Acht Monate Bauzeit in der Schlösserstraße

  • Die Schlösserbrücke in Erfurt braucht eine Kur. Bei Bauarbeiten ist die Schlösserstraße jedoch ein Nadelöhr, durch das sich Straßenbahn, Fußgänger, Radfahrer und der Lieferverkehr der Geschäfte zwängen.  Foto: Marco Schmidt Die Schlösserbrücke in Erfurt braucht eine Kur. Bei Bauarbeiten ist die Schlösserstraße jedoch ein Nadelöhr, durch das sich Straßenbahn, Fußgänger, Radfahrer und der Lieferverkehr der Geschäfte zwängen. Foto: Marco Schmidt
Der Erfurter Stadtrat soll im Juli über das Bauvorhaben an der Schlösserbrücke entscheiden. Während der Arbeiten würde der Straßenbahnverkehr eingestellt.
Erfurt Altstadt. Die Bauarbeiten in der Schlösserstraße bis zum Fischmarkt werden in diesem Jahr nicht mehr begonnen, anders als bisher geplant. Dies sagte gestern der Beigeordnete für Stadtentwicklung Uwe Spangenberg gegenüber Thüringer Allgemeine. Der Stadtrat werde in seiner Juli-Sitzung entscheiden, wie im kommenden Jahr verfahren werden soll.

Die Arbeiten seien nötig, da die Schlösserbrücke saniert werden muss, ebenso die Versorgungsleitungen unter der Schlösserstraße und dem Fischmarkt. Das Niveau der Straße muss angehoben werden. Auf dem Fischmarkt sei eine behindertengerechte Haltestelle nötig, für die die Gleisführung der Straßenbahn und die Höhe des Gleisbetts verändert werden müssen, so Spangenberg.

Geplant war ursprünglich, ab Spätsommer 2012 in drei Bauabschnitten die Schlösserstraße und den Fischmarkt zu erneuern: zunächst vom Anger bis zur Schlösserbrücke, ab Frühjahr dann von der Schlösserbrücke bis zum Fischmarkt und danach auf dem Fischmarkt selbst. Klar sei, dass sich die Arbeiten in der engen Straße mit Fußgängern, Lieferverkehr, Radfahrern und Straßenbahn kompliziert gestalten würden, so Spangenberg.

Die Straße ist zu eng. Straßenbahnen sollten, so der erste Plan, während der Arbeiten weiter eingleisig im Pendelverkehr auf dieser Strecke fahren. Beide Gleise blieben unangetastet. Während auf einem Gleis weiter die Bahn rollen würde, wäre lediglich auf dem zweiten Gleisbett Platz für Fußgänger, Lieferverkehr und die Baufahrzeuge gewesen. Die Kosten seien bei der Ausschreibung jedoch von den Baufirmen so hoch veranschlagt worden, dass von diesem Plan Abstand genommen werden musste.

Nun soll Plan B greifen. Danach würde mit den Arbeiten erst ab März 2013 begonnen, die Bauzeit auf 6 bis 8 Monate verkürzt.

Das Problem: Der Straßenbahnverkehr zwischen Domplatz und Anger würde bei dieser Variante völlig ruhen. Busse würden im Fünf-Minuten-Takt vom Domplatz über Andreas-, Moritzwall-, Johannesstraße zum Anger und zurück über den Theaterplatz fahren. Die Schlösserstraße wäre komplett Baustelle. Einige Geschäfte müssten zeitweise schließen.

Er sei sich darüber im Klaren, was dies bedeutet, sagt Spangenberg. Zumal die Angerbaustelle bis dahin noch nicht vollständig beendet ist. Entscheiden muss darüber der Stadtrat.

Der Beigeordnete gibt jedoch zu bedenken, dass nur noch für kurze Zeit ein Großteil der Arbeiten durch europäische und bundesweite Fördermittel finanziert werden kann. Die Gesamtsumme wird bisher nur geschätzt, auf etwa elf Millionen Euro. In wenigen Jahren müsste die Stadt das Projekt zu 100 Prozent selbst finanzieren.

Zwar war in der Schlösserstraße und auf dem Fischmarkt schon vor drei Jahren heftig gebaut worden. Dies aber sei, so Spangenberg, ein Vorhaben der Evag gewesen. Er räumt ein, dass man sich hätte besser darüber abstimmen sollen, dass nun eine Generalsanierung ansteht.

