Es ist eine düstere Welt, in die man im Film "Die Tribute von Panem" versetzt wird. Man erfährt vom Staat Panem, in dem die Obrigkeit - das Kapitol - diktiert. Zwölf Distrikte müssen seit einem Aufstand vor 74 Jahren einen harten Preis für den Frieden zahlen. Alljährlich müssen sie ein Mädchen und einen Jungen zu den Hungerspielen schicken.
Ein brutales Szenario, bei dem die 24 Jugendlichen sich gegenseitig abschlachten müssen, bis nur noch einer übrig ist. Sie werden dazu in eine Arena gebracht, in der jedes Jahr eine andere Landschaft als Ort des Gemetzels dient. Das Ganze wird in einer Gameshow live im Fernsehen übertragen. Es ist eine Art moderne Gladiatorenspiele, die nur dem Amüsement der reichen Kapitolbewohner dienen.
Die Protagonistin, Katniss, kommt aus Distrikt 12. Der Hunger bestimmt ihr Leben. Früh verlor sie ihren Vater. Sie lernte zu jagen, um ihre hilflose Mutter und die kleine Schwester Primrose durchzubringen. Katniss wird verkörpert von Jennifer Lawrence - ein echter Glücksgriff für den Film. Sie überzeugt absolut als kantige Protagonistin. Ihre kleine Schwester liebt Katniss über alles. Umso schockierender ist es, als der Name Primrose bei der Ernte der Tribute gezogen wird. Es ist ein Gänsehautmoment. Ohne zu zögern, meldet sich Katniss freiwillig. Sie weiß, dass es für ihre Schwester das sichere Todesurteil wäre, als Zwölfjährige bei den Spielen anzutreten. Ihr Mitstreiter ist Peeta, ein Bäckerssohn, dargestellt von Josh Hutcherson, der neben einer solch starken Protagonistin etwas verblasst. Die beiden fingieren eine Liebesgeschichte, denn das Publikum giert förmlich nach solch einer Story. Für Katniss ist die Liebesgeschichte nur eine Vermarktungsstrategie - bei Peeta sind echte Gefühle im Spiel. Und so werden Katniss und Peeta schnell zum Publikumsliebling. Sie lassen sich in tolle Kleider stecken und spielen mit.
Die ganze Pervertiertheit des Systems tritt dabei zu Tage. Zum Tode Geweihte treten hier schlagfertig einem schrillen Talkmaster gegenüber und beantworten brav die Fragen. Denn wenn sie es nicht tun, bekommen sie keine Sponsoren, die ihnen während der Spiele Essen oder Medizin schicken können. Die Bewohner des Kapitols sind bunt und vollkommen überzeichnet.
Nach einem Training kann die Jagd in der Arena beginnen. Ein dumpfer Kanonenknall zeigt einen weiteren sinnlosen Tributstod an. Ist es der Obrigkeit zu langweilig, lässt sie sich Überraschungen wie mutierte Killerbienen oder eine Art mörderische Hundsbestien einfallen, die sie auf die Spieler loslassen. Es ist eine spannungsgeladene Welt, in die man eintaucht, man steht zwischen reiner Natur und absolutem Hightech, zwischen Armut und Reichtum. Eine gepushte Medienwelt wird dargestellt, in der die Gier des Gaffens absolut überspitzt wird. Ein Vergleich zu heutigen Casting- und Gameshows, in denen sich Menschen vor einem Millionenpublikum blamieren, bleibt nicht zu übersehen. Würden sie immer noch hinschauen, wenn es um Leben und Tod ginge?
Im Film stellen sich zwei Jugendliche auf ihre ganz eigene Weise gegen die Diktatur und das Machtgehabe der Oberen. Dem Regisseur Gary Ross ist ein interessanter Film gelungen, der sich nahe am Buch von Suzanne Collins hält, aber dennoch weit genug weg ist, um die Geschichte auch für Erwachsene spannend zu machen. Vielleicht ist es dem Stempel Jugendbuch zu verschulden, dass die Dialoge sich manchmal etwas ziehen. Dennoch, einmal eingetaucht in die Welt von Panem, beschäftigt die Geschichte einen auch noch nach dem Kinobesuch. Geniale Kostüme und eine interessante Kameraführung lassen den Film zu einem sehenswerten Erlebnis werden, nicht nur für Liebhaber der Buch-Trilogie. Bedenklich ist allerdings die Altersfreigabe ab 12 Jahren, da im Film ein brutales Abschlachten von jungen Menschen gezeigt wird.
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