Theater Eisenach steht vor dem Aus

  • Im Theater Eisenach existieren noch ein Ballett, eine Kapelle und ein Junges Theater, das Gesamtbudget beträgt knapp fünf Millionen Euro. Die größeren Produktionen werden von Meiningen aus bestritten. Archivfoto: Sascha Willms Im Theater Eisenach existieren noch ein Ballett, eine Kapelle und ein Junges Theater, das Gesamtbudget beträgt knapp fünf Millionen Euro. Die größeren Produktionen werden von Meiningen aus bestritten. Archivfoto: Sascha Willms
Das Theater Eisenach muss nach derzeitigem Stand zum Ende des Jahres schließen. Dies wurde gegenüber unserer Zeitung übereinstimmend aus der Landesregierung bestätigt. Bildungs- und Kulturminister Christoph Matschie (SPD) scheiterte am Dienstag mit einem Rettungsplan im Kabinett.
Erfurt. Danach sollte das Land ab 2013 den kommunalen Eigenanteil an der Finanzierung des Theaters in Höhe von zwei Millionen Euro aus dem Landesausgleichsstock übernehmen.

Die Union wies dieses Ansinnen zurück. Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) verwies darauf, dass die Regeln für den kommunalen Hilfsfonds Ende letzten Jahres zusammen mit dem Haushalt für 2012 geändert wurden. Seitdem könne aus dem sogenannten Landesausgleichsstock nur noch Geld für die Konsolidierung oder bei außergewöhnlichen Belastungen fließen.

Beides sei beim Eisenacher Theater nicht der Fall, sagte Voß unserer Zeitung. Trotz mehrfacher Ermahnungen seit Mitte vorigen Jahres habe die Stadt kein Haushaltssicherungskonzept vorgelegt, dass den Weg zu einer Gesundung der städtischen Finanzen aufzeige. Dies sei die Mindestvoraussetzung für die Gewährung von Finanzhilfen.

Voß warf Matschie und dem Eisenacher Oberbürgermeister Matthias Doht (SPD) zudem vor, das Problem verschleppt zu haben. "Es kann doch nicht sein, dass man das Thema kurz vor 12 entdeckt und dann auf eine Notlösung hofft." Dies sei "keine seriöse Politik".

Der Bildungsminister wies diesen Vorwurf scharf zurück. "Mir reißt langsam der Geduldsfaden", sagte Matschie unserer Zeitung. Wenn die CDU ihre Blockade nicht aufgebe, "wird das Theater abgewickelt". Spätestens bis zum 7. Mai müsse die Theaterstiftung handeln und die Kündigungen einleiten.

"Die Uhr tickt", sagte der Vize-Regierungschef. Falls es zur Schließung komme, bedeute dies den Bruch des Koalitionsvertrages, der die Erhaltung aller Theaterstandorte vorsehe. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) stehe hier "klar in der Pflicht".

Offenbar gibt es auch innerhalb der CDU Unstimmigkeiten. So sagte Voß, dass Eisenach "kein Einnahmeproblem" habe. Innenminister Jörg Geibert (CDU) erklärte hingegen, dass der Eisenacher Etat ein strukturelles Defizit von fünf Millionen Euro aufweise. Dies könne die Stadt aus "eigener Kraft nicht kompensieren", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme zu Matschies Vorstoß, die unserer Zeitung vorliegt.

Ähnlich argumentiert auch Oberbürgermeister Doht. Er verwies auf eine Arbeitsgruppe des Landes, die sich bereits seit Längerem mit den Problemen der Stadt beschäftigt. Das Gremium habe festgestellt, dass Eisenach kein seriöses Haushaltssicherungskonzept in absehbarer Zeit aufstellen könne. Das Eisenacher Theater ist seit 2009 nicht mehr eigenständig, sondern mit dem Meininger Theater über eine gemeinsame Stiftung verbunden.