"Wenn ich entscheiden sollte", sagt er mit Blick auf die Juli-Sitzung des Stadtrates, "würde ich in die Qualität der Stadt investieren." Dann fließe auch durch die vielen Touristen wieder Geld in die Stadtkasse für soziale und kulturelle Projekte.

Erfurt hat eine schöne Altstadt, vor allem dank vieler Privatinitiativen von Händlern und Bürgern. Aber auch die Stadt müsse etwas tun, heißt es. Zumal Anger und Bahnhofstraße dann bereits saniert sind.


Angelika Reiser-Fischer / 23.06.12 / TA
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Kommentare
28.06.12 - 12:20
marie
@Lisa B "Die Straßenbahn in Markt- und Schlösserstraße fährt doch nun wirklich nicht so oft, dass sie permanent störend wäre. Muss man sich eben mal auf den Gehweg bequemen und nicht im Gleisbereich laufen. Ist das so schwer? "Lisa, waren Sie schon mal in Erfurt?
25.06.12 - 22:25
Erfurter
@Lisa 100% Zustimmung Erfurt hat einen guten ÖPNV, ein Umlagern der Trassen macht wenig Sinn und woher soll das Geld denn kommen? Ab 2020 dürfen keine Schulden mehr gemacht werden. Daher muss alles bis dahin fertig sein und in einem Rutsch gemacht werden. Danke an alle privaten Investoren, die wesentlich und trotz manchem Amtsschimmel zur Verschönerung der Stadt Erfurt beigetragen haben.
25.06.12 - 19:47
Lisa B.
So ein Unsinn, Schleife am Benaryplatz. Wozu? Was soll man da? Die Bahnen können am Domplatz wenden, ab da fährt die 4. Wer von Norden kommt, will in der Regel über den Anger, entweder umsteigen, zum Bahnhof oder in andere Richtungen. Dazu hat in der Bauzeit jeder die Möglichkeit, mit der 1 durch die Magdeburger Allee zu fahren und umgekehrt. Die 2 fährt eh weiter. Die Bahn in der Innenstadt ist sinnvoll, schauen Sie mal in westdeutschen Innenstädte und Füßgängerzonen, aus denen der Bahnverkehr entfernt oder unter die Erde gelegt wurde. Nicht nur, dass die Zahl der Fahrgäste zurück ging, auch die Laufkundschaft der Läden verringerte sich und etliche mussten schließen. Die Straßenbahn in Markt- und Schlösserstraße fährt doch nun wirklich nicht so oft, dass sie permanent störend wäre. Muss man sich eben mal auf den Gehweg bequemen und nicht im Gleisbereich laufen. Ist das so schwer? Aber zurück zum Artikel selbst: Wenn die Gleislage eh geändert werden muss, was spricht dagegen, dies zeitgleich mit den Bauarbeiten zu tun und nicht in den Jahren danach wieder anzufangen? Laut Projekt sollen die Gleise später um etwa 30 cm nach Westen verlegt werden, um den Gehweg auf der Ostseite zwischen Brücke und Predigerstraße auf eine Mindestbreite verbreitern zu können. Will man dann nochmals sperren? Das wäre in der Tat teurer Unsinn. Besser einmal alles als dauern ein Stückchen.
24.06.12 - 19:24
-Andreas-
Sorry, liebe Stadtplaner, aber dass ganze hin und her mit den Baustellen in der Innenstadt machen wirklich keinen Spass. Sinnvoll wäre es den ganzen Straßenbahnverkehr aus der Innenstadt zu verlegen. Dies wäre über iene Schleife am Benaryplatz machbar. Entlastung der Schlösser- und Marktstraße ist dann möglich.
24.06.12 - 12:11
Schade
Kommt man als Tourist alle paar Jahre nach Erfurt, trifft man ohne Ausnahme auf Baustellen im Stadtzentrum. Was hat das ganze Gebaue für einen Sinn, wenn niemals "Normalzustand" herrscht. Eine philosophische Frage, soll doch die Stadt schöner werden. Kann man die Schönheit genießen, wenn es immer, also immer immer Baustellen gibt? Die Notwendigkeit steht außer Frage, das (Wohl-)Gefühl kommt zu kurz.
 
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