Denkmal für einstige Synagoge in Gera geschändet - Täter gefasst

Auf frischer Tat wurde ein 32-jähriger Geraer gestellt, der am Dienstagabend gegen 22.55 Uhr das Denkmal für die einstige Synagoge in der Schülerstraße schändete.

Blaulicht

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Foto: zgt

Gera. An dem Tag hatte sich zum 72. Mal die Reichspogromnacht gejährt.

Der Mann hatte Blumengebinde, die am Abend niedergelegt worden waren, und Grabkerzen weggetreten. Er wurde von Beamten der Polizeiinspektion Zentrale Dienste überrascht und festgenommen. Mittlerweile befindet er sich aber wieder auf freiem Fuß. Der Täter war alkoholisiert, ein Atemtest ergab 2,04 Promille. Der 32-Jährige ist polizeibekannt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Beleidigung und Sachbeschädigung, teilte eine Polizeisprecherin mit. Das Denkmal war wiederholt Ziel von Sachbeschädigungen in den letzten Jahren.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Lemb und das Aktionsbündnis "Gera gegen Rechts" äußerten sich schockiert. "Nicht einmal das Gedenken an die Pogromnacht bleibt von Taten mit rechtsradikalem Hintergrund verschont. Das ist traurig und sollte uns alle zum Nachdenken anregen", äußerte sich Christoph Berger, einer der Sprecher. Die Tat reihe sich ein in mehrere Vorfälle, so seien u.a. Stolpersteine entwendet worden, die an Opfer des NS-Regimes erinnern. Nicole Schneider von der mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus (moBiT) sieht im Vergehen eine antisemitische Tat. "Wenn ein Mensch auf die Idee kommt, die Zeichen der friedlichen Erinnerung und des Mahnens gewaltsam zu zerstören, ist das eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus." Da der Täter sich trotz Anwesenheit von Passanten – es waren Polizisten in Zivil, die den Mann verhafteten – am Denkmal zu schaffen machte, müsse er sich sicher gefühlt haben. Begrüßt wird das Handeln der Polizei.

Am Sonntag um 14.45 Uhr will das Aktionsbündnis am Grab des Widerstandskämpfers Rudolf Diener auf dem Ostfriedhof der Nazi-Opfer gedenken.

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