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So zerpflückte ein Maischberger-Gast Johnson und Corbyn

Berlin.  Bei „Maischberger“ wirft die Tochter von Ex-Kanzler Schmidt Corbyn „stalinistische Methoden“ vor. Auch Johnson kommt nicht gut weg.

Susanne Schmidt, Tochter des früheren Kanzlers Helmut Schmidt, lebt seit 40 Jahren in Großbritannien – und hat eine klare Meinung zu den britischen Spitzenkandidaten.

Susanne Schmidt, Tochter des früheren Kanzlers Helmut Schmidt, lebt seit 40 Jahren in Großbritannien – und hat eine klare Meinung zu den britischen Spitzenkandidaten.

Foto: WDR/Melanie Grande

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Rund 46 Millionen Wahlberechtigte sind am Donnerstag in Großbritannien aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Letzten Prognosen zufolge dürfte die Wahl wohl zum Erfolg für Premierminister Boris Johnson werden. Bei „maischberger. die woche“ ging es am Mittwochabend daher unter anderem um die Frage, welche Folgen die Wahl für den Brexit haben wird. Doch hängen geblieben ist bei den Antworten der Gäste vor allem eine erbitterte Meinung zu den beiden Spitzenkandidaten.

Die Labourpartei um ihren Vorsitzenden Jeremy Corbyn scheinen aus dem Brexit-Drama keinen Profit schlagen zu können. Und mit einer satten Mehrheit könnte Boris Johnson seinen Brexit-Plan durchziehen. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt – doch der sich ewig hinziehende Austritt würde damit in greifbare Nähe rücken.

Eine sinnvolle Alternative zu Johnson ließ sich aber bei „Maischberger“ nicht erkennen. Denn auch Oppositionsführer Corbyn wurde dort heftig attackiert.

„maischberger. die woche“ – das waren die Gäste:

  • Susanne Schmidt, Wirtschaftspublizistin
  • Amelie Fried, Buchautorin und Moderatorin
  • Jörg Thadeusz, „ARD“-Moderator
  • Nikolaus Blome, Journalist
  • Natalie Dedreux, Aktivistin mit Downsyndrom
  • Michaela Dedreux, Natalies Mutter

Susanne Schmidt, die Tochter des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt, lebt seit 40 Jahren in England. Dort arbeitete sie zunächst bei mehreren Banken, anschließend war sie Moderatorin beim Wirtschaftsfernsehsender „Bloomberg TV“. Was sie von der Wahl halte, wollte Moderatorin Sandra Maischberger wissen. „Es ist eine Wahl zwischen Pest und Cholera“, war Schmidts erste Feststellung. Doch sie wurde noch deutlicher.

„Maischberger“-Talk: Die steilste These

Dass Boris Johnson mitunter ein Lügner ist, dürfte mittlerweile weitgehender Konsens sein. Ebenso, dass sein Kontrahent Jeremy Corbyn mindestens fragwürdige Positionen vertritt. Insbesondere seine teils unklare Haltung zu antisemitischen Strömungen innerhalb der Labourpartei wäre, so fasste es der ehemalige stellvertretende „Bild“-Chefredakteur Nikolaus Blome zusammen, „in Deutschland nicht denkbar“.

Doch Susanne Schmidt ging in ihrer Kritik an Corbyn noch weiter. Nicht nur, dass er marxistische und sozialistische Positionen vertrete – sie warf ihm und seiner Partei sogar „stalinistische Methoden“ vor. Woran sich das festmache, verriet sie allerdings nicht. Auch Sandra Maischberger wollte das anscheinend nicht genau wissen und ließ diese steile These einfach ohne Nachfragen stehen.

Der emotionalste Moment bei Maischberger

Natalie Dedreux ist mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen. Die 21-Jährige ist Bloggerin und Aktivistin, die sich gegen Spätabtreibungen bei Kindern mit Down-Syndrom einsetzt. Mit einem Bluttest lässt sich während der Schwangerschaft herausfinden, ob das Ungeborene ein Down-Syndrom hat. Das sollte ihrer Meinung nach verboten sein. „Man muss keine Angst haben. Das Leben ist kein Kinderspiel, aber es ist möglich“, sagte Dedreux und erhielt viel Applaus.

Auch ihre Mutter, die zu Gast war, kritisierte die immer umfassender werdenden Testmöglichkeiten bei Ungeborenen auf Krankheiten. „Wo hört das auf?“, fragte sie sich. Denn irgendwann gäbe es dann nur noch vermeintlich perfekte Menschen. „Das kann man nicht wollen“, sagte sie.

Deutlich wurde: Das Thema ist kein individuelles, sondern hat gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Mehr Diskussionen darüber wären also dringend geboten.

Das Dauerthema

Viel Diskussion erzeugt Kevin Kühnert (SPD) hingegen mittlerweile schon seit Längerem. Warum sich Maischberger angesichts der beiden neuen SPD-Vorsitzenden auch diesmal wieder auf diese Personalie einließ, bleibt schleierhaft. Andererseits: Für Jörg Thadeusz und Susanne Schmidt war das eine wunderbare Vorlage.

Erst regte sich Moderator Jörg Thadeusz, der für seine Nähe zur CDU bereits von seinem Arbeitgeber, dem RBB, gerügt wurde, über den im November wiedergewählten Juso-Vorsitzenden auf. „Was stört Sie denn an Kevin Kühnert?“, wollte Sandra Maischberger von ihm wissen. „Vieles, denn er hat schon so viele Dummheiten gesagt“, war Thadeusz‘ simple Antwort.

Schmidt machte es wenigstens unterhaltsamer. Den Fragen von Sandra Maischberger wich sie vehement aus. So vehement, dass ihre Haltung schon wieder deutlich zutage trat. „Man kann auch durch Nichts-Sagen viel sagen“, brachte es Maischberger auf den Punkt.

Maischberger dagegen hätte sich selbst sagen können: Nur sagen, wenn auch was ist. Die Woche hatte schließlich genug andere, wirklich relevante Themen.

Wahl in Großbritannien – Mehr zum Thema:

Die Briten wählen an diesem Donnerstag ein neues Parlament. Lesen Sie hier, was die Spitzenkandidaten Johnson und Corbyn unterscheidet. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Wahl in Großbritannien können Sie hier nachlesen.Alle Entwicklungen zur Großbritannien-Wahl 2019 erfahren Sie im News-Blog. Auch, warum die Wahl der Briten eine Schicksalswahl für Europa ist, wird hier beantwortet.

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