Wahlkampfauftritt in Eisenach wird zur Diskussion ums Theater
Porträt
Kurz vor Beginn der Diskussionsrunde mit dem Finanzminister im Kunstpavillon gab es nur noch Stehplätze. Rund 100 Menschen waren gekommen. Sie interessierten sich vor allem für ein Thema: Hilft die Landesregierung dem Theater Eisenach oder nicht? Foto: Sascha Willms
Der Thüringer Finanzminister blieb am Donnerstagabend in Eisenach hartnäckig und erntete Widerspruch aus der eigenen Partei. Heftige Zwischenrufe begleiteten den Wahlkampfauftritt im Kunstpavillon.
Eisenach. Einer Welle des Protestes sah sich am Donnerstagabend Finanzminister Wolfgang Voß
(CDU) bei seinem Auftritt im Kunstpavillon gegenüber. Angetreten zur Unterstützung von Raymond Walk
, parteiloser Kandidat der CDU für das Amt des Oberbürgermeisters, entwickelte sich schnell eine emotionale Debatte über die Zukunft des Eisenacher Landestheaters. Tänzer und Musiker hatten extra ihre Hauptprobe für die Ballettpremiere am Samstag vorverlegt, um Voß mit Fragen zu löchern. Dieser blieb aber hartnäckig bei seiner Aussage, dass die Stadt Eisenach ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Seit Mitte letzten Jahres sei ein Konzept zur Haushaltskonsolidierung gefordert, aber nie vorgelegt worden. Dieses sei aber die Voraussetzung dafür, Gelder aus dem Landesausgleichsstock zu erhalten, der ein Nothilfetopf für alle Kommunen ist. Der Finanzminister betonte, sich nicht unter Druck setzen zu lassen nach dem Motto: "Wenn ich die zwei Millionen nicht rausrücke, bin ich hier der Trottel". Man müsse sich die genauen Gründe ansehen, warum Eisenach trotz ähnlich hoher Einnahmen wie andere kreisfreie Städte so ein hohes Defizit hat, sagte der Minister. Auf die Frage, zu welchem Ergebnis denn die interministerielle Arbeitsgruppe gekommen sei, die sich bereits seit Längerem nur mit Eisenachs Finanzproblemen befasst, antwortete er: "Wir sind noch am Arbeiten". Stadtrat Dieter Suck (CDU) betonte, dass die Stadt sehr wohl ihre Hausaufgaben gemacht hat. So seien Gewerbe- und Grundsteuern dreimal erhöht worden. Mehr sei den kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht mehr zuzumuten. Ansonsten wandern sie in den Wartburgkreis ab, wo die Hebesätze niedriger sind. Auch das Theater habe bereits bluten müssen, Schauspiel, Chor und Solosänger sind abgebaut, das Orchester verkleinert worden. "Wir haben zwei Sicherungskonzepte hinter uns. Wenn wir jetzt weiter streichen müssen, dann hisse ich meine weiße Damastbettwäsche am Rathaus", machte sich der Abgeordnete Luft. Einen Grund für die Misere seien die immens gestiegenen Sozialausgaben.
"Wir haben über Jahre Streichungen erfahren", argumentierte Ballettchef Andris Plucis. Trotz sparsamster Mittel werde ein hochwertiges Angebot produziert, das viele Zuschauer anlockt. Er habe zwar vom Minister finanzbürokratische Argumente gehört, aber Politik sei doch mehr als das, sie müsse gestalten. Dem stimmte Voß zu, um dann zu betonen: Wenn man in seinem Ressort nicht fündig werde, "könne man ja noch einmal den zuständigen Fachminister fragen". Also Christoph Matschie
, der wie Eisenachs Oberbürgermeister der SPD angehört. "Wir wollen keine Almosen, sondern eine Hilfe für eine Übergangszeit", betonte Kapellmeister Seth Taylor. Die Finanzierung des Theaters ist bis zur Spielzeit 2012/2013 gesichert. Jetzt geht es um die Jahre 2013 bis 2016.