In Eisenach existieren noch ein Ballett, eine Kapelle und ein Junges Theater, das Gesamtbudget beträgt knapp fünf Millionen Euro. Die größeren Produktionen werden von Meiningen aus bestritten.

Der Meininger Intendant Ansgar Haag bezeichnete den Koalitionsstreit als "Geplänkel" vor der Oberbürgermeisterwahl am 22. April. Er wolle sich nicht vorstellen, dass das Land die Stiftung platzen lasse, sagte er unserer Zeitung. Noch bleibe Zeit, bis die Kündigungen ausgesprochen werden müssten.

Die Kulturstiftung Meiningen-Eisenach

1997 gründeten die Stadt Meiningen, der Landkreis Schmalkalden-Meiningen und der Freistaat Thüringen eine Stiftung, um die wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt Meiningen unter einem Dach zu finanzieren. Neben den Museen der Stadt ging es dabei vor allem um die Rettung des traditionsreichen Theaters mit seiner einzigartigen Sammlung historischer Bühnenbilder.

An der Finanzierung beteiligen sich Stadt und Landkreis mit je 10 Prozent, das Land steuert die restlichen 80 Prozent bei.

2009 gelangte auch das Thüringer Landestheater Eisenach unter das Dach der Stiftung, die seitdem Kulturstiftung Meiningen-Eisenach heißt. Die Zugehörigkeit war bis 2012 befristet.


Martin Debes / 28.03.12 / TA
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Kommentare
28.03.12 - 19:37
Frank
@ beobachter habe das auch eher generell auf thüringen bezogen, nicht speziell auf eisenach. in anderen städten siehts ja auch nicht viel besser aus und es betrifft auch nicht nur theater sondern vielerlei kultureinrichtungen.
28.03.12 - 17:21
Beobachter
@frank: Das Eisenacher Problem ist aber nicht in erster Linie der Finanzbedarf des Theaters sondern die "Pleite" der Stadt insgesamt, die keinen Haushalt mehr auf die Beine stellen kann und deshalb neben vielen anderen Ausgaben auch den Eigenanteil am Theater nicht mehr bezahlen kann. Die Theaterfinanzierung ist nur die publikumsrelevante Spitze des Eisbergs.
28.03.12 - 16:31
Frank
die zuschauer- und besucherzahlen kultureller einrichtungen in thüringen sind seit jahren am sinken und damit natürlich auch wichtige einnahmen. wenn nicht noch ein paar touristen kommen würden, sähe es noch düsterer aus. das ist zum einen der demographischen entwicklung geschuldet, zum anderen allerdings auch dem veränderten alltag vieler leute. - stichwort niedrige einkünfte und viel arbeit. ist doch ganz einfach so, ins konzert, ins theater oder restaurant gehe ich, wenn ich mir keine gedanken machen muss, wie ich über den monat komme und jeden euro zweimal umdrehen muss bzw. auch die zeit dafür habe und nicht einfach nur froh bin, nach zig überstunden (ohne bezahlung)zu hause zu sein. desweiteren sind auch immer mehr ältere mitbürger, die in der regel die hauptzielgruppe kultureller einrichtungen darstellen, gar nicht mehr(oder nicht mehr so oft) in der lage, sich diese besuche und ausflüge leisten zu können. wer nur über eine hungerrente von vielleicht 600- 700 euro verfügt, gibt das geld wohl eher für wichtigere sachen aus, als für kulturelle erlebnisse. ich denke, so siehts wohl leider aus in unserem schönen thüringen.
28.03.12 - 13:35
Ralf
wer braucht denn noch kultur und theater?? es gibt doch jetzt "deutschland sucht den superstar", "germanys next topmodel" und andere kulturelle und bildende unterhaltung für unsere jugend ;-)
28.03.12 - 10:18
Isenächer
Parteiengeplänkel auf Kosten dutzender Mitarbeiter und ihrer Familien und einem traditionsreichen Theaterstandort...Man kann nur hoffen, dass nach den Wahlen wieder zukunftsgerichtete, sachgerechte Entscheidungen getroffen werden!
 
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