Leitartikel: Ein Amt nur für einen Mann

Dirk Löhr zur langen Liste der gescheiterten Kandidatinnen.
Seit am 12. September 1949 Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten gewählt wurde, sind Männer auf das höchste Staatsamt abonniert. Frauen kommen nur in Frage, wenn ihre Kandidatur keine Aussicht auf Erfolg hat.

Die Liste der letzten Jahre ist lang. 1994 schickte die FDP Hildegard Hamm-Brücher ohne Siegchance in die Bundesversammlung. 1999 waren es gleich zwei Frauen: Dagmar Schipanski auf Vorschlag der CDU und Uta Ranke-Heinemann für die PDS. Fünf Jahre später präsentierte die SPD Gesine Schwan, die 2009 noch einmal verlieren durfte.

Nach dem Rücktritt von Horst Köhler ging Luc Jochimsen 2010 für die Linke an den Start.

Alle Kandidatinnen blicken auf eine Lebensleistung zurück, die sie für das Amt der Bundespräsidentin befähigt. Leider scheint man das in den Parteizentralen erst dann zu merken, wenn es faktisch zu spät ist.

Merkwürdig, dass die Frauen unter diesen Bedingungen überhaupt in die Kandidatur einwilligen. Vielleicht ist die damit verbundene Ehre wirklich so groß und eine Ablehnung schlicht ausgeschlossen?

Beate Klarsfeld erklärte ihre Motivation zur Kandidatur mit dieser großen Ehre. Die entdeckte wohl auch Luc Jochimsen wieder. Hatte sie in den vergangenen Tagen noch zum Boykott der Bundesversammlung aufgerufen, tauchte die frühere Journalistin gestern plötzlich mit dem Armutsforscher Christoph Butterwegge als mögliche Kandidatin der Linken auf.

Zu verstehen ist das alles nicht mehr. Es wäre zu wünschen, dass die Linke dieses merkwürdige Schauspiel schnell beendet.


Dirk Löhr / 24.02.12 / TA
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