Gedenkstätte Buchenwald soll Weltkulturerbe werden

  • Nur wenige Orte der Unkultur zählt die Liste der Unesco. Ein Antrag der Aufnahme der Gedenkstätte Buchenwald liegt nun offenbar vor. Archiv-Foto: dapd Nur wenige Orte der Unkultur zählt die Liste der Unesco. Ein Antrag der Aufnahme der Gedenkstätte Buchenwald liegt nun offenbar vor. Archiv-Foto: dapd
Die Gedenkstätte Buchenwald soll Weltkulturerbe werden. Ein Antrag von Land und Stadt liegt offenbar vor und wird nach unseren Informationen jetzt bei der Kulturministerkonferenz eingereicht werden.
Weimar/Erfurt. Orte der Barbarei, der Inhumanität, des Verbrechens: Unter den mehr als 900 Welterbestätten der Unesco finden sich nur wenige Orte der Unkultur. Das Thema ist vermeintlich paradox und provozierend zugleich. Die Unesco würdigt die kulturellen Errungenschaften der Menschenheit Zeugnisse vergangener Kulturen, künstlerische Meisterwerke und einzigartige Naturlandschaften - und zugleich Orte, an denen die vollkommende Abwesenheit von Kultur zu beklagen war?

Das geht. Seit 1979 gehört zum Beispiel das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau dazu. Es steht als Symbol für die Shoa. Die Deutschen hatten die Barbarei in das Nachbarland getragen - nun muss Polen mit einem ehemaligen KZ umgehen, das sich zwar auf seinem Boden befindet, aber eben gerade keine polnische Einrichtung war. Mit diesem Thema angemessen umzugehen, das ist ein Kulturleistung. Und Buchenwald? Wofür steht das Lager oberhalb von Weimar, das neben der Nazi- auch eine Speziallager-Geschichte nach dem Krieg hat? Buchenwald und Mittelbau Dora - beide Einrichtungen sind ein Synonom für die Konzentrationslager auf deutschem Boden. Schon 2010 sagte Weimars OB Stefan Wolf : "Wenn wir Weimar als einen Lernort verstehen, dann gehört Buchenwald genauso dazu wie das Werk Goethes, Schillers und Herders und das Bauhaus mit seiner neuen, zivilen Definition von Kultur." Die FAZ zitierte seinerzeit aber auch die Beauftragte der Kultusminsterkonferenz für das Unesco-Weltkulturerbe, Bigitta Ringbeck: "Ich hätte große Schwierigkeiten, wenn Konzentrationslager wie Schlösser in Serie nominiert werden. Gedenkstätten müssen exemplarisch bleiben. Das darf nicht normal werden." - Ringbeck war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Stadt und Land müssen ihren Antrag für eine Aufnahme der Gedenkstätte Buchenwald als Weltkulturerbe bei der Kultusministerkonferenz einreichen: Sie erarbeitet eine Tentativliste, also eine nationale Vorschlagsliste. Die Liste werde dann über das Auswärtige Amt bei der Unesco in Paris eingereicht. Die neue Liste greift frühesten ab 2017, denn bis dahin hat die alte Kandidatenriege Welterbestatus erreicht. Unter den deutschen Welterbestätten im Wartestand befinden sich zum Beispiel das Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth sowie der Naumburger Dom und das hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut.

Kulturminister Christoph Matschie (SPD) wird heute bei der eiligst einberufenen Pressekonferenz verkünden, dass sich neben der Landeshauptstadt Erfurt mit der "Jüdischen Kunst und Kultur im Mittelalter" auch Weimar mit der Gedenkstätte Buchenwald bewerben wird um den ehrenvollen Titel. Im April sagte Matschie zum Vorstoß ehemaliger KZ-Häftlinge aus Ungarn: "Das ist eine interessante Idee, sie fußt auf der vorbildlichen Aufarbeitung der Geschichte in der Gedenkstätte."

Die Gedenkstätte rückt noch in anderer Hinsicht ins Blickfeld: Anlässlich des Verfassungsjubiläums 2013 will das Thüringer Justizministerium neben den bekannten Orten des Unrechts in Thüringen Plätze finden, an denen sich- vorrangig positive -Verfassungserinnerungen fest machen lassen und die - im Verhältnis zu Buchenwald bei Weimar sowie Topf & Söhne in Erfurt - noch keinen so großen Bekanntheitsgrad aufweisen. Dieses Vorhaben wird "Straße der Menschenrechte" genannt - und geht auf eine Idee zurück, die einst der damalige DNT-Generalintendant Stephan Märki und Gedenkstätten-Direktor Volkhard Knigge im Gespräch mit unserer Zeitung an die Öffentlichkeit gebracht hatten. Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) griff - wie berichtet - diesen Vorstoß auf. Wer Vorschläge zu Stationen der "Straße der Menschenrechte" machen will, findet auf der Webseite des Justizministeriums ein Formular. Eine Übermittlung der Vorschläge soll bis 30. September 2012 erfolgen, so Poppenhäger. Es sei beabsichtigt, am Montag, 10. Dezember, erste Ergebnisse des Wettbewerbs der Öffentlichkeit vorzustellen.

Vorgesehen ist, dass ausgewählte Orte in der anlässlich des Verfassungsjubiläums herauszugebenden Broschüre des Thüringer Justizministeriums mit kurzen Erläuterungen und Hinweisen aufgelistet werden. Es ist zudem beabsichtigt, in der Publikation die bereits etablierten Orte wie etwa die Gedenkstätte Buchenwald, das Weimarer Nationaltheater, den Erinnerungsort Topf & Söhne, die Wartburg in Eisenach als "Grundbestand der Erinnerungskultur" hervorzuheben. Arbeitstitel der Broschüre: "Thüringen schreibt Verfassungsgeschichte".


Hans Hoffmeister und Thorsten Büker / 31.08.12 / TLZ
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