Problemzonen: Zeit, die nie vergeht

Elena Rauch über das Warten.

Elena Rauch

Elena Rauch

Foto: Andreas Wetzel

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Warten ist das Erleben von Zeit, sagt der Wissenschaftler Andreas Göttlich aus Konstanz. Er leitet ein Forschungsprojekt zum Warten. Der Mensch verbringt einen großen Teil seines Lebens mit Warten: Auf einen Termin beim Augenarzt, auf den nächsten Urlaub, auf den oder die Richtige. Und kaum ist sie oder er gefunden, beginnt das Warten von Neuem. Es lohnt sich, das Warten auch genderspezifisch zu betrachten.

Ein Mann soll im Laufe seiner Lebens ein Jahr mit dem Warten auf seine Frau verbringen. Mindestens genauso lange dürfte eine Frau warten, während ihr Mann versucht, eine Einstellung auf ihrem Tablet zu reparieren oder ihr Dinge erklärt, nach denen sie nie nicht gefragt hat. Das soziologische Phänomen des Wartens ist eng verwandt mit dem physikalischen der Raum-Zeit-Krümmung. Beim Warten dehnt sich die Zeit quälend ins Unendliche, während sie beim Nichtwarten praktisch verschwindet.

Sehr gut wird man das wieder in der Adventszeit beobachten. Während sie für einen Mann in Echtzeit stattfindet, ist sie für eine Frau nur im Rückblick wahrnehmbar, weil sie zum Warten keine Zeit hat. Um das wieder auszugleichen, lässt sie ihn den Rest des Jahres warten: Vor dem Badezimmer, im Schuhgeschäft oder auf dem Bahnhof.

Gefährlich wird es, wenn man versucht, in dieses sensible Kontinuum gewaltsam einzugreifen. In Essen hat sich ein wartender Ehemann auf die Zuggleise gestellt, weil seine Frau noch nicht da war. Jetzt wartet der Mann auf sein Strafverfahren. Wir vermuten, es handelte sich um einen Feldversuch der Uni Konstanz.

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