Erfurt. Reinhard Kleist spricht über die Faszination für den 2003 verstorbenen Musiker und die erneute Arbeit an seiner erfolgreichen Graphic Novel.

Der in Berlin lebende Künstler Reinhard Kleist hat nach 17 Jahren eines seiner erfolgreichsten Werke überarbeitet: „Cash - I see a Darkness“ ist die gezeichnete Lebensgeschichte von Johnny Cash. Anlässlich des 20. Todestags des Musikers am 12. September ist das Werk neu erschienen.

Von wem kam die Idee, „I see a Darkness“ zum 20. Todestag Johnny Cashs zu kolorieren und neu zu veröffentlichen?

Die Idee war schon lange auf dem Tisch. Da das Buch schon 17 Jahre alt ist und in einem anderen Format gehalten war, als meine beiden anderen Bücher über Musiker (Nick Cave und David Bowie, Anmerkung der Redaktion), hatten mein Verlag und ich die Idee, das Buch zu überarbeiten und schöner zu machen.

Haben Sie lange überlegt, ob und wie Sie die Aufgabe angehen?

Überhaupt nicht. Schnell war klar, dass es ein Hardcover werden soll und dass wir eine zusätzliche Schmuckfarbe und eine farbige Galerie am Ende brauchen. Zusammen mit Thomas Gilke, der auch die Kolorierung meines David-Bowie-Comics „Starman“ übernommen hatte, entstand das Farbdesign, das aus dem alten Comic ein fast völlig neues Buch macht.

Was war dabei die größte Herausforderung?

Ich habe den Comic mehrmals noch mal gelesen und festgestellt, dass ich an einige Textstellen noch mal ran muss. Ein paar mal holperte es im Dialog deutlich. Das war einfach zu bearbeiten. Ich musste mich allerdings zurückhalten an den Zeichnungen etwas zu ändern.

Johnny Cash - gezeichnet und überarbeitet

Mehr Farbe gibt es in der bearbeiteten Neuveröffentlichung der Graphic Novel
Mehr Farbe gibt es in der bearbeiteten Neuveröffentlichung der Graphic Novel "Cash - I see a Darkness". © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
Autor und Zeichner des Werks ist Reinhard Kleist.
Autor und Zeichner des Werks ist Reinhard Kleist. © Carlsen Verlag | Wolf-Dieter Tabbert
Seine Premiere feierte Kleists gezeichnete Cash-Biographie im Jahr 2006.
Seine Premiere feierte Kleists gezeichnete Cash-Biographie im Jahr 2006. © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
So sieht das Cover der ersten Version der Graphic Novel aus.
So sieht das Cover der ersten Version der Graphic Novel aus. © Carlsen Verlag | Carlsen Verlag
Und so das Cover der Neuauflage von
Und so das Cover der Neuauflage von "Cash - I see a Darkness" aus dem Jahr 2023. © Carlsen Verlag | Carlsen Verlag
Kleist hat vor allem die Bildergalerie am Ende des Buches koloriert.
Kleist hat vor allem die Bildergalerie am Ende des Buches koloriert. © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
Die Bilder zeigen typische Posen und markante Stationen aus Cashs Leben.
Die Bilder zeigen typische Posen und markante Stationen aus Cashs Leben. © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
Die Panels hat Kleist behutsam renoviert: Neben kleineren textlichen Bearbeitungen ist der graue Hintergrund nun dezent grün.
Die Panels hat Kleist behutsam renoviert: Neben kleineren textlichen Bearbeitungen ist der graue Hintergrund nun dezent grün. © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
Die Farbgebung macht laut Kleist
Die Farbgebung macht laut Kleist "aus dem alten Comic ein fast völlig neues Buch". © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
Das Werk ist Kleists erste eigene große Graphic Novel.
Das Werk ist Kleists erste eigene große Graphic Novel. © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
Das dezente Farbkonzept funktioniert und öffnet neue Sichtweisen auf das Werk.
Das dezente Farbkonzept funktioniert und öffnet neue Sichtweisen auf das Werk. © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
Schwarz-weiße Bilder gibt es immer noch. Vor allem die Verbildlichung von Songs nutzen diesen Effekt.
Schwarz-weiße Bilder gibt es immer noch. Vor allem die Verbildlichung von Songs nutzen diesen Effekt. © Carlsen Verlag | Reinhard Kleist
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Der Blick aufs eigene Werk kann sich mit der Zeit ändern. Was würden Sie mit dem Abstand von 17 Jahren bei „Cash“ heute anders machen?

Wie gesagt, kann sich im Laufe der Zeit sehr viel im eigenen Zeichenstil ändern: Die Anatomie wird besser, der Strich expressiver, die Komposition sicherer. Da könnte ich bestimmt vieles heute besser. Ich war aber immer noch beeindruckt davon, wie ich es damals geschafft habe, die komplexe Geschichte spannend und vielschichtig zu erzählen. Es war immerhin mein erstes eigenes Graphic-Novel-Projekt.

Das Buches war ein großer Erfolg. Inwieweit hatte Sie das damals überrascht?

Ich wusste zwar, dass Cash ein großer Name in der gesamten Musikszene, von Country bis Punk bis Techno, ist und, dass es viele Überschneidungen zur Comicszene gibt, aber, dass das Buch so ein grosses Echo finden würde, habe ich nicht erwartet. Es hat diverse Preise gewonnen und sich extrem gut verkauft. Ich denke, ich habe eine gute Balance zwischen Fakten und einem sehr persönlichen, intimen Zugang zu Cash gefunden.

Was macht aus Ihrer Sicht die Faszination von Johnny Cash auch für nachfolgende Generationen aus?

Er hat immer verstanden, uns mit seiner Musik direkt anzusprechen, gerade auf seinen letzten Alben. Es ist, als ob er neben einem sitzt. Dieses Charisma und die Gebrochenheit in seiner Stimme machen ihn so lebendig und nah. Er ist meilenweit weg von der glatten Oberflächlichkeit, die die Charts dominieren. Und doch ist da bei vielen Menschen das Bedürfnis nach Echtem und Greifbarem. Nach jemandem, der die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens durchgemacht hat und davon erzählt.

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Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Projekte aus?

Das Thema muss etwas in mir berühren, etwas mit mir selbst zu tun haben. Da gibt es einerseits die politischen, gesellschaftlichen Themen, wie bei „Knock Out!“ das Thema Homophobie, oder die Musiker, von deren Werk ich natürlich Fan sein muss. Zu den Musikern kommt noch hinzu, dass ich jeweils davon überzeugt bin, dass Cash, Cave oder Bowie gute Geschichtenerzähler sind.

Eines ihrer nächsten Projekte wird eine weitere Graphic Novel sein über David Bowie - nach „Starman“, dass die Ziggy-Stardust-Jahre zum Thema hat. Welchen inhaltlichen Fokus in Bowies Biographie wollen Sie dieses Mal setzen?

Dieses Mal erzähle ich von den Jahren nach Ziggy Stardust: Die Zeit in den USA, wo er Alben wie „Young Americans“ und „Station to Station“ gemacht hat, und dann natürlich die Jahre in Berlin, wo er mit Iggy Pop in einer Wohnung lebte und eine Art Berlin-Bohemien war. Es ist meine Heimatstadt und so setze ich auch Berlin damit ein Denkmal.

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