Bad Langensalza: Kita startet längere Öffnungszeiten

Bad Langensalza  Das Bundesministerium fördert die Betreuung. Awo sammelt Erfahrung mit Kita „Rosa Luxemburg“ in Bad Langensalza

m kribbelbunten Haus am Jüdenhügel sind Kinder nun schon ab 5 Uhr willkommen. Foto: Mara Mertin

m kribbelbunten Haus am Jüdenhügel sind Kinder nun schon ab 5 Uhr willkommen. Foto: Mara Mertin

Foto: zgt

Dem Versuch, längere Öffnungszeiten anzubieten, stellt sich im Unstrut-Hainich-Kreis momentan nur eine einzige Kindertagesstätte. In der Awo-Kita „Rosa Luxemburg“ in Bad Langensalza können die Knirpse seit August zwischen 5 und 19 Uhr betreut werden. An einem Sonnabend pro Monat öffnet die Kita zudem von 7 bis 14 Uhr.

Die Öffnungszeiten zu verlängern, ist Ziel von „Kita Plus“. Denn „gute Betreuung ist keine Frage der Uhrzeit“, argumentiert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Teilnehmende Kitas unterstützt der Bund bei den Ausgaben für Personal und Investitionen. Berater unterstützen für drei Jahre bei der pädagogischen Konzeption.

Neben der Kita „Rosa Luxemburg“ habe bisher keine weitere Einrichtung aus dem Kreis Interesse angemeldet, bestätigte in dieser Woche eine Pressereferentin des Ministeriums. Insgesamt würden in Thüringen sieben Kitas teilnehmen.

„Wir nehmen teil, aber nicht mit Bad Langensalza“, erläuterte Erwin Gerlach, Geschäftsführer der Thepra am Donnerstag. Von den 40 Kitas der Thepra probieren sich eine in Suhl und eine in Weißensee am Projekt. „Wir betreuen in Suhl von 5.30 bis 20 Uhr. Gerade für Eltern in Pflegeberufen ist das eine Erleichterung“, sagt Gerlach.

Öfter als die Abendstunden würde der frühe Morgen in Anspruch genommen. Jedoch ist die Zahl der Kinder, die frühmorgens gebracht werden, noch gering. „Fünf, sechs – von 147 Kindern“, bleibt Erwin Gerlach beim Beispiel „Tausendfüßler“ in Suhl. Was die Zukunft der langen Öffnungszeiten angeht, zeigte er sich daher skeptisch. „Wenn das Förderprogramm ausläuft stehen wir vor der Frage der Finanzierung.“

Die Thepra habe versucht, mit einer weiteren Kita in Eisenach teilzunehmen. Das sei vom Ministerium abgelehnt worden.

Der Kreisverband des Arbeiter-Samariter-Bundes prüft derzeit laut Geschäftsführer Wolfgang Haupt den Bedarf der Eltern. Auch er sprach die Kosten an und machte deutlich, dass eine Bereitschaft der Kommunen für längere Öffnungszeiten bestehen müsse. „Ein Antrag ergibt nur dann Sinn, wenn die Stadt bzw. Gemeinde bereit ist, nach Auslaufen der Förderung die Kosten zu übernehmen“, urteilte Wolfgang Haupt.

Den Bedarf bei den Eltern sieht die Awo Bad Langensalza deutlich. „Wir haben Eltern, die im Klinikum oder der Gastronomie arbeiten und deshalb längere Öffnungszeiten befürworten. Sie stehen mitunter vor Schwierigkeiten, ihre Kinder unterzubringen“, sagt Constanze Stollberg-Ho, Geschäftsführerin der Awo Bad Langensalza.

Familien, deren Berufsalltag sich nicht mit regulären Geschäftszeiten deckt, wolle man gezielt zur Kita am Jüdenhügel lenken. „Wir stehen am Anfang. Ich bin überzeugt, je populärer das Programm wird, desto mehr Familien werden es nutzen“, blickt Constanze Stollberg-Ho voraus. Auf den Gemeinden werde der Bedarf nicht so hoch sein. In der Stadt verhalte sich das aber anderes.

Dort arbeitet nun ein Team um Kita-Leiterin Anett Hildebrandt und Projektberaterin Anja Liebscher an der pädagogischen Konzeption. „Das Kind braucht morgens vielleicht eine Ruhephase und abends ist Zeit für Geschichten“, nennt Anett Hildebrandt Beispiele. „Wir erproben jetzt viel, werten aus, nehmen uns die Zeit mit den Eltern als Experten für ihre Kinder.“ Das Wohl der Kleinen stehe dabei immer im Mittelpunkt.

„Es geht nicht darum, dass die Kinder insgesamt länger in der Kita bleiben“, betont Anett Hildebrandt. „Es geht um eine Verschiebung der Betreuungszeit, die Eltern und Kindern zugute kommt.“ So merke man bereits jetzt, dass Mütter morgens nicht mehr hetzen müssen, um den Nachwuchs rechtzeitig zu bringen. „Es gibt wieder Zeit für einen entspannten Abschied. Wenn der Papa wochentags auf Montage ist, können Elterngespräche jetzt samstags stattfinden“, so Anett Hildebrandt.

Knirpse bleiben insgesamt nicht länger

Keinen Bedarf sieht das Priorats für Kultur und Soziales, das vier Kitas in Mühlhausen und beispielsweise die in Ballhausen betreibt. „Wir sind in dieser Beziehung ein gebranntes Kind“, sagt Geschäftsführer Thomas Baier. Vor einigen Jahren habe man auf Verlangen von etwa 20 Eltern die Kita „Butzemannhaus“ samstags geöffnet. Letztlich sei dieses Angebot in einem halben Jahr zweimal in Anspruch genommen worden.

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