Thüringer Solarfirmen fordern Schutz gegen unfairen Wettbewerb

  • Der Jenaer Hersteller Schott Solar hat auf die veränderten Marktbedingungen, insbesondere auf den rasanten Preisverfall in einigen Segmenten, reagiert und zieht sich schrittweise aus der kristallinen Fotovoltaikproduktion zurück. Foto: Alexander Volkmann Der Jenaer Hersteller Schott Solar hat auf die veränderten Marktbedingungen, insbesondere auf den rasanten Preisverfall in einigen Segmenten, reagiert und zieht sich schrittweise aus der kristallinen Fotovoltaikproduktion zurück. Foto: Alexander Volkmann
Wegen chinesischer Billigpreise droht vielen Unternehmen das finanzielle Aus. Ein zusätzlicher Druck entsteht durch den Rückgang der staatlichen Förderung.
Thüringen. Die Thüringer Solarbranche läuft Sturm gegen den aus ihrer Sicht unlauteren Wettbewerb chinesischer Konkurrenten. Und sie steht nicht allein: 25 Solarunternehmen aus Deutschland, Spanien, Italien und anderen EU-Ländern haben unter dem Namen "EU ProSun" eine Antidumpingklage bei der EU-Kommission in Brüssel eingereicht.

Sie fordern Schutzmechanismen gegen den unfairen Wettbewerb der chinesischen Anbieter. Denn immer mehr Firmen beginnen zu wanken, weil sie dem Preisdruck nicht mehr standhalten können.

Doch die Asiaten sind nicht der einzige potenzielle Totengräber für Solarbetriebe und Zulieferer, die sich nach der Wende gerade im Osten Deutschlands eine Nische gesucht und Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen haben.

Während die traditionell starken Industrieregionen Westdeutschlands über alteingesessene Strukturen und sichere Märkte verfügten, so war man im Osten aus Mangel an Alternativen auf der Suche nach innovativen Branchen. Mitteldeutschland entwickelte sich zu einer der führenden Regionen der Welt, in denen Solarkomponenten entwickelt, gebaut und vertrieben wurden.

Anfänglich großzügig durch das Gesetz für erneuerbare Energien subventioniert, versprach die Solarbranche dauerhaft traumhafte Umsätze. Spätestens mit den ersten Kürzungen begannen die Thüringer Träume von einer heilen Solarwelt zu verfliegen, setzte der Katzenjammer ein.

Hinzu kam, dass einige alte Bundesländer die Thüringer bei politischen Abstimmungen zum Thema Solarförderung sehr oft im Regen stehen ließen. Dabei finanziert Thüringen Ländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein den Solarstrom mit. Im letzten Jahr flossen allein im Bereich der Fotovoltaik 86 Millionen aus Thüringen in die Kassen der westdeutschen Spitzenreiter in der Solarnutzung ab.

Beim Einspeisen von Solarenergie pro Kopf bewegt sich Thüringen im hinteren Drittel der Bundesländer. Aus diesem Grund zahlen die ganz normalen Thüringer Stromkunden als zusätzliche Belastung für erneuerbare Energien mehr in die gemeinsame Kasse ein, als im eigenen Bundesland an Subventionen für Solaranlagen im Gegenzug verbraucht wird.

Wie auch immer: Das Hin und Her um die Höhe und die zeitlichen Schritte der Solarkürzungen verhinderte Investitionen und ließ die Verbraucher immer wieder in einer Panikaktion "schnell noch ein paar Solarzellen aufs Dach montieren", wie Insider kritisieren.

Die Thüringer Solarbranche hatte verlässliche Rahmenbedingungen angemahnt und die ständigen Veränderungen an den Förderkriterien massiv kritisiert. So gebe es für die Unternehmen keine Planungssicherheit. Jetzt stehen viele Betriebe im Freistaat vor der Aufgabe, weil sie ihre Produkte langfristig und zu einem fairen Preis nicht mehr absetzen können.

Um die deutschen Firmen zu sichern, will Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) Solarmodule eigener Hersteller fördern. Voraussetzung sei, dass diese beim Bau von Solaranlagen eingesetzt werden, sagte er.

Eine solche Zulage diene dem Schutz deutscher Modulhersteller. In den vergangenen vier Jahren sei deren Marktanteil von 70 auf 23 Prozent zurückgegangen.

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Dietmar Grosser / 09.08.12 / TA
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Kommentare
13.08.12 - 19:59
Hans Schmidt
Ich möchte für die Bauwirtschaft auch Subventionen. Mindestens 25% für jedes erstellte Projekt.
09.08.12 - 11:23
Stromverbraucher
Sofort alle Subventionen und das EEG streichen. Wir haben zur Zeit eine uheimliche Marktverzerrung durch diese kommunistischen Maßnahmen. Wenn die Solarbranche nicht klar kommt, dann Schluss damit. Der Endverbraucher will jedenfalls keine Industrie künstlich am Leben erhalten. Übrigens subventioniert auch China nichts mehr, die haben eingesehen, dass das keine relevante Zukunftszechnologie mehr ist und rechnen mit einer massiven Marktbereinigung innerhalb Chinas selbst. Uneffizienter Schrott bleibt eben Schrott.
 
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