ehr viel Interesse weckte Freitagabend die Eröffnung der Wettbewerbsausstellung im Neuen Museum. Sie ist bis zum 9. April zu besichtigen. Foto: Christin Scheide
Angekündigt war "die Präsentation des Gewinnerentwurfs" zum Bauhaus-Museum. Jetzt stehen vier Entwürfe zur Wahl. Darüber dürfen auch die Weimar jetzt disktutieren. Noch vor Ostern soll es ein Bürgerforum dazu geben.
Weimar. Als die Klassik-Stiftung ankündigte, das Preisgericht werde vor die Öffentlichkeit treten, hieß es: "Im Mittelpunkt wird die Präsentation des Gewinnerentwurfs stehen." Nun stehen da aber Entwürfe aus vier Architekturbüros. Denn einen Sieger des Wettbewerbs gibt es nicht. Über die Preisträger darf sich das interessierte Weimar jetzt eine Meinung bilden und diese auch kundtun: Kulturminister Christoph Matschie
kündigte an, es werde noch vor den Osterferien ein öffentliches Forum geben. Bereits Freitagabend zeigte sich, dass die Stadt Lust darauf hat. Mehrere hundert Besucher strömten ins Neue Museum, wo die Wettbewerbsausstellung eröffnet wurde. In dieser sind alle 27 Entwürfe zu sehen, die es in die Endrunde geschafft hatten. Sie entstanden in Berlin, Leipzig, Frankfurt/Main, Köln, Fulda, Kassel, Stuttgart oder Tübingen, aber auch in Rom und Genua, Amsterdam und Rotterdam, London oder Valongo. In der engeren Auswahl war auch der Entwurf des Lehrstuhls von Bernd Rudolf an der Bauhaus-Universität, der bereits bei der "summmaery" 2011 zu sehen war. Der Dekan der Fakultät Architektur verband darin das Niveau des Minol-Platzes mit dem des Parkes. Wenn er auch nicht prämiert wurde, steht der Entwurf für eine von zwei Fraktionen: Die eine will in den Park hineinbauen, die andere eher ein sichtbares Zeichen am Platz setzen. Zur ersteren gehört Johann E. Bierkandt. Mit dem 35-Jährigen erreichte zwar ein Entwurf aus Landau einen der zwei zweiten Plätze. Doch hat der gebürtige Kieler nicht nur in Weimar studiert und bei Gerd Zimmermann diplomiert. Aus privaten Gründen zieht er zudem ohnehin nächsten Monat nach Weimar zurück. Sollte ihn die Stiftung im Juni tatsächlich zu ihrem Architekten machen, wäre ihm das eine glückliche Fügung.
Bierkandt schlug oberiridisch neun einzelne Pavillons mit Werkstattcharakter vor, die unterirdisch untereinander und mit dem eigentlichen Museum verbunden sind. An einer Parkkante zu bauen, habe in Weimar Tradition, begründete er unserer Zeitung seinen Entwurf: Das Goethe-Schiller-Archiv und das Römische Haus seien Beispiele dafür. Einen klar begrenzten Museumsbau über fünf Etagen entwarf indes eine Architektin, die ebenfalls Weimarkenntnis besitzt: Heike Hanada aus Berlin (Jahrgang 1964), die einen der zwei dritten Preise errang, war 1999 bis 2006 Mitarbeiterin an Karl-Heinz Schmitz Lehrstuhl "Entwerfen und Gebäudekunde". Unter 1000 Bewerbern gewann sie 2007 den Wettbewerb zur Erweiterung der Asplund-Bibliothek in Stockholm. Alle vier noch in Rede stehenden Entwürfe werden indes das Stadtbild verändern. Das habe man so gewollt, sagte Oberbürgermeister Stefan Wolf
. Man wird also in jedem Fall auf ein Stück sowohl der Bertuch- als auch der Asbachstraße künftig verzichten und dafür eine neue Straße bauen müssen. Zudem werde man eine neue Zufahrt zur Tiefgarage der Weimarhalle brauchen, "die erhebliche Investitionen erfordert." Der Museumsstandort sei "einer der schwierigsten, die man in Weimar zur Verfügung stellen konnte", betonte der Chef des Preisgerichtes, Architekt Jörg Friedrich: Das Gauforum, das nahe Wohngebiet und die Altlasten unterm Boden der früheren Tankstelle führte er dabei an. Doch selbst Klassik-Präsident Hellmut Seemann, lange ein Verfechter des Theaterplatzes, ist "durch den Wettbewerb davon überzeugt worden, dass dies der richtige Standort ist".