Neues Bauhaus-Museum: Öffentlichkeit soll mitdiskutieren
Porträt
Welches Bauhaus passt zu uns? Wie oft Hellmut Seemann (2.v.l.), Präsident der Klassik-Stiftung, Modelle eines neuen Bauhaus-Museums ins Weimarer Stadtpanorama eingepasst hat, vermag er gewiss nicht mehr zu sagen. Foto: Maik Schuck
Das Jury-Protokoll offenbart Stärken und Schwächen der vier Entwurfsarbeiten. Am Freitag lädt die Klassik-Stiftung Weimar zur öffentlichen Diskussion.
Weimar. Wie aufreibend, turbulent und kontrovers die dreitägige Jury-Sitzung im Architekturwettbewerb um das neue Bauhaus-Museum Weimar verlaufen ist, kann jetzt auch jeder Nicht-Fachmann anhand des Protokolls erahnen. Die redigierte Fassung des 22 Seiten langen Dokuments liegt in der Ausstellung der Entwürfe und Modelle im Neuen Museum Weimar bis Ostermontag aus. Aus der Lektüre wird nachvollziehbar, warum die 17 Preisrichter sich vor zwei Wochen auf keinen Wettbewerbssieger einigen konnte, sondern lediglich je zwei zweite und dritte Preise vergeben haben. Alle vier Architekturbüros haben konkrete Hinweise erhalten, ihre Entwürfe zu überarbeiten; sie konkurrieren nun im Rahmen eines sogenannten VOF-Verfahrens um den prestigeträchtigen Zuschlag. Ende Juni wird die Klassik-Stiftung als Bauherrin über die Vergabe entscheiden. Dass es vorher eine breite öffentliche Diskussion gibt, liegt allerdings dem Klassik-Präsidenten Hellmut Seemann ebenso wie dem Stiftungsratsvorsitzenden Christoph Matschie
sehr am Herzen. Dazu besteht diesen Freitag, 17 Uhr, im Audimax der Bauhaus-Universität Gelegenheit. Schließlich soll das neue Museum am Weimarhallenpark nicht nur einer Avantgardebewegung der klassischen Moderne huldigen, sondern auch das Antlitz des künftigen Weimarer Kulturforums prägen. Die Jury hatte in drei Wertungsrundgängen zunächst versucht, im Ausschlussverfahren die Wahl unter den 27 verbliebenen und bis zum Schluss anonymisierten Wettbewerbsarbeiten einzugrenzen. Zwei Mal jedoch wurden mehrere, bereits verworfene Entwürfe wieder zurück in den Wettbewerb geholt, darunter mit 9:8-Votum auch der Vorschlag des Landauer Architekten Johann Bierkandt, der schließlich mit einem zweiten Preis dotiert wurde.
Vor- und Nachteile sind abzuwägen
Bierkandt möchte das Areal zwischen Weimarhalle und ehemaligem Gauforum mit einem Ensemble aus neun schlicht anmutenden Pavillons besiedeln, die durch ihre Gleichberechtigung untereinander das differenzierte Ausbildungskonzept der historischen Bauhausschule symbolisieren und sich gegen den übermächtigen Quader des NS-Baukörpers absichtsvoll zurücknehmen. Aber eben dies mag zu heftigsten Kontroversen geführt haben. Lapidar vermerkt das Protokoll: "Der bewusst antiheroische Gestus wird in der Jury unterschiedlich bewertet."Die Jury lobt dagegen die gelungene Anbindung des Ensembles an den Park, eine verkehrsfreundliche Achsenbildung sowie die klare Formensprache und Verwendung bauhausadäquater Materialien. Allerdings könnte die insgesamt große Außenfläche auch den Unterhaltungsaufwand erhöhen, und das Nutzungskonzept müsste an die bauliche Form angepasst werden. Auch beim Entwurf der Kölner Architekten Krauss/Kursawe, die als Baukörper einen langgestreckten Riegel vorschlagen, wird eine unzureichende Flexibilität und zudem Schmalheit der Ausstellungsräume kritisiert. Hingegen fiel der zentrale Innenraum positiv ins Gewicht, obwohl roher Beton für alle Innenwände - um den Laborcharakter zu betonen - nicht auf einhellige Gegenliebe stieß. Die Verbindung von Stadt und Landschaft gilt als ein Pluspunkt, gerade weil die nördliche Vorstadt konsequent von der Innenstadt abgetrennt wird.
