An seiner prägnanten Front ist der Renault Scénic zu erkennen. Fotos: Hersteller
Der Renault Scénic steht im Dienst der Familie und überrascht mit seinem modernen Cockpit. Der neue 130-PS-Diesel hält, was er verspricht.
Von allen Kategorien in der Autowelt ist "Van" die wohl komplizierteste. In den Dimensionen irgendwo zwischen winzig und extra-groß, verwischen auch die Grenzen zu den Transportern auf der einen und den Kombis auf der anderen Seite. Darüber hinaus haben Engländer, Amerikaner und Australier jeweils ganz eigene Vorstellungen von dem, was ein Van darstellt was sollen da wir Deutschen mit dem Wort anfangen? Was wir brauchen, ist ein Beispiel und hier ist eines: der Renault Scénic. Der Kompakt-Van unterscheidet sich auch in seiner jüngsten Auflage in zwei wesentlichen Punkten von einem herkömmlichen Fünftürer: Er ist höher, und seine Sitze sind flexibel verstellbar. Es sind die zwei Gebote eines jeden Vans. Nun ist eine größere Höhe eine verzwickte Eigenschaft. Der Fahrer denkt zuerst an die Nachteile: Der Schwerpunkt wird erhöht, die Aerodynamik verschlechtert darunter leiden Fahreigenschaften und Verbrauch. Andererseits ist ein hohes Dach die einfachste Variante, den Innenraum zu vergrößern. Und es ermöglicht eine erhöhte Sitzposition. Wer der Logik folgt, dass ein Familienauto kein Rennwagen sein kann, spürt die Nachteile beim Scénic kaum. Etwas windanfällig bei Sturm ist er zwar, doch halten kräftige Stabilisatoren die Wankbewegungen in Kurven sehr gut im Zaum. Und was den Verbrauch angeht, kann man sich über 5,5 Liter Diesel in keinem Auto beschweren, schon gar nicht in einem Kompakt-Van mit 130 PS. Eine disziplinierte Fahrweise ist dafür allerdings Voraussetzung. Dem neuen Diesel, dessen Kraft über sechs Gänge an die Vorderräder übertragen wird, gebührt also Lob für seine Sparsamkeit. Sein Drehmoment packt etwas zu plötzlich zu, doch verhält er sich ansonsten so leise, zuverlässig und dezent wie ein englischer Butler. Der Fahreindruck ist so bequem, wie es sich für ein Familienauto gehört, und zugleich weniger schwammig, als man es von manchen Franzosen kennt. Eine kluge Lösung stellt die elektronische Parkbremse dar, die sich nicht nur beim Losfahren selbstständig löst, sondern auch nach dem Parken selbstständig anzieht.
Der Innenraum des Renault Scenic. Foto: Hersteller
Der zuständige Knopf, der rot aufleuchtet, wenn die Bremse festgestellt ist, gehört zu dem für mich überraschendsten Aspekt des neuen Scénic dem Cockpit. Eindeutig eine Schöpfung des 21. Jahrhunderts, begeistert es auf den ersten Blick mit hochwertigen Materialien, guter Verarbeitung und hoch aufgelösten Digitalanzeigen in harmonischen roten und gelben Farben. Sie schwingen sich unter einer Abdeckung oben am Armaturenbrett bis zur Fahrzeugmitte und sind leicht dem Fahrer zugeneigt. So sind sie deutlich besser ablesbar als bei den Autos, welche die Unsitte der mittig platzierten Instrumente pflegen. Ganz stellte mich die Anordnung leider dennoch nicht zufrieden denn abhängig von der Sitzposition kann das Lenkrad den Blick auf die Geschwindigkeits-Anzeige beeinträchtigen. Das Lenkrad ist zweifach verstellbar im Vergleich zu den hinteren Sitzen wirkt es jedoch behäbig wie ein Sumo-Ringer. Denn diese beherrschen mehr Tricks als David Copperfield: Sie können verschoben, ihre Lehnen geneigt oder umgekippt werden, wobei sie dann als Tisch dienen. Wer sich über die Stufe wundert, die im Kofferraum verbleibt, kippt den ganzen Sitz nach vorn und freut sich dann über eine ebene Fläche. Herausgenommen werden können die Sitze auch mega-flexibel. Was die Optik betrifft, so besitzt der Scénic eine präg-nante, wiedererkennbare Front und schöne Heckleuchten. Ansonsten sieht er natürlich aus wie ein Van aber dafür richtig gut.
In Zahlen
Renault Scénic "Edition Bose" Energy dCi 130 Start & Stop
Kompakt-Van, Fünfsitzer
Länge: 4,34 m; Breite: 1,85 m; Höhe: 1,68 m
Radstand: 2,70 m
Wendekreis: 11,05 m
Leergewicht: 1505 kg
Zuladung: 535 kg
Kofferraum: 470 bis 1870 l
Tankvolumen: 60 l
Reifen: 205/55 R 17
Motor: Common-Rail-Diesel
vier Zylinder, 1598 cm³
130 PS bei 4000 U/min
320 Nm bei 1750 U/min
Frontantrieb
6-Gang-Schaltung
195 km/h
0 auf 100: 10,3 s
Verbrauch: 5,2 l / 100 km (Stadt)
4,1 l / 100 km (außerhalb)
4,5 l / 100 km (kombiniert)
entspricht 117 g CO2/km
ab 27.500 Euro
zum Vergleich: Scénic 1.6 (Benzin, 110 PS): ab 18.900 Euro
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