Couchsurfing ist auch bei Thüringern immer beliebter
Porträt
Auf dem Sofa bei einem völlig Fremden: Student Janek Scholz aus Jena reist gern als Couchsurfer durch die Welt, um andere Kulturen und Menschen kennenzulernen. Foto: Anne Zeuner
Wie es sich anfühlt, bei einem völlig Fremden zu klingeln und dann bei diesem auf dem Sofa zu übernachten, weiß Janek Scholz genau. Der Jenaer Student ist leidenschaftlicher Couchsurfer. Ein Trend, der auch in Thüringen und bei Thüringern immer beliebter wird.
Jena. "Es ist spannend, dann vor der Tür zu stehen und nicht so recht zu wissen, was einen erwartet", sagt der 25-jährige Italienisch-Student. Schnell gerate man dann mit dem Gastgeber ins Plaudern. Und genau darum geht es beim Couchsurfen nicht nur, dass man kostenlos in der Welt herumreisen kann, man lernt Einheimische kennen, tauscht sich aus über die verschiedenen Kulturen und bekommt den einen oder anderen Geheimtipp, der nicht in jedem Reiseführer steht.Das Reisen von Sofa zu Sofa funktioniert über eine Internetseite, auf der man sich anmeldet. Man legt ein Profil an und schon geht es los. Ob man selbst auch seine Couch als Schlafstätte für Weltenbummler anbieten möchte, ist jedem selbst überlassen. Grundsatz ist die Philosophie der Gastfreundschaft: Wenn man etwas von der Internetgemeinde bekommt so gibt man es auch in irgendeiner Form zurück. Sei es, selbst einen Couchsurfer bei sich aufzunehmen, seinem Gastgeber ein Essen zu kochen oder den Reiseführer zu spielen. All das hat Janek schon erlebt. Er war als Sofa-Gast bereits in Irland, München, Madrid und Italien. Als Janek etwa einen Tagestrip in die sizilianische Stadt Cefalu unternahm, war es ein einheimischer Couchsurfer, der ihm gern alles zeigte. Auch selbst hat er einige Rucksackreisende in seiner Studenten-Wohngemeinschaft aufgenommen. "Man bekommt eine riesige Portion Dankbarkeit als Lohn für seine Mühen entgegengebracht", sagt er.
Maria Lyssenko aus Jena "surfte" vor allem durch Australien. Foto: Anne Zeuner
Auch die 25-jährige Maria Lyssenko aus Jena reist gerne von Couch zu Couch durch die Welt. Maria ist bisher vor allem in Australien "gesurft". Als Dank hat sie etwa thüringische Spezialitäten gekocht die Australier zeigten sich begeistert von den Thüringer Klößen. Auch Janek fand es eine gute Idee, etwas Einheimisches mitzubringen, so hat er zum Beispiel Köstritzer Schwarzbier in der Welt verschenkt.
Couchsurfen gibt es bereits seit 1999. Längst sind es nicht mehr nur Studenten, die gerne Weltenbummler in ihrem Wohnzimmer schlafen lassen. Das beweist auch Maria Lyssenko. Als Dank für ihre eigenen Trips in die Welt bietet sie zusammen mit ihrer Familie das Gästezimmer ihres Hauses in Cospeda bei Jena an. "Neulich hatten wir ein russisches Pärchen zu Gast", sagt sie. Eine Bekanntschaft, die der ganzen Familie wohl lange in Erinnerung bleibe. "Es war ein wunderschöner Abend. Wir haben gekocht und bis in die Nacht über unsere gemeinsame Leidenschaft das Reisen geredet." Dass sich gleich ganze Familien am Trend beteiligen, hat Janek in Italien erfahren. Dort landete er eines Nachts im Haus einer italienischen Großfamilie. Die Oma tischte ein ganzes Festmahl auf, weil sie so begeistert vom deutschen Gast war. "Das war eine wundervolle Erfahrung." So bekomme man einen Einblick ins wahre Dolce-Vita.Kommunikationssprache ist im Regelfall Englisch oder eben die Landessprache, wenn beide Parteien diese sprechen. Ob Maria alleine als Frau nicht Angst habe bei einem Fremden, fragt man sich nun vielleicht. "Keineswegs", sagt sie, "ich fühle mich sehr sicher dabei." Man bekomme schließlich auf der Internetseite ein genaues Bild vom Gastgeber. "Das System warnt sofort, wenn irgendetwas schief gelaufen ist", weiß auch Janek. Für ihn geht es nun für ein Jahr nach Brasilien, natürlich wolle er dort viele Sofas begutachten und neue Eindrücke sammeln. Und auch Maria werde in Zukunft auf der einen oder anderen Couch nächtigen, sagt sie.