Ausgrabungen in Eisenach haben begonnen

  • Diese mittelalterliche Scherbe fischte Dr. Karin Sczech vom Landesamt für archäologische Denkmalpflege gestern am Lutherhaus zum Beginn der archäologischen Untersuchungen aus der Erde. Ein Bagger hatte einige Schaufeln mit Erde bewegt, da machte sie prompt diesen Fund. Foto: Dirk Bernkopf Diese mittelalterliche Scherbe fischte Dr. Karin Sczech vom Landesamt für archäologische Denkmalpflege gestern am Lutherhaus zum Beginn der archäologischen Untersuchungen aus der Erde. Ein Bagger hatte einige Schaufeln mit Erde bewegt, da machte sie prompt diesen Fund. Foto: Dirk Bernkopf
Der Start der archäologischen Untersuchungen im hinteren Teil der Baulücke zwischen Lutherhaus und Schlosshotel brachte am Donnerstag gleich die erste kleine Überraschung.
Eisenach. Dr. Karin Sczech vom Thüringer Landesamt für archäologische Denkmalpflege holte aus der Erde eine zierliche mittelalterliche Scherbe. Sczech geht davon aus, dass sich im hinteren Teil des Grundstücks einmal ein Hinterhof befand. Bei der Scherbe könnte es sich um Haushaltsabfall handeln, so Dr. Sczech in einer ersten Analyse.

Auf dem Areal zwischen Lutherhaus und Schlosshotel will Günther Höpfner als privater Investor ein Wohn- und Geschäftshaus bauen. Der Hesse plant neben 30 altersgerechten Wohnungen und etwa 40 Tiefgaragenstellplätzen auch einen Erweiterungsbau für das Cottaische Renaissancehaus.

Die Erweiterung des Lutherhauses 11 ist ein wichtiger Schritt in Richtung des Reformationsjubiläums 2017. 1956 war es von der evangelisch-lutherischen Kirche in Thüringen erworben und als dauerhafte Luther- und Reformationsgedenkstätte eingerichtet worden. Seit 2006 betreibt es der Wartburg-Verlag. Doch das uralte Fachwerkhaus kommt immer wieder an die Grenzen, wenn es um Ideen für neue Ausstellungen geht. Die verwinkelten Räume ermöglichen kaum zeitgemäße Ansprüche an moderne Expositionen.

Lutherhaus erhält Erweiterungsanbau

Das soll jetzt anders werden. Mit einem verglasten Zwischenbau wird das alte Lutherhaus mit dem Erweiterungsbau verbunden. In dem Neubau sollen Sonderausstellungen, ein Mehrzweckraum, Toiletten, der Museumsladen und die Garderobe Platz finden. "Der historische Teil soll dann ausschließlich für die eigentliche Ausstellung genutzt werden", erklärt Barbara Harnisch, Geschäftsführerin des Wartburg-Verlags.

Probleme, weil unlängst bekannt wurde, dass das Lutherhaus der älteste Fachwerkbau Thüringens sein soll, sieht Harnisch nicht. Denn die Wand, durch die der Durchgang zu dem Neubau realisiert werden soll, stammt nicht aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. "Die Wand wurde schon einmal ersetzt", erklärt die Geschäftsführerin. "Sie besteht aus Industrieziegeln", fügt sie hinzu. Hingegen die Lutherstube aus der Zeit 1269/70 stammt. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands als Träger mietet das Erdgeschoss zunächst vom Investor an. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit des späteren Kaufs, sagt Höpfner.

Oberbürgermeister Matthias Doht (SPD) freut sich, dass in absehbarer Zeit das Lutherhaus einen Anbau bekommt. Seit 1996 suchten die Stadt und die evangelische Kirche nach Möglichkeiten einer Nutzung für diese Baulücke. Schon 2007 habe Matthias Doht bei einem Besuch zum Luther-Geburtstag in Eisleben das dortige Museum bewundert. "Ich habe damals gedacht, wenn wir 2017 einer der drei Standorte für die nationale Lutherausstellung werden wollen, ist ein attraktives Museum eine der Voraussetzungen dafür", erinnerte sich Matthias Doht gestern. Mittlerweile wird Eisenach im Jubiläumsjahr einer der drei Standorte für die nationale Ausstellung sein. Bereits 2015 soll im Lutherhaus schon die neue Dauerausstellung eröffnet werden.

Im vorderen Teil des Grundstücks sind die archäologischen Untersuchungen schon vor Jahren erfolgt. Für diese Flächen, so Günther Höpfner, liegt bereits eine Teilbaugenehmigung vor. Das Landesamt für Denkmalpflege wird den Erdaushub im hinteren Teil nun begleiten.


Katja Schmidberger / 30.03.12 / TA
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