Für die Jury überzeugend ist die hohe Funktionalität in den öffentlichen Museumsbereichen: Eine "Treppe als Bühne" bildet das Herzstück, das Foyer erstreckt sich über zwei Ebenen und erlaubt eine leichte Durchquerung des Baus, sogar ohne Ausstellungsräume zu betreten. Eine "kraftvolle stadträumliche Präsenz" bescheinigt die Jury dem fünfgeschossigen Kubus, den Heike Hanada und Benedikt Tonnon, Berlin, entworfen haben. Er nehme einen Bezug zur Weimarhalle, nicht aber zum Gauforum auf, heißt es. Auch die Innengestaltung mit meist einläufigen Treppen und angeschlossenen Lufträumen findet ein positives Urteil: Das ermögliche eine spannende Wegeführung sowie vertikale Sicht- und Raumbezüge. Harsch kritisiert die Jury dagegen die äußere Erscheinung des monolithisch strengen Baukörpers: Die Fassade aus weißem polierten Beton "repräsentiert keinen Museumsbau und wirkt zu wenig öffentlich", vermerkt das Protokoll. Die drei gläsernen Kuben des Rotterdamer Büros bube/Bergmann finden viel Lob für ihre städtebauliche Disposition, indem sie den Park deutlich erweitern und sich luftig darin einfügen, sich jedoch zugleich von der Weimarhalle wie vom Gauforum klar absetzen. Die transluzenten - also lichtdurchlässigen - und "gestalterisch sensibel durchgebildeten" Hüllen bergen trotz ihrer zeitlosen Ästhetik indes auch den Nachteil, dass kostenträchtige Klimaprobleme in den Innenräumen entstehen könnten. In den Innenräumen gibt es eine klare Trennung zwischen Ausstellungs- sowie Funktionsbereichen und dem Schaudepot. Ein zweigeschossiges Atrium empfängt den Besucher freundlich, nur für die Anlieferung von Kunstgütern gebe es womöglich Schwierigkeiten, moniert die Jury. Auch die zitathafte Nähe zum Kirchner-Museum, Davos, wurde kritisiert. Keinen Aufschluss gewährt das Jury-Protokoll über die prospektiven Baukosten der vier Entwürfe. Das könnte am Ende ein k.o.-Kriterium sein. - Aber auch ohne schon ans liebe Geld zu denken, gibt's Gesprächsbedarf reichlich. Freitag, 17 Uhr, Audimax der Bauhaus-Uni Weimar
Neues Bauhaus-Museum: Öffentlichkeit soll mitdiskutieren
Kommentare
28.03.12 - 14:47
Bürger2
Bürger, waren sie denn schon in der Ausstellung? Kennen Sie denn die Ausschreibung?
27.03.12 - 12:27
Bürger
Städtebau? Schön und gut, ein wichtiges Museum für Weimar. Aber wie stellen sich die Herren Architekten und Juroren die weitere verkehrliche Anbindung vor? Einfach die Asbach/ Bertuchstraße abschneiden? Soll dann die Karl-Liebknecht-Straße wieder frei befahrbar sein? Ich gebe zu bedenken, dass in diesem Zusammenhang eine Lösung, die einzelne Straßenzuüge nicht zusätzlich belastet, gefunden wird und im Vorfeld des Zuschlages veröffentlicht wird. Weimars Stadtväter scheinen sowiso ein seltsames Verhältnis zum Thema "Verkehr" zu haben und sind hierbei alzu planlos.