Frank Quilitzsch erfährt aus einem Brief seiner Urenkelin Filipa vom Ende der Rostbratwurst

„Lieber Urgroßvater“, schreibt mir meine Urenkelin, „Du willst wissen, wie wir das Ernährungsproblem gelöst haben? Nun, von einer weltweiten Lösung sind wir noch meilenweit entfernt. Durch die Erderwärmung werden immer mehr Regionen unfruchtbar, und die Flüchtlingsströme bewegen sich dorthin, wo Getreideanbau noch möglich ist. Aber es gibt Fortschritte in den technologisch hoch entwickelten Ländern.

Ein Großteil unseres Proteinbedarfs wird inzwischen über Algen gedeckt, die im Meer geerntet oder in Laboren gezüchtet werden. Algenanbau hat zusätzlich einen positiven Effekt auf das Klima. Monokulturen und Massentierhaltung sind abgeschafft, und die Mehrheit der Menschen ernährt sich heute vegan.

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Bist Du Fleischesser? Ach, Du lebst ja in Thüringen. Ich möchte Dir den Appetit nicht verderben, Urgroßvater, aber weißt Du eigentlich, wie viel Wasser für die Herstellung einer einzigen Rostbratwurst verbraucht wird? Zur Erzeugung von einem Kilo Schweinefleisch sind im Schnitt 5988 Liter nötig. Eure Wurst wiegt 120 Gramm, wie viel davon wirklich Fleisch ist, weiß nur der Metzger. Aber zu Deiner Beruhigung: Niemand muss am Jahrhundertende auf Fleisch verzichten. Allerdings ist es teuer, denn es wird aus Stammzellen gezüchtet. Und jetzt musst Du ganz, ganz stark sein, Urgroßvater: Die echte Thüringer Rostbratwurst gibt’s nur noch im Museum. Dort ist auch das letzte aus Massentierhaltung erzeugte Exemplar ausgestellt. Es dient heutigen Kindern als abschreckendes Beispiel für ungesunde, nicht nachhaltige Ernährung. Deine Filipa.“

Frank Quilitzsch: Alter, du wirst abgehängt. Die besten Kolumnen, Klartext-Verlag, 176 S., 16,95 Euro