Theaterförderverein ruft zu Protestaktionen in Eisenach auf
Porträt
Im ungünstigsten Fall bleiben die Sitze im Theater Eisenach bald leer. Foto: Sascha Willms
Die Abgeordneten möchten das Theater in der jetzigen Form erhalten. Der Oberbürgermeister sieht keine Chance, das aus eigener Kraft zu schaffen. Es gibt eine große Resonanz auf den Aufruf des Fördervereins zur Protestaktion am Samstag.
Eisenach. "Wenn das Theater schließt, ziehe ich weg von Eisenach." Die Kunsterzieherin Elke Sommer (69) lebt seit sechs Jahren in Eisenach, kennt Aufführungen auf Bühnen in Baden-Baden, in Stuttgart und Karlsruhe und betont: "Eisenach ist kein Provinztheater." Sie will am heutigen Samstag gemeinsam mit vielen anderen zeigen, wie wichtig der Erhalt des Landestheaters ist. Der Theaterförderverein hat zum Protest aufgerufen. Treff ist 10 Uhr auf dem Theaterplatz. Von dort geht es über den Karlspatz und den Johannisplatz zum Frauenplan. Unterwegs wollen die Teilnehmer lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Am Bachdenkmal wird zu einer "stillen Fürbitte" eingeladen. Der Stadtrat verabschiedete am Freitag auf Antrag der Linken einen "dringenden Appell" an die Landesregierung, das Theater in seiner jetzigen Form zu erhalten. "Wir haben genug gespart - bis an die Grenze des Erträglichen, einschließlich des Verzichts auf rechtlich zustehende Tariferhöhungen der Theaterschaffenden", heißt es in der Resolution, die von Platz zu Platz gegangen ist, damit die Abgeordneten einzeln unterschreiben. Verwiesen wird außerdem darauf, dass "wir mit unserem Haushaltssicherungskonzept bereits an unsere Grenzen gestoßen sind". "Es ist eine bodenlose Frechheit, uns vorzuwerfen, dass wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben", sagte Oberbürgermeister Matthias Doht
(SPD) zu Beginn der Sitzung. Er zählte auf: Grund- und Gewerbesteuern sind mehrfach angehoben worden, Friedhofsgebühren und Garagenpacht gestiegen. Die Bürger müssen mehr zahlen für Kurse in der Musik- und Volkshochschule und für die Nutzung der Bibliothek. Der Eintritt in Museen ist teurer geworden, die Betreuung in Kindertagesstätten ebenfalls. Das gebührenpflichtige Parken ist ausgeweitet worden. "Ich sehe keine weiteren Möglichkeiten, unsere Einnahmen zu verbessern, ohne die Bürger noch mehr zu belasten", betonte der OB. Er verwies darauf, dass selbst eine Schließung des Theaters kostspielig wird. Grobe Schätzungen gehen von rund 13 Millionen Euro aus. Nach Ansicht von Doht ist die Landesregierung in der Pflicht zu helfen. Runde Tische seien "kein geeignetes Mittel". Damit nahm der OB Bezug auf den Vorschlag seines Herausforders Raymond Walk
(pl, für CDU), der ein solches Gremium unter Vorsitz des Präsidenten der Musikhochschule "Franz Liszt" ins Leben rufen will.
In einer am Freitag verbreiteten Erklärung hat Finanzminister Wolfgang Voß
(CDU) die Idee von Walk begrüßt. Gleichzeitig gab er den "schwarzen Peter" an Kultusminister Christoph Matschie
(SPD) ab. Offenbar habe das Fachministerium bei der Mittelverteilung die unterschiedliche Lage der kommunalen Theaterträger nicht mit bedacht, heißt es in der Mitteilung aus dem Finanzressort. Matschie indes spricht von der "Blockadehaltung" des Finanzministers. Er wird zur Ballett-Premiere am Samstagabend in Eisenach erwartet und will mit dem Intendanten, mit Mitarbeitern und Vertretern des Fördervereins sprechen. "Es wäre sehr bedauerlich, wenn die Eisenacher Theaterleute für Wahlkampfmanöver herhalten müssen", sagte der Präsident des Kulturrats Thüringen, Klaus Nerlich. Im Koalitionsvertrag sei der Erhalt aller Theater und Orchester in Thüringen niedergeschrieben.