In Thüringen existiert ein Trauma-Netzwerk: Von den 30 Kliniken im Freistaat, die eine unfallchirurgische Versorgung anbieten, gehören ihm 26 an. Archiv-Foto: Candy Welz
Bei Unfällen erleiden bundesweit pro Jahr etwa 33- bis 35 000 Menschen schwere Verletzungen, in Thüringen sind es mehr als 600 jährlich. Um sie schnell und optimal versorgen zu können, schließen sich Kliniken zu sogenannten Trauma-Netzwerken zusammen.
Jena. Ziel eines Trauma-Netzwerkes ist es, Patienten ohne Zeitverzug in Kliniken zu verlegen, die personell und strukturell in der Lage sind, die Verletzungen bestmöglich zu behandeln. Schließlich kann schon allein aus Kostengründen nicht jede Klinik jedwede Behandlungsmöglichkeit vorhalten. Initiator der Netzwerke, die es mittlerweile nahezu flächendeckend in Deutschland gibt, ist die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), die die jeweils beteiligten Kliniken und das Netzwerk, in das sie eingebunden sind, auch zertifiziert. In Thüringen existiert ebenfalls ein Trauma-Netzwerk: Von den 30 Kliniken im Freistaat, die eine unfallchirurgische Versorgung anbieten, gehören ihm 26 an, allen voran die überregionalen Traumazentren in Jena, Erfurt und Meiningen. Drei weitere Kliniken sind - da an der Landesgrenze angesiedelt - in Netzwerke in Niedersachsen und Bayern integriert. Jede einzelne Klinik muss für sich nachweisen, dass sie für die Versorgung Schwerverletzter gewappnet ist - sowohl was die Ausstattung betrifft als auch in personeller Hinsicht. Sie reicht dazu eine Checkliste ein und wird zusätzlich von Auditoren Fachleuten aus dem Gesundheitswesen - unter die Lupe genommen. In einem aufwändigen Verfahren werden zudem das Zusammenspiel der Kliniken und die Qualität der Behandlung im Netzwerk geprüft. "In Thüringen ist die Netzwerkbildung schon auf einem guten Weg", ist Dr. Arne Wilharm, Unfallchirurg am Uniklinikum Jena und stellvertretender Sprecher des Netzwerks, überzeugt. So wurden zum Beispiel die technischen Voraussetzungen geschaffen, um Bilder - zum Beispiel Röntgen- oder CT-Aufnahmen - per Knopfdruck zwischen den Kliniken auszutauschen. "Oft sind die Bilder sogar bereits vor dem Patienten in der Klinik, in die er verlegt wird, so dass sich die aufnehmende Klinik optimal auf den Patienten vorbereiten kann", sagt Dr. Wilharm.
Auch die Kommunikation zwischen den Kliniken wurde verbessert und damit der Informations- und Zeitverlust minimiert: Musste früher der diensthabende Arzt in der Klinik, an die ein Patient zur Weiterbehandlung überwiesen werden sollte, über deren Telefonzentrale den diensthabenden Unfallchirurgen ausfindig macht, genügt nun erst ein Griff zur Liste mit allen wichtigen Rufnummern und dann zum Telefon, um den Kollegen zu erreichen. "Außerdem gibt es eine Rückmeldung an die Klinik, die den Patienten überwiesen hat, ob die Primärversorgung optimal war", erklärt der Vize-Netzwerk-Sprecher. Letztlich kommt all das den Schwerverletzten zugute, bei deren Versorgung es auf jede Minute und jeden Handgriff ankommt. Überzeugt hat die Qualität der Arbeit der Thüringer Netzwerk-Kliniken und ihres Netzwerks auch die DGU: Sie überreicht morgen in Jena die Qualitätszertifikate. Nichts, worauf sich die Kliniken ausruhen könnten. Alle drei Jahre müssen sich die Kliniken wieder überprüfen lassen, damit niemand in dem Bemühen nachlässt, für Unfallopfer alles Menschenmögliche zu tun.