Uniklinik Jena: 52-Jährige leistet Bundesfreiwilligendienst

  • Essenszeit: Gabriele Schmiedt bringt den kleinen Patienten das Mittag auf das Zimmer. Ist genügend Zeit, kümmert sie sich auch gern mal um die Kleinen, wenn deren Eltern nicht anwesend sind. Foto: Stefanie Bühlchen Essenszeit: Gabriele Schmiedt bringt den kleinen Patienten das Mittag auf das Zimmer. Ist genügend Zeit, kümmert sie sich auch gern mal um die Kleinen, wenn deren Eltern nicht anwesend sind. Foto: Stefanie Bühlchen
Die 52-Jährige Gabriele Schmiedt arbeitet an der Kinder- und Jugenklinik der Uni Jena als Bundesfreiwilligendienstlerin. Sie ist eine von insgesamt siebzig Bundesfreiwilligen, die derzeit am Universitätsklinikum arbeiten.
Jena. Putzen, Post holen, Proben ins Labor schicken Gabriele Schmiedt legt in einer Woche Arbeit garantiert mehrere Kilometer zurück. Die 52-Jährige ist eine von insgesamt siebzig Bundesfreiwilligen, die derzeit am Jenaer Universitätsklinikum (UKJ) arbeiten. Gabriele Schmiedt ist die gute Seele in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKJ. Und wie das so ist mit "guten Seelen", ist sie für all das Drumherum verantwortlich.

Ihr Arbeitstag beginnt 9 Uhr. Zuerst prüft sie, ob die Kühl- und Gefrierschränke, in denen die Medikamente lagern, die richtige Temperatur haben. "Das ist morgens mein Ritual", sagt sie. Dann beginnen ihre Gänge: Zuerst geht sie ins Labor, schaut, ob schon Testergebnisse vorliegen, die sie den Schwestern bringen kann. Danach geht s zum Briefkasten. "Ich liefere auch für die umliegenden Kliniken mit aus, ist ja kaum ein Umweg", sagt sie. Nicht, dass sie das machen müsste. Aber Gabriele Schmiedt kennt den Stress, den die Ärzte und Schwestern ohnehin schon haben. Da erleichtert sie mit dieser kleinen Geste gern deren Alltag. Gegen 12 Uhr teilt sie für die kleinen Patienten das Mittagessen aus. "Ist ein Kind ohne seine Eltern da, kümmer ich mich auch mal ein bisschen und bleibe beim Essen da", sagt sie. Aber natürlich nur, wenn es die Zeit zulässt.

Heute ist kein Kind ohne Eltern da, also bringt sie die Tabletts nur ins Zimmer. Dafür hat sie jetzt Zeit, einen Blick in die Spielecke im Wartezimmer zu werfen. "Da räume ich mehrfach auf am Tag", sagt sie. Im Moment aber ist auch dort noch alles ordentlich. Nur ein Plüschtier setzt sie auf den angestammten Platz zurück. Da es gerade ruhig ist, bietet sie einen Kaffee an. Schließlich will sie auch noch erzählen, wie sie überhaupt ans UKJ gekommen ist. Und mit ihren 52 Jahren gehört sie nicht zum Prototyp des "Bufdis". Gabriele Schmiedt ist gelernte Horterzieherin. Die gebürtige Seelowerin ist noch vor der politischen Wende nach Duisburg gezogen ihr Mann lebte dort und war Hausfrau. "2008 ist mein Mann verstorben", sagt sie. Da die Witwenrente nicht ausreichte, musste sie sich einen Job suchen.

Zuerst hat sie als Aushilfe bei einer Bäckerei gearbeitet. Doch es ging ihr nicht gut. Alles in Duisburg erinnerte sie an ihren Mann. Die Vergangenheit war immer präsent umso schmerzhafter war die Gegenwart. "Ich musste einfach raus, etwas Neues anfangen", sagt sie. Ihre Schwester, die in Jena lebt und selbst im Klinikum als Schwester arbeitet, hatte ihr vorgeschlagen, in die Saalestadt zu kommen. Von ihr kam auch die Idee, als "Bufdi" anzuheuern. Schließlich sei es in ihrem Alter und nach 23 Jahren Hausfrauendasein nicht so leicht, einen Job zu bekommen. Da ist sie Realistin. Gesagt, getan. Nach einem Bewerbungsgespräch hat sie am 1. Oktober angefangen. In der Kinderklinik ist sie mittlerweile angekommen. "Am Anfang war das nicht so leicht", sagt sie. Zu hektisch erschien ihr der Klinikalltag. Doch mit der Routine kam schließlich auch die Ruhe.

Nun hofft Gabriele Schmiedt, auch nach ihrer "Bufdi-Zeit" in der Kinderklinik arbeiten zu können. "Wenn man gute Arbeit leistet, kann man ja vielleicht irgendwie da reinrutschen", sagt sie. "Also, ich will mich natürlich nicht in den Himmel loben", schiebt sie gleich hinterher. Doch sie bekomme ja mit, wie viel die Schwestern so zu tun haben. Wenn die dann auch noch ihre Arbeiten machen müssten, wäre "ganz schön Betrieb". Das habe sie gemerkt, als sie mal für ein paar Tage Urlaub hatte. Auch ihre Familie hat sich mittlerweile in Jena gesammelt: Ihre Mutter ist nach dem Tod ihres Mannes von ihren beiden Töchtern nach Jena geholt worden. "Meine Schwester hat auch ihren Partner verloren ich lebe mit ihr in einer Wohnung, die Mama nebenan. Das ist schon toll", sagt sie. Nur ihre zwei Söhne vermisse sie. "Die wollen aber nicht nach Jena kommen, sie haben beide ihr Leben in Duisburg. Mit Freundin und Job und so." Jetzt allerdings muss sie nochmal ins Labor, eine Probe wegbringen. Dann aber ist Feierabend.


Stefanie Bühlchen / 10.05.12 / TLZ
Z82C5AB260470
Canonical URL
Kommentare
 
zum Thema
aktuelle Nachrichten
aktuelle Videos
Fotoserien aus Thüringen