Elmar Otto über eine Äußerung, die die Gemüter erhitzt

Da war richtig Feuer unterm Dach des Landtags. Also im übertragenen Sinne, versteht sich.

Allmonatlich stehen in dem Raum der Landespressekonferenz die Spitzen der Landtagsfraktionen Journalisten Rede im Antwort. Manchmal geht es dabei auch kontrovers zu, in der Regel aber gesittet und vorrangig um Themen der Landtagssitzung. Aber dieses Mal erhitzte etwas anderes die Gemüter.

Er halte die Äußerungen von Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) „für einen politischen Skandal“, schimpfte Linke-Fraktionschef Steffen Dittes. Es müsse einen Aufruhr geben von all denen, die in den vergangenen zehn Jahren in der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bodo Ramelow zusammengearbeitet oder von Unternehmen und Institutionen, die mit ihm zu tun gehabt hätten.

Aber worum ging es eigentlich?

Vogel hatte während einer Podiumsdiskussion, bei dem es um die Vorstellung seiner neuen Autobiografie ging, gesagt: „Natürlich ist Ramelow gefährlicher als die AfD, weil Ramelow Ministerpräsident ist. Das ist doch logisch, dass man darauf zunächst einmal achtet.“

Der mittlerweile 91-Jährige Vogel war selbst lange Zeit Ministerpräsident – 23 Jahre in West und Ost. Erst in Rheinland-Pfalz, später in Thüringen. Auch im hohen Alter gilt Vogel als analytischer Kopf, der politische Zusammenhänge treffend auf den Punkt bringt. Der kurze Satz des Ehrenvorsitzenden der Thüringer CDU erwies sich allerdings als gefährliches Geplauder und wurde in den Augen mancher sogar eine Art verbaler Brandsatz.

„Das ist offensichtlich mehr als nur eine Äußerung eines verwirrten Mannes, sondern Teil einer politischen Strategie“, wetterte Dittes. Es gehe um die Diffamierung einer Person und einer Partei und eine Verharmlosung der Gefahr von rechts. 

Unionsfraktionschef Mario Voigt hatte zwar das Vogel-Zitat mitbekommen, aber noch nicht mit ihm telefonieren können. Deshalb wirkte der Spitzenkandidat unsicher. „Wir alle kennen doch Bernhard Vogel. Es gibt kaum jemanden in Deutschland, der so geschliffen formuliert“, sagte Voigt. Er könne sich nur vorstellen, dass er gesagt habe, dass es für die inhaltliche Auseinandersetzung durch Ramelows Amtsbonus herausfordernder ist.

Am Ende versuchte ein Fraktionssprecher, die Wogen ein wenig zu glätten. Voigt habe nun mit dem Regierungschef a. D. gesprochen. Und jetzt sei klar: Vogel habe die Gefährlichkeit Ramelows auf die „Handlungsmöglichkeiten eines Ministerpräsidenten“ bezogen. Für die Demokratie sei die AfD gefährlicher.

Na dann ist ja wieder alles klar.