Chinesen wollen Thüringer Solar-Firmen aufkaufen

  • Während man in Deutschland die finanzielle Förderung von Solarstrom in großen Schritten zurückfährt, macht China knallharte Industriepolitik. Foto: Alexander Volkmann Während man in Deutschland die finanzielle Förderung von Solarstrom in großen Schritten zurückfährt, macht China knallharte Industriepolitik. Foto: Alexander Volkmann
Nach dem Einstieg beim Arnstädter Hersteller Sunways erwarten Experten weitere Übernahmen.
Erfurt. Chinesische Solar-Unternehmen wollen bei der Thüringer Konkurrenz einsteigen und diese zu möglichst billigen Preisen übernehmen. Nach einer Mehrheitsbeteiligung beim Arnstädter Produzenten Sunways sind weitere angeschlagene Firmen im Visier der chinesischen Solarkonzerne, befürchten Branchen-Experten. Sunways, das seinen Stammsitz in Konstanz hat und in Thüringen 136 Mitarbeiter beschäftigt, war wirtschaftlich unter Druck geraten. Kürzlich wurde die Firma vom staatlich gesteuerten chinesischen Hersteller LDK Solar mehrheitlich übernommen.

"Das Ziel der Chinesen ist es, möglichst billig an deutsche Spitzentechnologien zu kommen und diese für eine florierende Massenproduktion zu nutzen. Am Ende wollen sie den Weltmarkt beherrschen", sagte Peter Frey als Chef des Netzwerkes Solarvalley Mitteldeutschland gegenüber unserer Zeitung. Detaillierte Angaben über mögliche Übernahmekandidaten wollte er nicht machen.

Während man in Deutschland die finanzielle Förderung von Solarstrom in großen Schritten zurückfahre, mache China knallharte Industriepolitik. "Immerhin ist der chinesische Konzern LDK selbst mit Milliarden verschuldet. Das stört aber in China keinen und wird mit Staatsgeldern abgefangen. Die denken eben langfristig", sagte Frey. Auf diese Weise flössen die Ergebnisse jahrelanger deutscher Forschung direkt in das Reich der Mitte ab.

Die Ursachen für die wirtschaftlichen Probleme ostdeutscher Solarhersteller sind Überkapazitäten für Solarkomponenten auf dem Weltmarkt. Daher brechen die Preise pro Jahr um bis zu 20 Prozent ein. Dies führt zu einer zunehmenden Dominanz der staatlich subventionierten Chinesen. Schon heute ist der Anteil chinesischer Solarmodule in Deutschland auf 80 Prozent angewachsen.

Als Folge des Drucks aus China gingen in den vergangenen Monaten bereits viele deutsche Hersteller in die Insolvenz. Zu ihnen gehörten einstige Spitzenunternehmen wie Q-Cells aus Bitterfeld, Global Solar Energy aus Berlin, Solarwatt aus Dresden oder Sovello aus Thalheim. Die Chinesen übernahmen das Bitterfelder Unternehmen Solibro und kauften die beiden insolventen Berliner Solarfirmen Soltecture und Global Solar Energy samt Ausrüstung günstig.

Vor diesem Hintergrund macht sich Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) dafür stark, die Thüringer Solarbranche vor "unfairem Wettbewerb" zu schützen. So sollten Fördergelder fließen, um einen gewissen Anteil heimischer Solarprodukte auf deutschen Dächern per Gesetz zu garantieren, fordert Machnig. "Wer die Energiewende voranbringen will, muss sich für die Sicherung der eigenen Solarbranche stark machen", sagte Machnig gegenüber unserer Zeitung. Sollten weitere Investoren in Thüringen Firmen aufkaufen, dann müssten strenge Regeln gelten: "Wenn Chinesen einsteigen, dann erwarte ich ein langfristiges Engagement. Es darf nicht nach der Formel gehen: Knowhow und Patente abgreifen und weiterziehen."

Der Aufstieg zum Solarland Thüringen:

Heute arbeiten 8200 Beschäftigte in den etwa 50 Unternehmen der Thüringer Solarbranche. Dabei handelt es sich um Hersteller von Solarzellen ebenso wie um Zulieferer, die Steuertechnik oder Metallkonstruktionen liefern. Der Jahresumsatz der Betriebe  hat im Freistaat etwa eine Milliarde Euro erreicht. Thüringer Solarfirmen decken die gesamte Wertschöpfungskette ab. Die Firmen reichen von leistungsfähigen kleinen und mittleren Unternehmen bis zu international agierenden Konzernen. Das Land verfügt über eine breite Forschungslandschaft an den Standorten Ilmenau, Gera, Jena und Erfurt.

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Dietmar Grosser / 09.08.12 / TA
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Kommentare
09.08.12 - 23:53
Peter
Bei einem Investor aus Israel,müssten sich die männlichen Mitarbeiter beschneiden lassen,also Daumen(oder mehr)drücken !!!
09.08.12 - 10:45
Joberma
Pioniere haben Sonne, Wind und Wasser über jahrzehntelange Arbeit nutzbar gemacht. Am Anfang wurden sie dafür noch belächelt. Akutelle Politik kann nicht verhindern, dass dieser Vorsprung in nur einer Legislaturperiode tiefe Risse bekommt. Das ist nicht zum Lächeln sondern zum Weinen.
 
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