“Helene Fischer Show“

Helene Fischer zu perfekt? Nie atemlos, immer makellos

Helene Fischer hat in ihrer Show an Weihnachten erneut gezeigt, dass sie scheinbar alles kann. Kann eine Entertainerin zu perfekt sein?

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Helene Fischer mit dem Sänger Josh Groban bei der „Helene Fischer Show“ 2019.

Helene Fischer mit dem Sänger Josh Groban bei der „Helene Fischer Show“ 2019.

Foto: Sandra Ludewig / ZDF und Sandra Ludewig

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  • Helene Fischer hat an Weihnachten mal wieder Traumquoten für das ZDF geholt
  • Mit ihrer Show ist sie mittlerweile fixer Bestandteil des Fests in vielen Familien
  • Kritiker stören sich an Helene Fischers zur Schau gestellter Perfektion – nie atem-, aber immer makellos
  • Die Sängerin kann und macht offenbar alles – und Gabalier, Gottschalk und Nick Carter machen mit

Berlin. Am Ende der drei Stunden, das muss man der “Helene Fischer Show” lassen, hat man das Gefühl, jetzt wirklich alles gesehen zu haben.

Wenn Comedian Bülent Ceylan und Helene Fischer gemeinsam eine Evanescence-Bombast-Rock-Version von „Atemlos“ singen und dazu weiße Engel mit gruseligen Federmasken auf Segways über die Bühne fahren, fangen selbst die ersten im Publikum der Messehalle Düsseldorf an, ungläubig zu gucken. Und dabei liegt in diesem Moment bereits einiges hinter den Zuschauern.

Helene Fischer – Liebling der Fans

„Helene Fischer Show“ war ein Ritt

Sie haben Helene auf einer übergroßen Schaukel thronend ins Studio fliegen sehen und an einer Stange in der Luft turnend. Sie sang mit Backstreet Boy Nick Carter genauso wie mit Roland Kaiser; mit Kindern wie mit dem 83-Jährigen Engelbert.

Und Thomas Gottschalk schien bei „Germany’s Next Topmodel“ offenbar noch nicht genug bekommen zu haben. Bei Helene auf der Bühne sang er Zeilen wie: „Ding dong! Bald bimmelt’s wunderbar”. Was tut man nicht alles, um für eine Neuauflage von „Wetten, dass?“ zu werben.

Fünf Fakten über Helene Fischer

Kurzum: Die Show war ein Ritt. Mal gelungen, mal weniger gelungen. Mal musikalische Spitzenleistung, mal Playback-Show, was auch in den sozialen Netzwerken für Kritik sorgt. Mal erwartbar wie das Duett „Ti amo“ mit Howard Carpendale.

Mal eher unangenehm wie der Moment, an dem Helene Fischer Lady Gaga mimt und Roland Kaiser den Schauspieler Bradley Cooper, als sie das Erfolgsduett „Shallow” nachsingen und dabei umso mehr bewusst machten, dass sie eben vieles sind, nur nicht Lady Gaga und Bradley Cooper.

Helene Fischer und Roland Kaiser blamieren sich

Aber dann gab es auch die Nummern, die überraschend und berührend waren wie das Duett mit Josh Groban. „Du spielst so oft in unserem Wohnzimmer“, verriet die Sängerin ungewohnt private Details, als sie den Schauspieler und Sänger ankündigte.

Auch wenn die Stimmen nicht zu hundert Prozent zueinander passen, schafft Josh Groban das Undenkbare: Er weckt Emotionen bei Helene Fischer, die sonst routiniert wegsingt, was es eben wegzusingen gibt. „In The Arms Of An Angel“ war der wohl berührendste Auftritt des Abends. Das stellt das ZDF auch gleich mit der Einblendung weinender Gesichter im Publikum unter Beweis.

Helene Fischer ist eine Maschine: in Mönchskutte und in Leder-BH

Seit neun Jahren gibt es nun „Die Helene Fischer Show“. Zwischen 5 und 6,5 Millionen Menschen versammeln sich am 1. Weihnachtsfeiertag traditionell vor den Fernsehern. Nach Angaben des Portals Quotenmeter.de waren es in diesem Jahr im Schnitt 5,92 Millionen Zuschauer und damit eine Quote von 20,4 Prozent.

