Ausstellung auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden widmet sich der Hexerei
Porträt
Das Steinerne Haus, auch Hexenturm genannt, in Georgenthal diente einst als Gefängnis und Folterkammer. Foto. Heiko Stasjulevics
Ausstellung "Luther und die Hexen" auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden erinnert an die Gräuel der katholischen Inquisition. Im Landkreis Gotha ist das Steinerne Haus in Georgenthal ein wichtiges Zeitzeugnis.
Landkreis Gotha. "Das ist das Werk des Teufels!" Davon waren auch im Gothaer Land die Menschen vor 400 Jahren überzeugt, wenn eine Kuh starb oder ein Familienmitglied krank wurde. Panisch vor Angst beschuldigten Nachbarn vornehmlich Frauen, mit dem Satan im Bunde und verantwortlich für das Hexenwerk zu sein. Viele Zeitgenossen heutzutage vermuten, dass die katholische Inquisition die Hexenverfolgung durchführte. Weitgehend unbekannt ist, dass in protestantischen Gebieten, wie auch im Gothaer Land, auf dem Hirzberg im Amt Georgenthal, genauso die Scheiterhaufen brannten wie in katholischen. Selbst der Reformator Martin Luther forderte in seinen Predigten gemäß der Bibel: "Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen!" Diese Forderung wurde also auch in hiesigen evangelischen Gefilden aufgegriffen und führte zu Massenhinrichtungen. Etliche Richter und Amtmänner gingen mit unglaublicher Härte gegen die angeklagten Frauen vor. Zumeist wurden verheiratete Frauen aus ländlichen Gebieten angezeigt. Wer in die Fänge der Hexenjustiz geriet, hatte kaum Chancen zu entkommen. Die meisten wurden lebendig verbrannt, etliche totgefoltert. Oft führten Erbschaftstreitigkeiten oder Zwist zwischen Nachbarn zu todbringenden Anzeigen unter dem Deckmantel von Teufelsanbetung und Hexerei.
Aus heutiger Sicht, so Hartmut Hegeler aus Unna, der sich seit Jahren für die Rehabilitation der Opfer einsetzt, sind die verurteilten Frauen und Männer im Sinne der Anklage für unschuldig zu erklären. In Zeiten der modernen Naturwissenschaften sei jedem einsichtig, dass ein Mensch nicht auf einem Besenstiel zum Hexensabbat fliegen oder mit Zauberei Wetterkatastrophen und Krankheiten bewirken kann. Nie sind die Opfer der Hexenprozesse jedoch rehabilitiert worden, sie gelten bis heute als schuldig im Sinne der Anklage. "Nach 400 Jahren verdienen die Opfer der Hexenprozesse ihre Würde wieder zu bekommen." Dafür kämpft der Arbeitskreis Hexenprozesse. Diesem Thema widmet sich die viel beachteten Ausstellung "Luther und die Hexen" auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden. Angesichts des bevorstehenden Gedenkjahres "500 Jahre Reformation 2017" müsse dieses dunkle Kapitel der Geschichte des christlichen Abendlandes nach den Ansprüchen der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt endlich aufgearbeitet werden, erklärt Hartmut Hegeler. Die Ausstellung auf Schloss Wilhelmsburg erinnert daran.