Machnig: Wir brauchen eine andere Lohnpolitik

  • Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sprach sich am Mittwoch für mehr Mitbestimmung und bessere Entlohnung der Arbeitnehmer aus. Foto: dapd Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sprach sich am Mittwoch für mehr Mitbestimmung und bessere Entlohnung der Arbeitnehmer aus. Foto: dapd
Am Mittwoch ist Matthias Machnig (SPD) einmal mehr nicht Wirtschafts-, sondern Arbeitsminister gewesen. Zur Vorstellung des DGB-Index Gute Arbeit, den das Ministerium von der Friedrich-Schiller-Universität für Thüringen erstellen ließ, gab es Zahlen, die der Minister düster interpretierte: Wir brauchen eine andere Lohnpolitik, sagte er.
Erfurt. Eine solche Forderung sei auch kein "Sozialklimbim", sondern knallharte Standortpolitik.

Die zunehmende Alterung der Bevölkerung bringe einen verstärkten Wettbewerb um Fachkräfte - da könne Thüringen nicht wie früher damit punkten, dass die Löhne hier besonders niedrig seien, sagte er. So empfinden 64 Prozent der befragten 903 Thüringer Arbeitnehmer, dass ihr persönliches Einkommen unter dem liege, was sie im Westen verdienen würden. Weitere 20 Prozent empfinden immerhin teilweise so. 38 Prozent würden gerne woanders arbeiten, seien aber durch ihre Lebensumstände - Familie etwa - daran gehindert. Das, so Machnig, seien "gefährliche Werte". Trotzdem identifizierten sich mit ihrem Betrieb fast 80 Prozent der Angestellten - und 96 Prozent schätzten ihre Kollegen.

Besonders hoch sei die Bereitschaft abzuwandern allerdings bei jüngeren Menschen und solchen mit Hochschulabschluss. Dabei seien das jene, die es zu halten gelte. Das aber liege nicht nur am Einkommen, sondern auch an teils fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten. Hier musste der Minister allerdings einräumen, dass die teilweise auch den in Thüringen eher geringen Betriebsgrößen geschuldet seien. Auf der anderen Seite zahlten kleine Unternehmen in anderen Ländern auch besser als hierzulande. Dennoch sei es natürlich illusorisch, einfach anzunehmen, man werde hier in drei oder vier Jahren auf Münchner Niveau angekommen sein.

"Knallharte Standortpolitik"

Machnig forderte Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, zusammen für eine höhere Qualität der Arbeit zu kämpfen. In den vergangenen zwei Jahren sei auch bereits eine Menge passiert - etwa durch das neue Vergabegesetz, die Begrenzung von Investitionsförderung bei Firmen, die mit einem zu hohen Anteil von Leiharbeitern tätig sind, oder der Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung. Ebenso sei im Bereich der Betriebsratsgründungen eine Menge passiert, lobte Thüringens DGB-Chef Stefan Körzell. Betriebsräte könnten sich gewinnbringend einbringen - vormals skeptische Unternehmer, so Machnig, hätten ihm das bereits bestätigt.

Der Verband der Wirtschaft Thüringens (VWT) wollte die Ergebnisse der Studie hingegen nicht überinterpretieren: Es müsse nicht suggeriert werden, dass Thüringen das letzte Land sei. Man habe eine überdurchschnittliche Beschäftigungsquote bei Frauen, eine der besten Kinderbetreuungsquoten überhaupt und in vielen Betrieben mit weniger als 30 Beschäftigten brauche es schlicht keinen Betriebsrat - da fasse man die Dinge einfach ohne eine solche Institution an, sagte Sprecherin Inge Schubert. Allerdings nähmen noch immer viele Menschen an, dass es in Thüringen zu wenige Stellen gebe. Tatsächlich gebe es weniger Stellen in Forschungsabteilungen als anderswo - und damit auch weniger Hochlohn-Arbeitsplätze.

Einig sind sich Ministerium, DGB und VWT darin, dass mehr Beschäftigte in die Tarifbindung sollen: "Nur 23 Prozent der Unternehmen und 44 Prozent der Beschäftigten sind tarifgebunden", so Machnig. Das sei zu wenig und müsse mehr werden.


Florian Girwert / 29.03.12 / TLZ
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Kommentare
29.03.12 - 16:10
paul august
.....und dies verlangt ein Mitglied von der Arbeiterverräterpartei SPD, selbige dies alles zu vertreten hat. Wer hat denn die Genehmigungen zum Gelddrucken der Ausbeuter gegeben durch seine Minischop's, Arbeiterhädlerbüros und, und......,doch nicht die CDU die ja so christlioch ist, oder?
 
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