedichte mit Gitarrenbegleitung vor
Porträt
( 15.08.2011 ) Ilmenau Konzert im GoetheStadtMuseum Marc Penchenat überzeugte im Goethe Stadt Museum mit Vertonungen der Gedichte von Goethe . Foto : Rainer Borsdorf
Am Anfang stand ein Handicap. "Am Gymnasium hatte ich eine derartig strenge Deutschlehrerin, dass ich zu stottern anfing", bekennt Marc Penchenat. Doch der Franzose wusste sich zu helfen: Gedichte von Goethe und anderen Größen deutscher Dichtkunst trug er fortan mit Gitarrenbegleitung vor - und wurde so sein Stottern wieder los.
Ilmenau. Am vergangenen Samstag konnten sich die Zuhörer im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau bei einem literarisch-musikalischen Abend von den künstlerischen Qualitäten überzeugen, die Penchenat inzwischen entwickelt hat. Neben Gedichten Goethes sind es unter anderem Texte von Theodor Storm und Heinrich Heine, die der 46-Jährige in den letzten Jahren vertont hat. Der gebürtige Toulouser trug seine Lieder auch in Ilmenau in bester französischer Chansonnier- Tradition vor: Die leisen Töne überwogen, wobei er der Gitarre teils perfekt passend die entsprechenden Akkorde und Rhythmen zu entlocken wusste. Und bei Goethes "Erlkönig" gelang es ihm sogar, für einen Moment Franz Schuberts Vertonung vergessen zu machen, die ansonsten bei diesem Gedicht als musikalischer Ohrwurm stets präsent ist. Und dabei waren Marc Penchenat die künstlerischen Talente alles andere als in die Wiege gelegt worden: Während die Mutter zeitlebens Marktverkäuferin blieb, fuhr der Vater fast täglich in aller Herrgottsfrühe die Toulouser Tageszeitung "La Dépêche" mit dem Lkw aus. "Teilweise saß ich mit auf dem Beifahrersitz bei ihm, und manchmal hab ich auch mit meiner Mutter Eier und Kaninchen verkauft", erinnert sich Penchenat. Doch seinen Lebensinhalt konnte er darin nicht sehen: Als einziger in der Familie schlug er eine akademische Laufbahn ein, und zwar so gründlich, dass es dem Leser fast schwindlig wird: Studium der Theologie, der Kommunikationswissenschaften, der Anglistik und Germanistik, dazu Sprachdiplome in Russisch und Italienisch. Und obwohl er die alle in Toulouse absolvierte, hielt es ihn dort nicht. Teils mehrjährige Aufenthalte in den USA, Irland, Österreich und Deutschland erweiterten seinen Horizont.
Die Initialzündung für diese Reiselust bekam er als Dreizehnjähriger auf der Insel La Réunion, einem französischen Übersee-Departement im Indischen Ozean: "Dort habe ich gelernt, was Offenheit und Menschenliebe bedeuten", meint Penchenat. Doch für sein Herumvagabundieren zahlte der Mann mit der sanften Stimme einen hohen Preis: Die Beziehung zur Mutter seiner Tochter Anna ging in die Brüche, und nach elf Jahren Deutschland kommt er sich auch in seinem Ursprungsland Frankreich wie ein Fremder vor. "Ich bin ein Mensch zwischen zwei Welten" sagt er - und lächelt.