Erstes Fundstück: Claudia Müller von der Unteren Denkmalbehörde zeigt die mittelalterliche Scherbe. Foto: Peter Rossbach
Der Bagger hatte kaum angefangen, seine Arbeit zu verrichten, und die Spaten waren für den symbolischen Stich gerade gestochen, da wurde Karin Sczech schon fündig. Eine mittelalterliche Scherbe hielt die Gebietsreferentin des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Händen. Haushaltsabfall aus jener Zeit, schätzt die Expertin ein.
Eisenach. Kein atemberaubender Fund und schon gar keiner, der jetzt dem Investor den Angstschweiß auf die Stirn treiben müsste, weil er jetzt mit Heerscharen an weiteren Archäologen und weiteren zeitintensiven Untersuchungen rechnen müsste.
Eigentlich sollte es ja schon richtig losgehen mit dem Neubau auf dem Lutherplatz, aber gestern starteten dann doch erst die Restuntersuchungen der Archäologen auf dem Gelände der Baulücke zwischen Lutherhaus und Schlosshotel. Ende nächsten Jahres, so Investor Günter Höpfner, soll der Bau, den er gemeinsam mit Jörg Gnauert finanziert, stehen. Für rund 3,5 Millionen Euro entstehen dort 30 altengerechte Wohnungen, Parkplätze und ein Erdgeschoss, das von der Kirche als Erweiterungsfläche für das Lutherhaus-Museum zunächst gemietet wird. Es gibt aber die Option, die Fläche zu kaufen. In etwa sechs Wochen soll der reguläre Baustart sein. Für diese Erweiterung des Museums Lutherhaus sind im Erdgeschoss allein 312 Quadratmeter vorgesehen.
Zwischenbau
Zwischen diesem Neubau und dem Lutherhaus wird dann, wohl erst in ein bis zwei Jahren, von der Kirche noch ein Zwischenbau errichtet. Dieser Glasbau dient als Übergang von Lutherhaus alt zu den neuen Flächen im Neubau, soll aber auch einen Fahrstuhl integrieren, schon um einen behindertengerechten Zugang auch für die oberen Teile des Museums zu ermöglichen. Der Zwischenbau wird fünf Meter breit sein und so lang wie das Lutherhaus selbst. Der Hauptteil der Flächen ist bereits archäologisch untersucht und für den Bau freigegeben, auch die darunter liegenden Gewölbekeller. Nun folgt nur noch ein Reststück im oberen Bereich des Grundstückes. Dort soll sowieso Erde ausgehoben werden, dabei schauen die Archäologen, ob sie noch etwas Wichtiges finden. Oberbürgermeister Matthias Doht
ist froh, dass "der städtebauliche Missstand" am Lutherplatz jetzt behoben wird und eine private Investition unter Mitwirkung der Kirche städtische Interessen erfüllt. 2007 habe er in der Lutherstadt Eisleben das dortige Luthermuseum bewundert, "und mir damals gesagt, dass wir in Eisenach es auch dringend bis 2017 hinbekommen müssen, der Erinnerung an den Reformator ein modernes und würdiges Zuhause zu geben". Schließlich sei Eisenach einer der drei Standorte für die nationale Ausstellung zum Jubiläum "500 Jahre Reformation". Die Förderung durch das Land für die Gestaltung der neuen Dauerausstellung sei bereits zugesagt.