Paulas Welt: Ein geteiltes Hundeleben

Paula von der Eulenburg über das geteilte Menschen- und Tierland.

Paula von der Eulenburg

Paula von der Eulenburg

Foto: Peter Michaelis

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Mein Name ist Paula von der Eulenburg. Ich bin nicht nur ein Mops in der Stadt der Weimaraner. Ich bin auch ein Hund der gelebten Einheit. Ich stamme von einer ganz lieben Züchterin aus dem westlichen Eichsfeld – und habe nun schon bald neuneinhalb Jahre meine Heimat in der Mitte Thüringens.

Früher wäre so ein Wechsel nicht möglich gewesen. Menschen durften nicht zueinanderfinden, und auch bei den Tieren galt die Grenze. Das führte dazu, dass sich beispielsweise Schäferhunde in West und Ost ganz anders entwickelten. Das Problem haben wir Möpse nicht. Uns gibt es sowieso in vielen Varianten. Das sind die typischen altdeutschen Möpse, die einem Zuchtideal entsprechen, das – und das ist sehr gut so – nicht das Ideal meiner Züchterin war. Sie hat sich damals für Sportmöpse entschieden. Und wenn mein Frauchen sagt, dass ich ein Sportmops sei, dann führt das ja bei vielen Menschen erst mal zu ungläubigem Staunen nach dem Motto: Gibt’s doch gar nicht. Gibt es wohl. Der Sportmops ist generell sportlicher, weil er längere Beine hat und weniger Gewicht auf die Waage bringt. Von Trägheit kann bei mir ja keine Rede sein. Und einen gewissen Hang zur Gemütlichkeit entwickele ich nur, wenn sich meine Menschen ganz ruhig aufs Sofa legen. Dann lege ich mich dazu. Aber wehe, einer will aufstehen und gar in Richtung Küche gehen, dann hält mich nichts mehr … Könnte ja ein Häppchen abfallen. Bloß gut, dass ich so sportlich bin, sonst sähe ich wohl anders aus.

Doch zurück zum geteilten Menschen- und Tierland. Zur Grenze gehörten ja auch Hunde, deren Aufgabe es war, Flüchtige aufzuspüren und die gewiss so trainiert waren, dass sie aus einem Angriff als Sieger hervorgegangen wären. Und so einen Angriff können Menschen ja bei speziell ausgebildeten Hunden befehlen … Mir sträubt sich das Fell, wenn ich mir vorstelle, was da alles geschehen konnte.

Noch vor Ende der DDR waren diese Hunde noch übriger als die vormals darauf abgerichteten Grenzer, Menschen am Weg in die Freiheit zu hindern. Schon im Januar 1990 berichtete der Spiegel unter der Überschrift „Verschmuste Bestien“, dass die DDR 2500 ausgemusterte Grenzhunde loswerden wollte, nachdem zuvor schon
1500 dieser arbeitslos gewordenen Grenzwächter Asyl in ostdeutschen Privathaushalten gefunden hatten. Neben Schäferhunden ging es offenbar um Rottweiler und Riesenschnauzer, die von den Zuständigen wegen ihres guten Charakters gelobt wurden, während sich manche Neubesitzer offenbar vor allem eine Art Schreckmonster erhofften, um Haus und Hof zu schützen. Bloß gut, dass diese Zeiten vorbei sind und Schutzhunde nicht mehr auf der Grundlage von Unrecht Dienst tun müssen.

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