Blick auf den Intershop-Turm Jentower mit gespiegelten Sonnenstrahlen im Nebel: Intershop will Wettbewerber schocken
Ludwig Lutter, Finanzvorstand des Jenaer Unternehmens Intershop, spricht über Rekordergebnis, Sponsoring für den FC Carl Zeiss Jena und die Aussichten für dieses Jahr. Über Ebay's Absichten spricht er nicht.
Wie schätzen Sie den Geschäftsabschluss ein?Im Herbst hatten wir bereits prognostiziert, dass wir stärker wachsen als erwartet. Dass wir noch eine Schippe drauf legen konnten, ist sehr erfreulich. Worauf fußt der Erfolg?Auf allen Bereichen. Das Beratungsgeschäft lief besser als erwartet. Wir haben mehr Lizenzen verkauft als kalkuliert. Und auch das Full-Service-Geschäft gewinnt an Fahrt. Wie wollen Sie in diesem Jahr daran anknüpfen?
Ludwig Lutter, Finanzvorstand des Jenaer Unternehmens Intershop.
Wir haben die weltweit führende E-Commerce-Lösung gebaut, die die Produkte der Konkurrenz um Längen schlägt und die Wettbewerber schocken wird. Wir wollen die Neuheit auf der Cebit präsentieren. Im Laufe des Jahres stellen die ersten Kunden ihre Verkaufsplattformen auf die neue Version um, dann kann sich die Welt von den Verbesserungen überzeugen. Was macht Sie so sicher, dass Ihr Produkt so gut ist?Das beruht auf unseren Vergleichen, aber auch auf den Einschätzungen der Kunden und Analysten. Unsere Lösung bringt eine große Zeitersparnis für den Betreibenden, den wir Shopmanager nennen, mit sich. Er kann spontan auf Markterfordernisse reagieren und muss nicht mehr bei seiner Entwicklungsabteilung anfragen, ob sie mal eben eine Lösung dafür programmieren kann. Das beschleunigt das Online-Geschäft erheblich und ist im Segment der großen Onlineeinzelhändler einmalig. Was hat der Endkunde davon?Er wird zielgenauer bedient und findet schneller genau die Produkte, die er sucht. Das wiederum ist besser für unsere Kunden, die von 1500 neuen Funktionen profitieren. Hunderte Entwickler haben daran gearbeitet. Entlassen Sie nun nach erledigter Arbeit wieder Entwickler?Auf keinen Fall. Zum einen will eine solch große Lösung ausgerollt werden. Zum anderen gilt der Spruch: Wer rastet, der rostet. Wir werden uns nicht auf dem Erfolg ausruhen. Den Vorsprung, den wir gegenüber den Konkurrenten haben, wollen wir weiter ausbauen. Im übrigen haben wir nicht nur auf unsere eigenen Entwickler zurückgegriffen, sondern auch Kapazitäten unserer Großkunden im Rahmen der strategischen Partnerschaft genutzt. Auf ein solches Potenzial kann keiner unserer Wettbewerber zurückgreifen. Wie entwickelt sich die Mitarbeiterzahl?Wir werden weiter wachsen, aber in geringerem Maße als im Jahr 2011, in dem wir 111 Mitarbeiter eingestellt haben. Wachsen die Erlöse weiter?
Für 2012 gehen wir von einer Umsatz- und Ergebnissteigerung von 10 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Darin ist bereits berücksichtigt, dass wir das erste Quartal wegen der hohen Markteinführungskosten voraussichtlich negativ abschließen werden. Wieviel geben Sie für die Markteinführung aus?Die Summe kommunizieren wir nicht, aber sie ist groß und notwendig. Es reicht nicht, das führende Produkt zu haben und keiner weiß davon. Diesen Fehler haben wir vor vier, fünf Jahren gemacht und werden ihn nicht wiederholen. Neuerdings sitzt ein Ebay-Manager im Aufsichtsrat. Wie lange ist Intershop noch eigenständig?Vielleicht fragen Sie ihn mal. Wir führen derzeit keine diesbezüglichen Gespräche. Spricht etwas dafür, den Standort Jena zu verlassen?In keinster Weise. 70 Prozent unserer Belegschaft kommt aus Jena. Außerdem profitieren wir sehr von der Nähe zu den Hochschulen. Jena bleibt Intershop und Intershop bleibt Jena. Heißt: Intershop wird seine neue Firmenzentrale in Jena bauen?Wir wollen das zumindest und verspüren auch große Unterstützung bei den Stadtratsfraktionen. Wir wollen im größtmöglichen Konsens bauen und nicht am Bürgerwillen vorbei. Ein solches Objekt wäre frühestens 2014/15 einzugsfertig. Sie wollten auch beim FC Carl Zeiss Jena werben. Was ist daraus geworden?Wir sind in Gesprächen mit dem Verein und wollen uns in naher Zukunft engagieren. Zunächst setzen wir aber auf die Produktwerbung, um unsere Neuheit in den Markt einzuführen. Wann zahlt Intershop eine Dividende?Die rechtlichen Voraussetzungen verbieten derzeit die Ausschüttung einer Dividende. Wir rechnen nicht damit, im Jahr 2012 dividendenfähig zu werden. Im Interesse der Aktionäre setzen wir darauf, die Marktstärke von Intershop weiter auszubauen. Aktuell liegt unser Anteil weltweit bei ein bis zwei Prozent. Wir sehen riesiges Potenzial. Mittelfristig wollen wir einen zweistelligen Wert erreichen.Intershop konkret:
Der Umsatz von Intershop stieg 2011 im Vorjahresvergleich um 29 Prozent auf 49,2 Millionen Euro.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wuchs um 17 Prozent auf 2,6 Millionen Euro.
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