Wibke Bruhns erinnerte sich in Erfurt an "Nachrichtenzeit"

  • Die Publizistin Wibke Bruhns bei der Lesung im Collegium Maius in Erfurt. Foto: Marco Kneise Die Publizistin Wibke Bruhns bei der Lesung im Collegium Maius in Erfurt. Foto: Marco Kneise
Publizistin Wibke Bruhns erinnerte zur Erfurter Frühlingslese an ihre Sprecherkarriere beim ZDF und an Willy Brandt.
Erfurt. Vermutlich werde auf ihrem Grabstein stehen, dass sie die erste Nachrichtensprecherin war und die angebliche Geliebte Willy Brandts.

Diese Ahnung - Wibke Bruhns trug sie anlässlich des Internationalen Frauentags Reinhold Beckmann vor und musste dafür ihre Lesung in Erfurt um drei Wochen verschieben - ist die Klammer ihrer beruflichen Karriere.

Der Auftritt als Nachrichtensprecherin beim ZDF war im Mai 1971 begleitet von Schandrufen. Sie möge sich gefälligst die Bluse zuknöpfen, empörte sich ein Anrufer während der Sendung. Die übrigen Beschimpfungsdetails hat Wibke Bruhns dem Buch "Nachrichtenzeit" niedergeschrieben, aus dem sie am Montag im vollbesetzten Saal des Collegium Maius in Erfurt las.

Andreas Postel, Leiter des Erfurter ZDF-Studios, erkundigte sich bei Wibke Bruhns nach den Änderungen im System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Gewiss, "ein Haufen Frauen" habe das Sagen, entgegnete Wibke Bruhns: "Aber das Geld verteilen immer noch die Männer. Frauen haben keine Hoheit über die Etats."

Weil die Situation so unerfreulich sei, engagiere sie sich für die Initiative "Pro Quote", die sich für mehr weibliche Führungskräfte in der Medienwirtschaft einsetze.

Die Geradlinigkeit ihrer Antworten offenbarte eine Haltung. Eine soziale Haltung, die sich an Willy Brandt zu orientieren schien. Wibke Bruhns schwärmte vom Wahlkampf für die SPD und der Bewegung "Bürger für Brandt".

Natürlich blieb der Fall Günter Guillaume nicht unerwähnt, der 1974 zu Brandts Rücktritt führte. Wibke Bruhns grollte noch immer diesem Spion, den sie "einen tumben Tor" und dessen Frau Christel "eine spitznäsige Person" nannte.

Dass sie am Ende über die Ossis in ihrem Geburtsort Halberstadt herzog, verlieh dem bis dahin glänzend verlaufenden Abend eine bittere Note.

Am 30. März lesen Rolf-Bernhard Essig und Gudrun Schury um 20 Uhr in der Stadtbibliothek Erfurt aus "Alles über Karl May".


Karsten Jauch / 28.03.12 / TA
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Kommentare
29.03.12 - 17:41
Wolfgang
Interessant. Das Buch, das mir in letzter Zeit aber besonders befallen hat, wird hier vom SWR vorgestellt: http://youtu.be/iFCSCValz1U
 
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