Thüringer Spitzen: Multitasking

Elmar Otto über mobiles Leben.

Elmar Otto

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Foto: Andreas Wetzel

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Bodo Ramelow musste beim Landkreistag ausnahmsweise mal nicht auf den „Grill“. Ja, so nannte Präsidentin Martina Schweinsburg (CDU) tatsächlich den Platz neben ihr, auf dem sonst gewöhnlich der Ministerpräsident Platz nimmt, um sich die obligatorischen Forderungen der Landräte um die Ohren hauen zu lassen. In der Regel geht es dabei um Geld. Viel Geld. Aktuell ist es ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag pro Jahr, den die Landesfürsten als Nachschlag verlangen.

Aber dieses Mal waren alle besonders vorweihnachtlich gestimmt. Und das lag nicht nur an den roten Päckchen auf den Tischen mit den zur Tradition gewordenen Stollen zum Mitnehmen.

Nein, irgendwie war alles anders. Geld schien nicht mehr die größte Rolle zu spielen. Nachdem CDU und FDP schon 168 Millionen Euro für die Kommunen als adventliches Paket geschnürt hatten, zeigte sich die SPD noch spendabler: 500 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre hat sie im Angebot. Und der Widerspruch der politischen Konkurrenz hielt sich in Grenzen.

Auch der geschäftsführende Regierungschef war dem Vorschlag zugetan. Die Kommunen dürfen deshalb zu Recht auf mehr Geld hoffen. Und wenn man von einem bereits ausgehen kann, dann davon: Eine Minderheitsregierung wird teuer.

Aber so oder so, in der Zeit vor dem Fest muss man auch mal Fünfe gerade sein lassen und ein bisschen entspannen. Das dachte sich wohl auch Uwe Höhn.

Während Ramelow nämlich am Rednerpult erfolgreich versuchte, die beinahe heimelige Atmosphäre im Kreise der kommunalen Familie aufrechtzuerhalten, war der Kommunalstaatssekretär mit einer anderen wichtigen Tätigkeit beschäftigt: Höhn konzentrierte sich auf das Sudoku-Spiel auf seinem Handy. Damit bewies der SPD-Mann einmal mehr, dass er wirklich vieles gleichzeitig kann: zuhören, tippen und auch noch logisch denken.

Im Laufe des Tages perfektionierte der sozialdemokratische Spitzenbeamte seine Fertigkeiten sogar noch und verlas im Landtag tatsächlich eine Rede, die eigentlich für Innenstaatssekretär Udo Götze geschrieben worden war. Aber der Kollege hatte sich wegen eines wichtigen Termins in Berlin verspätet.

Nun muss man sagen, dass vor allem mediale Multitasking-Fähigkeiten im Parlament ein inzwischen weit verbreitetes Phänomen darstellen. Während Ramelow am Donnerstag seine Regierungserklärung hielt, schienen viele Abgeordnete mehr Interesse an ihren Mobiltelefonen, Laptops oder wichtigen Unterlagen zu haben als an den wichtigen Worten des linken Ministerpräsidenten.

Besonders gut fotografisch dokumentiert ist das bei den AfD-Vordenkern Björn Höcke und Stefan Möller. Aber auch nur, weil deren Platz recht nah neben dem Rednerpult liegt.

Ramelow revanchierte sich später, indem er beide ebenfalls kaum eines Blickes würdigte und sich seinem iPhone widmete.

Beim Unionsabgeordneten Andreas Bühl hatte es den Anschein, als sei er auf seinem Notebook mit CDU-Collagen beschäftigt. Dafür brachte er allerdings ein wenig Farbe ins Spiel: Seine knallroten Socken waren nicht zu übersehen – sollen aber ausdrücklich keine Koalitionsaussage gewesen sein.

Landeskorrespondent Elmar Otto erreichen Sie unter e.otto@tlz.de

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