Erfurt. 1973 zeigt Elvis Presley noch einmal, warum er „The King“ genannt wird. Christian Werner über das Album „Aloha from Hawaii via Satellite“.

Die Beatles hatten es sechs Jahre früher vorgemacht: Mindestens 400 Millionen Zuschauer sahen 1967 in „Our World“, der ersten weltweit per Satellit ausgestrahlten Fernsehsendung, die Premiere des Songs „All you need is Love“.

Für das erste per Satellit ausgestrahlte Konzert soll jedoch ein politisches Medienspektakel per Weltraum-Schalte Pate gestanden haben: Der Besuch von US-Präsident Richard Nixon im Januar 1972 in China.

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Als Elvis Presleys berüchtigter Manager Colonel Tom Parker die Bilder von Nixon in Peking sah, war die Idee eines weltweit übertragenen Konzerts geboren. Ein Jahr später, am 14. Januar 1973, steht der sogenannte King of Rock’n’Roll in der Honolulu International Center Arena für eine Stunde auf der Bühne – vor den Augen der Welt. Die Show und alle nachgelagerten Vermarktungsformate firmieren unter einem Namen: „Aloha from Hawaii via Satellite“.

Einschaltquoten von mehr als 50 Prozent

Die Live-Bilder werden nach Asien und Ozeanien übertragen, Europa folgt einen Tag später, in den USA wird die Show erst im April gezeigt, um nicht mit dem Superbowl und der Vermarktung eines anderen Live-Albums von Elvis zu konkurrieren. Am Ende wird es ein Erfolg: eine Milliarde Menschen sollen die Show in mehr als 40 Ländern gesehen haben. Allein in den USA lagen die Einschaltquoten bei mehr als 50 Prozent.

Das Cover des Albums „Aloha from Hawaii via Satellite“ von Elvis Presley.
Das Cover des Albums „Aloha from Hawaii via Satellite“ von Elvis Presley. © Legacy Recordings/Sony

Das Doppel-Livealbum, das aktuell zum 50. Jubiläum in einer Neuauflage veröffentlicht wird, verkauft bei seiner Erstveröffentlichung rund fünf Millionen Einheiten und wird ein Nummer-eins-Hit für Elvis Presley – das erste Mal seit einer knappen Dekade.

Injektionen mit dem Urin einer Schwangeren

Die Plattenfirma ist von der Idee eines vollständig per Satellit übertragenen Konzerts – es sollte immerhin eine der damals teuersten TV-Produktion werden – anfangs nicht begeistert und engagiert sicherheitshalber den TV-Experten Marty Pasetta. Der will, dass sich Elvis auf der Bühne wieder mehr bewegt und verordnet dem Musiker eine strenge Diät: die Pfunde müssen runter. Elvis lässt sich darauf ein, angeblich gehören auch Injektionen mit dem Urin einer schwangeren Frau zum Prozedere.

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Die Maßnahmen schlagen an: Auf Hawaii passt Elvis perfekt in seinen weißen Einteiler, dem optischen Markenzeichen seiner späten Bühnen-Jahre.

„Aloha from Hawaii“ wird einer der letzten großen künstlerischen Erfolge von Elvis. Das Bühnenoutfit und die Set-List lassen schon die etwas behäbigeren folgenden Jahre bis zum Tod 1977 erahnen. Trotz eigener Hits wie „Blue Suede Shoes“, „Hound Dog“ (die allerdings nur angeteasert werden) und Cover-Versionen wie Chuck Berrys „Johnny B. Goode“ ist es keine Rock-Show, sondern ein eher gediegenes Konzert, bei der der große Sänger aber noch einmal mit seiner Stimmkunst brilliert.

Cover von Country- und Beatles-Songs

Und neben Versionen von Standards wie dem Hank-Williams-Song „I'm so lonesome I could cry“, Zeitgenössischem wie dem Beatles-Song „Something“ oder Frank Sinatras "My Way" spielt er viele eigene Hits wie „Suspicious Mind“ oder „I can’t help falling in Love“. Die Interpretation von "Fever" wird zur Gratwanderung zwischen Verführung und Parodie.

Die Edition zum 50. wurde neu remixt und klingt klanglich klarer und dynamischer. Neben der Vinyl-Version* gibt es auch eine Box mit drei CDs*, die neben der Live-Show die Proben einen Tag vorher beinhalten und die zusätzlichen Songs, die für die längere Fassung fürs US-TV aufgenommen wurden. Eine beigefügte Blu-Ray zeigt das Konzert und Zusatzmaterial.

Wir stellen in #langenichtgehört vergessene, verkannte oder einst viel gehörte Alben vor.

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