Schweres Seebeben vor Indonesien schürte Tsunami-Angst
Porträt
Ein roter Kreis markiert auf einem Monitor am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam die Stelle, an der sich vor Sumatra das Seebeben ereignete. Foto: dapd
Nur etwa 80 Zentimeter hohe Wellen erreichten die Küstenregion Meulaboh im Westen der indonesischen Provinz Aceh.
Banda Aceh. Wegen eines schweren Erdbebens vor der indonesischen Insel Sumatra ist am Mittwoch für den Indischen Ozean eine Tsunami-Warnung herausgegeben worden. Doch haben nur kleine Flutwellen die Küste erreicht. "Unsere Bojen und Gezeitenanzeiger haben Mini-Tsunamis registriert", sagte ein Sprecher der indonesischen Erdbebenwarte. Es habe mindestens drei solcher Flutwellen gegeben. Die höchste sei in Meulaboh im Westen der Provinz Aceh auf der Insel Sumatra registriert worden. "Sie war 80 Zentimeter hoch", sagte der Sprecher. Wenig später erschütterte ein Nachbeben der Stärke 8,1 die Region. Der Erdstoß der Stärke 8,6 ereignete sich etwa 430 Kilometer vor der Westküste Sumatras in 33 Kilometer Tiefe. Das US-Erdbebenzentrum USGS hatte die Stärke zunächst mit 8,9 angegeben, später senkte es diese auf 8,7, dann auf 8,6. Der indonesische Präsident Susilo Bambang sagte zwei Stunden nach dem Erdstoß der Stärke 8,6, noch gebe es keine Berichte über größere Wellen. In Banda Aceh flüchteten die Menschen in Autos und auf Motorrädern auf höher gelegenes Gebiet. Chaos brach auf den Straßen aus, als fast vier Minuten lang die Erde bebte. Patienten strömten aus den Krankenhäusern auf die Straße, einige hatten den Tropf noch in ihrem Arm. In einigen Stadtteilen fiel der Strom aus. Dem Tsunami, der Weihnachten 2004 etwa 230 000 Menschen der Region das Leben kostete, ging ein Beben der Stärke 9,1 voraus. Die meisten Opfer gab es in Aceh.
Erdstoß auch in Singapur und Thailand zu spüren
"Es war nicht das stärkste Beben, das ich je gespürt habe", sagte die 22-jährige Tut Tahmi. "Aber es schien ewig zu dauern." Eine Stunde nach dem Erdstoß standen die Menschen noch vor ihren Häusern und hatten Angst, hineinzugehen. Der Erdstoß war in Singapur, Thailand, Malaysia und Indien zu spüren. An der malaysischen Westküste schwankten Hochhäuser eine Minute lang. Das Pazifische Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii erklärte, die Warnung gelte im Indischen Ozean unter anderem für Indonesien und Australien, aber auch für Kenia, Südafrika, den Iran und Singapur. Der thailändische Katastrophenschutz ordnete die Evakuierung von sechs Provinzen entlang der Westküste des Landes an. Darunter waren die bei Touristen beliebten Gegenden Phuket, Krabi und Phang-Nga. Das indische Tsunami-Warnzentrum gab Warnungen für die Andamanen und die Nikobaren im Golf von Bengalen heraus. Direktor Satheesh Shenoi erklärte, die Gefahr eines Tsunamis gehe zurück. "Es gibt keine Hinweise auf eine Tsunami-Welle", sagte er. "Die Instrumente zeigen keine Veränderungen des Meeresspiegels." Der Seismologe Roger Musson erklärte, bei dem Erdbeben habe es sich um eine Horizontalverschiebung gehandelt. Dabei bewegt sich die Erde in horizontaler Richtung, sodass weniger Wasservolumen bewegt wird.