Es ist die vielleicht letzte Abendshow des deutschen Fernsehen, die wirklich alle Generationen zusammenbringt. Und seit kurzem steht fest: auch in den kommenden drei Jahren ist die Show wieder im ZDF zu sehen. Es war eine der wichtigsten Fragen, die sich Fans der „Helene Fischer Show“ zuletzt gestellt haben.

Helene Fischer vereint Millionen Deutsche, die mit Gans, Würsten und Plätzchen vollgegessen und vollgefuttert dabei zusehen, wie Helene Fischer Luftakrobatik macht und sich dabei fragen, wie es sich wohl anfühlen würde, einmal im Leben so viel Körperspannung zu haben wie die Sängerin.

Helene Fischer: Diese Frau ist eine Maschine

Kurzum: Die Frau ist eine Maschine. Und das beweist sie in jeder Minute der Show. Die Deutschen mögen bekanntlich perfekte Maschinen und schenken Helene Fischer daher mit Freude öffentlich-rechtliche Gebührengelder für diese 360-Mitarbeiter-Show. Und wer nicht nur am Fernsehbildschirm dabei sein will, sollte sich so bald wie möglich um Tickets für die „Helene Fischer Show“ 2020 kümmern.

Helene Fischer enttäuscht nicht. Ihre Kostümwechsel reichen von Mönchskutte bis Leder-BH. Jedes Kostüm (bis auf die Mönchskutte) legt den in jeder Faser trainierten Körper wohldosiert frei. Sie singt auf Suaheli und mit Michelle Hunziker auf Italienisch. Sie tanzt mit libanesischen Tänzerinnen und mit „Ist-das-ein-Hakenkreuz-auf-dem-CD-Cover?-Volks-Rock’n’Roller“ Andreas Gabalier.

„Helene Fischer Show“: Andreas Gabalier sorgte schon im Vorfeld für Kritik

Und das ist wohl der einzige Moment, in dem die Show auch noch ein weiteres Kriterium erfüllt: Sie ist kontrovers. Schon vorab sorgte die Einladung Gabaliers für Kritik – auch unter den Helene-Fischer-Fans. Einige drohten sogar, aus dem Saal zu gehen, wenn der selbsternannte „Volks-Rock’n’Roller“ die Bühne betritt.

Der Grund: Einige Aussagen des Musikers lassen wenig andere Interpretationen zu, als dass sie homophob, rechtspopulistisch und frauenfeindlich sind. So sagt Gabalier etwa, dass sich Homosexuelle Kindern zuliebe doch aus der Öffentlichkeit halten sollten.

Für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist bei der Helene-Fischer-Show natürlich kein Platz. Und in einem Land, in dem die AfD zweistellige Wahlergebnisse feiert, zeigt Helene Fischer mit so einer Einladung eben auch, dass sie wirklich jeden erreichen möchte.

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Helene Fischer strauchelt – das ist ein Highlight

Am faszinierendsten ist die Show aber, wenn mal nicht alles perfekt ist. Wenn Helene Fischer – wie jedes menschliche Wesen – etwas Schnappatmung hat, nach einer anstrengenden Tanzeinlage. Oder wenn sie mal mit einer Duett-Partnerin nicht richtig harmoniert wie mit Freya Ridings.

Am Klavier sitzend stimmt die britische Singer-Songwriterin ihren Song „Castles“ an. Helene Fischer stimmt mit ein. Doch irgendwie wollen diese beiden Sängerinnen so gar nicht zusammenpassen.

Mit der Darbietung diverser Musicals – von „Die Päpstin“ bis hin zu „My Fair Lady“ – schließt Helene Fischer in gewohnter Manier ihre Show ab. Und damit bleibt nach knapp drei Stunden Show, unzählbaren Glitzerbodies, Kutten und Kleidern mit tiefen Schlitz, über ein Dutzend Songs und athletischen Tanzeinlagen nur noch die Frage: „Wie macht diese Frau das?“ und „Was gibt es für uns eigentlich am 2. Weihnachtsfeiertag zum Essen?“

„Helene Fischer Show“ 2019 – Die Wiederholung

Sie haben die „Helene Fischer Show“ 2019 verpasst? Hier können Sie sich die ganze Sendung in der ZDF-Mediathek anschauen.

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