Wolfgang Kubicki lässt FDP-Spitze abblitzen

  • Wolfgang Kubicki, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag von Schleswig-Holstein, will seinen Erfolg auf keinen Fall mit der Bundesführung teilen. Foto: Nigel Treblin/dapd Wolfgang Kubicki, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag von Schleswig-Holstein, will seinen Erfolg auf keinen Fall mit der Bundesführung teilen. Foto: Nigel Treblin/dapd
Bei den Liberalen wachsen die Königsmord-Fantasien, während sich die SPD auf die Dänen-Ampel in Kiel vorbereitet. Den Politik-Laien von der Piratenpartei gelang ein taktischer Paukenschlag.
Berlin. So etwas Freches hat die Hauptstadt noch nicht erlebt. Nach alter Sitte werden die Spitzenkandidaten bei Landtagswahlen am Montag danach in ihren Parteizentralen mit Blumen begrüßt. War das Ergebnis unterirdisch, wird auch schon mal eine Termin- oder Verkehrsverbindungsausrede bemüht.

Aber Wolfgang Kubicki, der am Sonntag der FDP mit 8,2 Prozent ein vor Wochen für unmöglich gehaltenes Wahlergebnis bescherte, ließ seinem Chef in Berlin ausrichten, er schlafe lieber erst einmal in Kiel seinen Rausch aus. Deutlicher lässt es sich nicht sagen, dass er seinen Erfolg auf keinen Fall mit der Bundesführung teilen will.

Dass es handfeste Spekulationen über einen geplanten Putsch bei den Liberalen schon lange gibt, kann nun wirklich nicht verwundern, denn diese kurven seit Wochen durch die Gassen Berlins.

Aber dass sie ausgerechnet am Wahlsonntag in den Fokus der Öffentlichkeit geschoben werden, sehen Verschwörungstheoretiker als gezielte Aufforderung an die Wähler, einem künftigen Königsmörder in der FDP ihre Stimme zu geben. Zur Tat werden sie erst schreiten, wenn Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen ein ähnliches Ergebnis erreicht.

Philipp Rösler , das vermeintliche Opfer des Komplotts, rettete sich Montag in die Floskel, dass das Wahlergebnis ein gutes für die FDP im Allgemeinen und für Kubicki im Speziellen war.

Torsten Albig, der SPD-Spitzenkandidat, war im Gegensatz zu Kubicki über Nacht erst so richtig munter geworden. Am Sonntag hatte er sich noch nach allen Seiten hin entschuldigt, dass er nicht mal in die Nähe der angepeilten vierzig Prozent gekommen war.

Über Nacht aber war das Selbstbewusstsein im Kieler Oberbürgermeister wieder erwacht und er tönte im Willy-Brandt-Haus gegenüber seinen Genossen, dass er ihnen das Amt eines Ministerpräsidenten zurückbringe.

Wahrscheinlich waren die Signale, die er empfangen hatte, sehr deutlich.

Der grüne Spitzenkandidat Robert Habeck zerstreute alle Gedankenmodelle über eine Ampel-Koalition zwischen SPD, Grüne und FDP. Zwar wurden ihm immer Sympathien für ein Regierungsbündnis mit den Christdemokraten nachgesagt, aber die Liberalen wären für ihn der letzte Gesprächspartner, ließ er wissen.

Ausgerechnet den Politik-Laien von der Piratenpartei gelang Montag ein taktischer Paukenschlag. Einige Neu-Abgeordnete ließen durchblicken, dass sie eine sogenannte Dänen-Ampel aus SPD, Grüne und Südschleswigschen Wählerverband stützen würden.


Wolfgang Suckert / 08.05.12 / TA
Z83C57M280164
Canonical URL
Kommentare
 
Das könnte Sie auch interessieren
weitere Politiknachrichten
Fotoserien & Videos
Linktipps