Keine Alternative zum Haustarif

  • Der Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf (vorn) und Kultusminister Christoph Matschie bei der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung von Theater & Philharmonie Thüringen. Der Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf (vorn) und Kultusminister Christoph Matschie bei der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung von Theater & Philharmonie Thüringen.
Gespräch mit dem Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf über die Zukunft von Theater & Philharmonie Thüringen.
Herr Wolf, Sie sagen, dass die ab 2013 klaffende Finanzierungslücke am Theater Altenburg-Gera nur geschlossen werden kann, wenn die Beschäftigten auf 14 Prozent ihrer Gehälter verzichten. Gibt es keine bessere Lösung?

Eine bessere Lösung wäre es gewesen, im Rahmen eines sogenannten kulturellen Finanzausgleichs die Finanzierung des Theaters auf alle partizipierenden Landkreise, die im Einzugsbereich des Theaters liegen, auszudehnen. Das war jedoch auf Landesebene leider politisch nicht durchsetzbar. Daher sehe ich, so bedauerlich das ist, im Moment keine Alternative. Gäbe es eine bessere Lösung, wäre ich der erste, der dafür kämpft.

Zwar hat sich der Altenburger Stadtrat die Option offen gehalten, seinen Anteil an der Theaterfinanzierung notfalls zu erhöhen, doch ob auch die anderen Gesellschafter, also der Landkreis und die Stadt Gera, mitziehen würden, ist fraglich. Und über die Erhöhung der Einnahmen kann meines Erachtens ebenfalls keine Lösung erzielt werden, denn schließlich müssen die Theaterkarten erschwinglich bleiben.

Sie kritisierten die große Kluft zwischen der Bezahlung von Schauspielern und Musikern. Die Deutsche Orchestervereinigung wirft Ihnen vor, Sie entfachen damit eine Neiddebatte, was Sie selbst aber verneinen. Was wollten Sie denn bezwecken?

Ich bin froh, dass Sie das Thema ansprechen. Ich möchte nicht in die Tarifautonomie eingreifen und bedauere es, dass bei einigen dieser falsche Eindruck entstanden ist.

Aber eines muss klar sein: Als Oberbürgermeister der Stadt Altenburg werde ich mit aller Macht für den Erhalt des Schauspiels kämpfen. Für mich ist es unverständlich, dass, sollte es zu einem Stellenabbau kommen was ich nicht will ausgerechnet das Schauspiel geopfert würde. Schauspieler sind vergleichsweise schlechter bezahlt und leisten mit ihrer Arbeit dennoch einen unverzichtbaren Beitrag zur Belebung unserer Kultur und zur Wertevermittlung. Darüber hinaus erfüllt unser Schauspiel einen Bildungsauftrag, den ich keinesfalls missen möchte.

Welche Folgen hätte es, wenn der Haustarifvertrag in einen Flächentarifvertrag wechseln würde?

Dann haben wir zusätzlich zum strukturellen Defizit von einer Million einen weiteren Kostenzuwachs um 1,1 Millionen Euro. Diese 2,1 Millionen könnten demnach nur kompensiert werden, wenn das Orchester in Richtung auf 59 Stellen reduziert würde und Schauspiel und Puppentheater auf Null. Das möchten wir Gesellschafter mit einem Haustarifvertrag verhindern.

Stimmt es, dass Sie einen Stellenabbau beim Orchester begrüßen und dafür Kooperationen mit anderen Orchestern wie Jena und Rudolstadt favorisieren?

Ich unterstreiche nochmals, dass wir einen Haustarifvertrag anstreben. Sollte es zu einem Stellenabbau im Orchester kommen müssen, wäre es unverantwortlich, sich Kooperationen mit anderen Orchestern zu verweigern.

Sie selbst sind für eine Erhöhung der Zuschüsse an das Theater, schließen aber aus, dass die anderen Träger, die Stadt Gera und der Landkreis, da mitziehen würden. Wie können Sie sich da so sicher sein?

Ich schließe es nicht aus, ich interpretiere nur die bisherigen, mir bekannten Meinungsäußerungen.

Wo würden Sie das Geld her nehmen? Der städtische Haushalt Altenburgs lässt Ihnen nicht gerade großen Spielraum...

Wenn es erforderlich ist, gemeinsam etwas hinsichtlich der Theaterbezuschussung zu tun, würde ich Wege finden, dies auch umzusetzen.

Wie beurteilen Sie die Zukunft des Theaters mit seinen Standorten in Altenburg und in Gera?

Ich glaube fest an die Zukunft unseres Theaters. Ich kämpfe für einen Haustarifvertrag, er wäre das beste Mittel, um unser Theater zumindest bis 2016 als Fünf-Sparten-Haus zu erhalten.


Martin Gerlach / 28.03.12 / OTZ
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Kommentare
29.03.12 - 08:37
Kreisbeschäftigter
@altenburger Die meisten Beschäftigten des Landratsamtes nutzen die Arbeitgeberangebote und arbeiten nunmehr seit 8 Jahren "freiwillig" in Teilzeit und nehmen dadurch teilweise massive Gehaltskürzungen hin. Dies müssten sie nicht tun, machen es aber dennoch, weil es eben solidarisch ist! Auch bei den Kollegen von der Stadtverwaltung werden die Wochenstunden heruntergefahren, so dass weniger Gehalt ausbezahlt werden muss. Von daher braucht man sich glaube ich, nicht über einen Haustarifvertrag im Landratsamt bzw. der Stadtverwaltung zu unterhalten. Zumal dies momentan rechtlich gar nicht machbar wäre.
28.03.12 - 17:02
altenburger
Na gut, aber warum gibt es keinen Haustarif in der Stadtverwaltung bzw. im Landratsamt. Das wäre nur gerecht!
 
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